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MV aktuell So viel Prunk und Luxus: Das Villen-Paradies der Kaiserbäder auf Usedom
Nachrichten MV aktuell So viel Prunk und Luxus: Das Villen-Paradies der Kaiserbäder auf Usedom
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15:28 17.10.2019
Der Strand von Ahlbeck – einem der drei Kaiserbäder auf Usedom: Rechts das Restaurant auf der ältesten deutschen Seebrücke mit dem berühmten roten Dach und den grünen Türmchen. Links: Prächtige Bäderstilvillen an der Promenade. Quelle: Stefan Sauer
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Ahlbeck

Balkone, Erker, Türmchen, Balustraden und säulengerahmte Loggien: Wie ein kleines Märchenschloss liegt sie da, die „Villa Hintze“. Mit unzähligen Stuckelementen verziert und in sanftem Rosa gestrichen empfängt der Bau aus dem Jahre 1900 den Besucher.

Doch fast noch erstaunlicher als die Pracht selbst ist, dass dieses Meisterwerk der Architektur zwischen Heringsdorf und Ahlbeck gar nichts Außergewöhnliches darstellt in den Usedomer Kaiserbädern, zu denen auch noch Bansin gehört – denn es gibt in den drei Orten an der Ostsee einfach so viele atemberaubende Häuser.

Bildergalerie: Die schönsten Bauten der Usedomer Kaiserbäder

Nirgendwo weltweit gibt es so viele Bäderstilvillen wie in den Usedomer Kaiserbädern Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck. Hier eine Auswahl der schönsten Häuser.

Schon Kaiser Wilhelm I. kam gern

„Wir haben weltweit die größte Dichte an Bäderstilvillen“, sagt Thomas Heilmann stolz, was auch der Bund deutscher Architekten bestätigt. Heilmann ist der Kurdirektor des exklusiven Usedomer Seebad-Trios, die ihren Beinamen tragen, weil schon Kaiser Wilhelm I im 19. Jahrhundert gern hier seine Ferien verbrachte.

Über 200 der prachtvollen Bäderstilvillen gibt es in den Kaiserbädern. Erbaut wurden die meisten in der zweiten Hälfte des 19.  Jahrhunderts – zumeist von den Reichen und Schönen des Berliner Geldadels. Und sie lockten schon damals Prominente wie Thomas Mann, Leo Tolstoi, Kurt Tucholsky oder Johann Strauß zur Sommerfrische. Maxim Gorki erholte sich eine Saison lang in der Villa Irmgard, die heute der Gemeinde gehört. „Diese wunderschönen Gebäude sind natürlich ein Hauptbestandteil unseres Marketings“, sagt Kurdirektor Heilmann. Und sie ziehen heute wie damals.

Alle Beiträge zu Teil 4 der OZ-Serie „Wem gehört das Land“: Usedomer Kaiserbäder

So viel Prunk und Luxus:
Das Villen-Paradies der Kaiserbäder auf Usedom

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Filmproduzent Lars Dittrich kauft die Villa Staudt

Vor einigen Jahren schaute sich der beliebte Schauspieler Terence Hill in Heringsdorf um. Bestseller-Autorin Donna Leon, die in Venedig auch nicht schlecht lebt, kommt zwei Mal pro Jahr in die Kaiserbäder, da sie das Ambiente liebt. Filmproduzent Lars Dittrich („Er ist wieder da“) ist so begeistert, dass er sich hier mehrere Häuser gekauft hat, darunter die prestigeträchtige „Villa Staudt“ in zentraler Heringsdorfer Lage, die mit einer markanten grünen Büste im Garten an die Besuche von Kaiser Wilhelm I. erinnert.

Eines der schönsten Gebäude in den Kaiserbädern: Die 1900 erbaute Villa Hintze in Heringsdorf. Quelle: Lennart Plottke

Harte Debatten um Abriss von Bädervillen

Diese Summen locken allerdings auch Spekulanten auf die Insel, die versuchen, Grundstücke zu kaufen und oft mit großem Gewinn weiterzuveräußern, was zuletzt zuweilen für jahrelangen Stillstand sorgte an prominenten Stellen der Seebäder. „Oder es wurden historische Häuser abgerissen und mit hässlichen Neubauten ersetzt“, prangert Bernd Herrgott an, der im Kaiserbäder-Bauausschuss sitzt und selbst mehrere Immobilien in Ahlbeck hat.

