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MV aktuell So schmeckt Weihnachten
Nachrichten MV aktuell So schmeckt Weihnachten
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06:00 22.12.2017
Geflügel zählt zu den traditionellen Weihnachtsgerichten. Bei den Füllungen kann man kreativ sein. Quelle: fotolia
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Rostock

Würstchen an der Spitze

Ein schöner Braten, Würstchen mit Kartoffelsalat oder die Gans: Großartig experimentierfreudig sind die Deutschen nicht, wenn es darum geht, was Heiligabend auf den Tisch kommt. Etwa ein Viertel greift traditionell auf Würstchen mit Kartoffelsalat zurück, dies zeigt eine repräsentative Umfrage vom Marktforschungsinstitut Harris Interactive und Mixerhersteller Vitamix. 17 Prozent freuen sich auf die Gans, 13 Prozent bereiten einen Braten. Schwein, Rind und Lamm stehen hier besonders hoch im Kurs. Für Raclette begeistern sich 12, für Fondue noch 6 Prozent.

Würstchen und Kartoffelsalat gehören zu Weihnachten genauso wie Gans und Ente. Quelle: Soeren Stache/dpa

Auf Qualität kommt es an

Neben der traditionellen Gans stünden auch andere Gerichte wie Rind und Wild ganz oben auf der Hitliste, sagt Stefanie Heckel vom Dehoga-Bundesverband. Aber egal was am 24. Dezember auf den Tisch kommt, die meisten verbringen diesen Abend zu Hause. An den beiden folgenden Feiertagen wird aber immer öfter ausgegangen. Auch Familien nutzen dieses Angebot verstärkt. Hervorragend angenommen werde an den Feiertagen vor allem auch das Brunch-Angebot. Dabei zeigten sich die Gäste anspruchsvoller als noch vor ein paar Jahren. „Sie legen Wert auf die Qualität der Produkte. Es kommt dabei weniger auf den absoluten Preis an, mehr zählt ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis“, sagt Stefanie Heckel.

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Neben Gans, Ente und Kartoffelsalat stehen auch andere Gerichte wie Rind und Wild ganz oben auf der Hitliste. Quelle: fotolia

Weihnachtsfest für Seemänner

Tausende Menschen müssen an den Festtagen arbeiten und können gar nicht bei ihren Familien sein. Besonders hart trifft es die Seemänner und -frauen. Daher organisiert die Seemannsmission Rostock in jedem Jahr ein Weihnachtsfest. Ein großes Festessen gibt es hier aber nicht, denn „viele Schiffsbesatzungen sind interreligiös“, sagt Leiter Folkert J. Janssen. Zudem hätten die meisten schon an Bord gegessen. „Um 19 Uhr feiern wir dann eine kleine Andacht, der Clubraum ist dekoriert und unterm Christbaum liegen Päckchen und Musikinstrumente bereit. Viele spielen und singen Lieder aus ihrer Heimat“, sagt Janssen.

Sabine Richter und Folkert F. Jansen packen in der Rostocker Seemannsmission Geschenke für Seeleute. Quelle: Danny Gohlke/ddp

Frische Waren gefragt

In den Wochen vor Weihnachten würden verstärkt Backzutaten, Konserven und Getränke gekauft, sagt der Geschäftsleiter bei Globus in Roggentin, Frank Meißler. In der letzten Woche vorm Fest werden dann vor allem frische Produkte nachgefragt. „Der Trend fürs Weihnachtsessen geht hin zu hochwertigen Produkten. Kunden schätzen Fischspezialitäten, vor allem Lachsscheiben, Kaviarcreme, frischen Karpfen und Forelle.“ Auch beliebt seien Fisch- und Käseplatten.

In der Weihnachtszeit werden unter anderem verstärkt Backzutaten gekauft. Quelle: Christophe Gateau/dpa

Lieferdienste boomen

Algen, Insekten und Seetang: Davon werden sich in der Zukunft neun Milliarden Menschen ernähren, sagt Trendforscher Mathias Haas. Weihnachten sei es aber „ein großer Kampf“, Traditionen zu brechen. Maden wollen wir nicht auf unserer Festtafel sehen, sagt er, „aber Sushi könnte kommen. Vor vielen Jahren war das noch elitär.“ Betrachtet man aber die gesamte Adventszeit, so tut sich hier in den letzten Jahren viel: Vor allem Lieferdienste würden immer gefragter, auch an den Festtagen. Mathias Haas hat aber vor allem die entfernte Zukunft im Blick. „Wir sind nicht die Jungs für die nächsten zwei Wochen“, sagt er. In vielen Jahren werde die Gesellschaft immer mehr gespalten. „Die einen haben dann den Wildfisch, die anderen den gezüchteten Farmfisch“, sagt der Forscher. Andererseits sind alternative Nahrungsmittel im Kommen. Etwa Chips aus Algen oder Schokolade mit Maden.

Sushi zu Weihnachten ist ein Trend der noch kommen könnte Quelle: Kimimasa Mayama/dpa

Tradition statt Innovation

Auch Spitzenkoch Tillmann Hahn aus Bad Doberan weiß, dass es beim Thema Weihnachtsessen nicht um Innovation geht. Die Menschen wollen vielmehr das essen, was sie aus ihrer Kindheit kennen, was Mutti gekocht hat. „Und genau darum geht es auch bei Slow Food“, sagt der selbstständige Gastronom. Tradition, Regionalität und Nachhaltigkeit stehen im Mittelpunkt. Rasch angestiegen sei die Nachfrage nicht, aber der Zuspruch im Bereich Slow Food wachse, so Hahn. „Vor allem Ente oder Gans funktionieren hier wunderbar in der Region und sind auch erschwinglich.“

Quelle: dpa

Karpfen ist Silvesterfisch

So viel Karpfen wie am Jahresende verkauft Leif Detlefsen aus Hütten bei Rostock das ganze Jahr nicht. Er schätzt, dass dieser Fisch in der Gegend in jedem dritten oder vierten Haushalt auf den Tisch kommt. Seine Hauptzeit kommt kurz vor Silvester. „Da verkaufe ich rund zehn Prozent mehr als vor Weihnachten“, sagt der Fischereihofbetreiber. Heiligabend laufen vor allem Räucherfisch und Forelle. Die Leute probierten auch Neues. „Der Karpfen wird nicht mehr so zubereitet wie bei Oma und Opa.“ Beliebt seien zwar weiter Meerrettich und Kräuterkruste, im Trend sei aber der Tassenkarpfen. Er wird auf dem Tisch serviert, als würde er noch im Wasser schwimmen. Bereits beim Braten wird er hierzu auf zwei Kaffeetassen gestülpt.Vorbestellen muss man seinen Fisch bei Detlefsen nicht. „Bis zwei Kilo haben wir alles da“, sagt er, „der Kunde kann sich der Größe nach sortiert seinen Fisch aussuchen“. Dabei muss er sich auch keinen Stress mit dem Halten des Fisches in der Badewanne machen. „Wir lassen den Karpfen bis zum letzten Tag schwimmen und filtern ihn so gründlich aus, damit er nicht moorig schmeckt“, versichert Detlefsen.

Tassenkarpfen auf dem Tisch serviert, als würde er noch im Wasser schwimmen. Quelle: Detlefsen

 Dana Frohbös