Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell So schützen sich Ämter in MV vor aggressiven Bürgern
Nachrichten MV aktuell So schützen sich Ämter in MV vor aggressiven Bürgern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
15:17 06.12.2019
Wachdienstmitarbeiter mit einer Regenjacke. In vielen Behörden sorgen sie für Sicherheit. Quelle: Fotolia
Anzeige
Rostock

Wie schützen Behörden an der Küste ihre Mitarbeiter und Besucher vor Übergriffen und Gewalt durch ausrastende Kunden? Die OZ hat sich umgehört.

In der Kreisverwaltung in Wismar ist an den Sprechtagen immer ein Sicherheitsdienst anwesend, teilt Petra Rappen, Sprecherin des Landkreises Nordwestmecklenburg mit. Das gilt insbesondere in der Ausländerbehörde und im Sozialbereich. Mitarbeiter wurden geschult, Schließpläne für Außentüren sollen dafür sorgen, dass kein Unbefugter ins Gebäude gelangt.

Kameras im Besucherbereich

Im Migrationszentrum des Landkreises Vorpommern-Greifswald hat die Behörde Panoramakameras installiert, die den Besucherbereich überwachen, teilt Kreissprecher Achim Froitzheim mit. Statt an Schreibtischen arbeiten die Sachbearbeiter hinter Tresen, was zusätzlichen Schutz biete. Manche Besucher der Behörde, die mitunter aus Bürgerkriegsländern kommen und eine lange Fluchtgeschichte hinter sich haben, träten aggressiv auf.

Mit dem Benzinkanister ins Jobcenter

Auch im kreiseigenen Jobcenter gebe es diese Probleme gelegentlich. 2014 wollte hier ein psychisch gestörter Mann einen Brandanschlag verüben. Der 58-Jährige kippte mehrere Liter Benzin im Gebäude aus und hantierte mit Feuerzeugen. Polizisten gelang es, ihn von seinem Vorhaben abzubringen.

Auch „Normalbürger“ drohen schon mal

Es seien aber auch sonst eher unauffällige Ämter und „Normalbürger“ betroffen, so Froitzheim: „Es passiert schon mal, dass jemand, der den Führerschein abgeben oder eine hohe Geldbuße zahlen muss, Mitarbeiter bedroht.“

Seit Anfang dieser Woche müssen alle Besucher der Landkreisverwaltung in Greifswald den hinteren Eingang nehmen. Das sei auch aus Sicherheitsgründen geschehen, um die Besucherströme von der zentralen Infotheke aus besser im Blick zu haben.

Hausverbote nach Zwischenfällen

Übergriffe gegen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gibt es auch in „unregelmäßigen Abständen“ im Rostocker Migrationsamt, teilt Rathaussprecher Ulrich Kunze mit. Nach Einrichtung eines Sicherheitsdienstes seien diese Vorfälle „spürbar seltener“ geworden.

Als Maßnahme gegen mögliche Wiederholungstäter spricht die Behörde kurz- und längerfristige Hausverbote aus, je nach Schwere des Zwischenfalls. Um Verwaltungsmitarbeiter auch nach Feierabend zu schützen, gibt es in einigen Ämtern auf Wunsch Auskunftssperren für Privatadressen und anonymisierte Dienstausweise.

Alarm-Knopf am Computer

Die 350 Mitarbeiter des Rostocker Hanse-Jobcenters werden regelmäßig darin geschult, eskalierende Situationen mit Worten zu entschärfen. Das habe sich bewährt, so Sprecher Burkhard Voigt. Schwere Zwischenfälle seien in jüngerer Zeit nicht vorgekommen. Die insgesamt 350 Mitarbeiter können zudem von ihren Computern aus Alarm auslösen, ein Wachschutz-Mitarbeiter steht im Foyer bereit.

Manchmal muss die Polizei kommen

Im Landkreis Vorpommern-Rügen spielen ebenfalls Schulungen eine wichtige Rolle, um potenziell gefährliche Situationen gar nicht erst entstehen zu lassen. Aber nicht jeder Konflikt lässt sich verbal schlichten. „Gelegentlich müssen wir die Polizei rufen“, sagt Landkreissprecher Olaf Manzke.

Laute Worte, Bedrohungen und Einschüchterungen kämen immer mal wieder vor, insbesondere im Jobcenter und in der Ausländerbehörde. Die Behörden reagieren – je nach Schwere des Vorfalls – ebenfalls mit Hausverboten und mit Strafanzeigen.

Urin-Glas als Waffe

Kunden, die Ärger machen, seien oft schon lange in den Ämtern bekannt, so Manzke. Die Sachbearbeiter schützen sich solchen Fällen, in dem sie etwa bei Terminen zu zweit im Büro sitzen. Ein besonders heftiger Fall, an den Manzke sich noch gut erinnern kann, liegt schon ein paar Jahre zurück.

Damals brachte ein Mann ein Glas mit einer Flüssigkeit mit ins Amt. Das sei Urin, behauptete er. Und damit werde er die anwesenden Mitarbeiter bespritzen und so mit HIV anstecken, wenn ihm nicht sofort geholfen wird. Auch hier blieb es bei der Drohung.

Mehr zum Thema

Mehr zum Autor

Von Gerald Kleine Wördemann

Bedrohungen, Beleidigungen und Übergriffe gehören in vielen Ämtern zum Alltag. Der Landkreis Nordwestmecklenburg setzt nach einem schweren Vorfall vom September auf verborgene Maßnahmen, andere Landkreise treffen gut sichtbare Vorkehrungen gegen übergriffige Bürger.

06.12.2019

Unbekannte haben in Neubrandenburg Farbbeutel auf einen Laden geworfen. Dieser soll einem Mitglied der Alternative für Deutschland gehören. Da eine politisch motivierte Tat nicht ausgeschlossen werden kann, ermittelt jetzt der Staatsschutz.

06.12.2019

Star-DJ Felix Jaehn aus Nordwestmecklenburg hat mit der 1-Live-Krone einen weiteren Award für seine Sammlung bekommen. Als Belohnung tritt er eine gemeinsame Reise mit seiner Mutter nach Mauritius an. Auch die Feiertage will er familiär verbringen - an der Ostsee.

06.12.2019