Zu harten Debatten und großem Protest kam es zum Beispiel, als der Sylter Reeder Sven Paulsen im Bansiner Zentrum 2014 die Bädervillen Aegir und Emma abreißen ließ – gegen den Willen der Gemeinde, aber mit Genehmigung des Landkreises – und dort neue Häuser baute, die nun knapp 30 Eigentumswohnungen und das Fischrestaurant Gosch beherbergen.

Hotelanlage für 80 Millionen Euro

Auch der Neubau einer großen Hotelanlage der Berliner Primus AG in Ahlbeck für 80 Millionen Euro auf dem Gelände der alten Berufsschule wird von vielen Einheimischen kritisch gesehen. Die im Juni gewählte neue Bürgermeisterin der Kaiserbäder, Laura Isabelle Marisken (parteilos) bezieht deshalb auch klar Position gegen Wildwuchs und zu viele neue Bauprojekte: „Die Bäderarchitektur ist ein Ausdruck unserer Vergangenheit. Es gilt diese historische Identität mit allen unserer Kommune zur Verfügung stehenden Instrumentarien zu schützen“, betont sie. Und sie sagt: „Das Spiel mit Spekulationsobjekten geht zulasten einer jeden Gemeinde.“

Hohe Preise verdrängen Einheimische

Zumeist habe Verwaltung aber bei Privateigentum kaum Spielraum, einzuschreiten. Wo man handeln könne und wolle, sei das Thema kommunaler Wohnungsbau. Denn wegen des hohen Preisdrucks in den Kaiserbädern sind die Mieten für Einheimische oft kaum mehr erschwinglich. Viele mussten daher schon ins Hinterland der Insel ziehen oder Usedom ganz verlassen: „Hier wollen wir mit Neubauten auf Gemeindeland dagegenhalten“, verspricht Marisken.

Ein großes Problem für Betriebe sieht der bekannte Ahlbecker Hotelier Manfred Wenisch in den hohen Immobilien-Preisen. „Gerade junge Unternehmer können sich oft kein Eigentum mehr leisten und sind dann mit hohen Pachten belastet. Ich befürchte, dass wir deshalb gerade in Hotels und Gaststätten künftig bald viele schnelle Betreiberwechsel erleben müssen“, orakelt der gebürtige Insulaner.

Doch, bei allen Problemen: Kurdirektor Heilmann wirbt für Optimismus. „Die Bausubstanz der Kaiserbäder ist ein Schatz, mit dem wir wuchern können. Wenn wir es richtig machen, werden langfristig alle profitieren.

Richtigstellung

In einer vorherigen Fassung dieses Artikels hatten wir behauptet: „Filmproduzent Lars Dittrich („Er ist wieder da“) und seine Frau, Sängerin Kim Fisher, sind so begeistert, dass sie sich gleich mehrere Häuser hier gekauft haben“. Hierzu stellen wir fest: Frau Fischer ist nicht die Ehefrau sondern die Lebenspartnerin von Herrn Dittrich. Die Häuser hat Herr Dittrich alleine erworben. Die Redaktion.

OZ-Serie „Wem gehört das Land?“

Die OZ stellt in der Serie „Wem gehört das Land?“ Eigentümer in wichtigen Orten und Lagen in Mecklenburg-Vorpommern vor. Denn sie bestimmen durch ihre Aktivitäten maßgeblich die Entwicklung mit. Die Kaiserbäder auf Usedom sind der 4. Teil der Reihe. Zuvor erschienen sind Binz auf Rügen, ein Überblick zu Eigentümern in der Landwirtschaft und die Halbinsel Wustrow.

Lesen Sie mehr Teile der OZ-Serie:

„Wem gehört das Land?“

Von Alexander Loew

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