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MV aktuell So profitiert MV vom neuen Tesla-Werk in Brandenburg
Nachrichten MV aktuell So profitiert MV vom neuen Tesla-Werk in Brandenburg
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10:09 19.11.2019
In diesem Gewerbegebiet in Grünheide bei Berlin plant Tesla seine neue Gigafactory. Quelle: Getty Images
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Rostock/Schwerin

Von dem angekündigten Werk des E-Autobauers Tesla im brandenburgischen Grünheide könnte die gesamte Automobilbranche, auch die Zulieferer in Mecklenburg-Vorpommern, profitieren. Tesla-Chef Elon Musk hatte das Projekt in der vergangenen Woche angekündigt.

Die geplante Fabrik soll in Grünheide auf einer Industriefläche nahe der Autobahn 10 entstehen. Das US-amerikanische Unternehmen plane, dass die Bauarbeiten im ersten Quartal 2020 beginnen, Produktionsstart solle 2021 sein. Tesla will das künftige Kompakt-SUV Model Y, Batterien und Antriebe südöstlich der Hauptstadt bauen.

„Bei uns werden die Pläne durchaus positiv aufgenommen“, sagt Andreas Vietinghoff, Manager des Automobilzulieferer-Netzwerks „Automotive Mecklenburg-Vorpommern“. Auch wenn die Branche global aufgebaut sei und über gute Logistik für weitweite Zulieferung verfüge, sei ein Werk in unmittelbarer Nähe von Vorteil für die Branche im Nordosten. „Die Zeitpläne sind sportlich, noch ist da eine grüne Wiese. Sollte das Werk aber tatsächlich wie angekündigt 2021 den Betrieb aufnehmen, wird Tesla bald versuchen, eine regionale Zulieferer-Struktur aufzubauen.“ In der Konsequenz könne das auch mehr Arbeitsplätze in der Branche bedeuten.

MV gut aufgestellt

Davon könne auch MV profitieren. Vorbereitet auf einen neuen Autohersteller in der Nähe sei das Land. Der Nordosten habe sich nach Angaben des Netzwerks innerhalb des „Auto-Superstandortes Deutschland“ einen Namen gemacht. „Wir haben hier eine Reihe von Systemproduzenten und Zulieferern, die sich als zuverlässige Partner der Automobilwirtschaft etabliert haben und sich im globalen Wettbewerb behaupten“, sagt Vietinghoff.

„Wir haben viele mittelständische Unternehmen, die hochflexibel am Markt sind und schnell auf Kundenanfragen reagieren. Außerdem können wir in Mecklenburg-Vorpommern auf einen sehr großen Fachkräftepool zurückgreifen.“ Zwar sei auch der Nordosten nicht vor einem Fachkräftemangel gefeit, dieser sei allerdings nicht so groß wie in anderen Regionen. „Gerade was Effizienz und Innovationen angeht, sind viele ansässige Unternehmen sehr weit vorgeprescht.“

Bis zu vier Milliarden Euro für deutsche Fabrik

In Mecklenburg-Vorpommernsind etwa 100 überwiegend kleine und mittlere Unternehmen im Bereich automotive tätig. Davon sind rund 30 Unternehmen spezialisierte Automotive-Zulieferer, beispielsweise die Webasto Neubrandenburg GmbH, die TRW Airbag Systems GmbH, die Flamm Precomp GmbH & Co. KG und die Oberaigner Automotive GmbH in Laage.

Mittlerweile arbeiten rund 5000 Menschen in diesem Industriezweig und erwirtschaften in den etwa 100 Betrieben einen jährlichen Umsatz von rund 1,5 Milliarden Euro.

Der US-Elektroauto-Hersteller Tesla will bis zu vier Milliarden Euro in die geplante „Gigafactory“ in Grünheide nahe Berlin investieren. In einer ersten Stufe sind der Brandenburger Landesregierung zufolge in Grünheide (Kreis Oder-Spree) über 3000 Arbeitsplätze geplant, bis zu 8000 könnten es nach einem Ausbau werden. Der Start der Bauarbeiten nahe der Autobahn 10 ist für das erste Quartal 2020 geplant.

Die Fabrik soll voraussichtlich Ende 2021 in Betrieb gehen und zunächst den künftigen Kompakt-Sportgeländewagen Model Y sowie auch Batterien und Antriebe bauen.

Anfang 2019 warenim Nordosten 626 batterie-elektrische Fahrzeuge zugelassen. Damit ist die Zahl im Vergleich zu 2018 (418) und 2019 (252) gestiegen. Von der einen Million an Elektroautos, die ursprünglich von der Politik als Zielmarke deutschlandweit für das Jahr 2020 vorgesehen war, ist Deutschland weit entfernt. Stand Oktober 2019 sind seit 2010 tatsächlich rund 284 000 E-Fahrzeuge bundesweit zugelassen worden. 126 000 davon sind Plug-in-Hybride.

Neubrandenburg: 680 Mitarbeiter produzieren Heizungen

Als Beispiel nennt der Netzwerkmanager die Firma Webasto, die auch einen Standort in Neubrandenburg hat und auf Dächer und Heizsysteme spezialisiert ist. „Selbstverständlich sind solche Heizungen auch bei Tesla einsetzbar. Das Unternehmen wäre in der Lage, auch für Tesla zu produzieren“, schätzt der Experte ein.

Bei Webasto hält man sich bedeckt. „Die Pläne von Tesla zeigen, wie wichtig der Automobilstandort Deutschland ist. Für die weitere Entwicklung des Elektromobilitätsmarkts in Europa erwarten wir uns durch eine Ansiedlung eines weiteren namhaften Fahrzeugherstellers positive Effekte“, sagt eine Sprecherin. „Vor rund drei Jahren haben wir entschieden, zusätzlich den Elektromobilitätsmarkt zu erschließen, von dem wir uns viel versprechen.“

In Neubrandenburg produzieren 680 Mitarbeiter neben kraftstoffbetriebenen Standheizungen auch elektrisch betriebene Hochvoltheizer. „Langfristig soll unser Geschäft mit Produkten für die Elektromobilität ein weiteres wichtiges Standbein für Webasto werden.“ Darüber, ob eine Zusammenarbeit mit Tesla in Brandenburg denkbar sei, macht die Sprecherin keine Angaben.

Branche im Wandel

Auch Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) sieht die Branche im Wandel. „Die geplante Ansiedlung eines Tesla-Werkes in Brandenburg wird die Transformation der Automobilindustrie in Deutschland hin zu Elektroantrieben intensivieren. Konkurrenz belebt das Geschäft. Für die Automobilzulieferindustrie gilt es, sich darauf einzustellen und die neuen Chancen zu nutzen“, sagt er. Eine Einschätzung, inwiefern die Tesla-Ansiedlung in Brandenburg Mecklenburg-Vorpommern betrifft, könne derzeit seriös noch nicht getroffen werden.

Keine zusätzlichen Aufträge in Laage

Auch Stephan Gappa, Geschäftsführer des Laage-Standortes der Firma ZF TRW Airbag Systems GmbH, sieht in der Neuansiedlung vor allem eine Chance für die Wirtschaft in der Region, aber auch für die Automobilbranche in Deutschland. „Die Branche wird belebt und das ist gut für alle Automobilzulieferer“, sagt er. Dass durch das neue Werk auch mehr Aufträge für den Standort in Laage warten, glaubt er jedoch nicht. „Wenn das Werk tatsächlich in zwei Jahren stehen soll, dann wird jetzt bereits feststehen, welche Zulieferer da beauftragt werden“, vermutet er.

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