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MV aktuell Solar-Abzocke: 100 Euro für eine Kilowattstunde
Nachrichten MV aktuell Solar-Abzocke: 100 Euro für eine Kilowattstunde
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06:27 22.04.2014
Bernd Nitsche und sein umstrittener Stromzähler. Quelle: Dietmar Lilienthal
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Mönchhagen

Zockt der Stromanbieter Eon private Solarenergieproduzenten ab? Eigenheimbesitzer, die den Sonnenstrom von ihrem Dach an das Unternehmen verkaufen, müssen für den kaum messbaren Verbrauch ihres Stromzählers einen eigenen Liefervertrag abschließen. Für eine einzige Kilowattstunde, die nur 24 Cent kostet, können so fast 100 Euro fällig werden.

So unter anderem bei Bernd Nitsche und seiner Frau Marlies in Mönchhagen bei Rostock: Sie haben seit 2008 eine Photovoltaikanlage mit bis zu 6,5 Kilowatt Leistung. Für Betrieb und Wartung des Zählers zahlten sie bis 2012 rund neun Euro im Jahr an den Netzbetreiber Eon Edis (heute nur noch Edis). „Kurz vor Weihnachten 2012 kam dann ein Brief von Eon edis, dass sich die Abrechnungsmodalitäten ändern würden“, sagt Nitsche. Weiter hieß es, dass der Eigenverbrauch des Zählers ab 2013 gesondert abgerechnet werden und dafür eigens ein Stromlieferant beauftragt werden müsse. Da die Nitsches sich in der Weihnachtszeit so kurzfristig keinen Stromlieferanten suchen konnten und wollten, beauftragte der Netzbetreiber Eon edis den Stromversorger Eon Energie. Mit der ersten Rechnung kam dann die dicke Überraschung: „Wir sollten auf einmal neun Euro im Monat bezahlen“, sagt Nitsche. Den Löwenanteil macht dabei der Grundpreis von 96 Euro aus.

„Das ist eine unverhältnismäßige Forderung, auch wenn sie vielleicht den Buchstaben des Gesetzes entspricht“, sagt Horst Frank, Energieexperte bei der Verbraucherzentrale MV. „Der Anbieter sollte die Kirche im Dorf lassen und darauf verzichten.“

Laut Jens Kiel vom Landeszentrum für erneuerbare Energien MV (Leea) sind die Netzbetreiber zwar berechtigt, den Zählerstrom abzurechnen. „Aber meistens sind die Kosten deutlich niedriger.“ Die Summen bewegten sich üblicherweise zwischen null und 40 Euro.

Für die Schlichtungsstelle Energie, die im gemeinsamen Auftrag von Verbraucherzentralen und Stromversorgern bei Streitigkeiten zwischen Kunden und Anbietern vermittelt, sind die Nitsches kein Einzelfall. „Wir haben mehrere Eon-Kunden mit diesen Problemen“, sagt Ombudsmann Jürgen Kipp. „Ein Fall wird voraussichtlich in den kommenden Wochen entschieden, daher kann ich dazu heute noch nichts sagen.“ Eon habe einen Vorschlag zur Güte angekündigt, dieser sei aber noch nicht eingegangen. Zuvor hatte die Schlichtungsstelle bereits in einem ähnlichen Fall zugunsten des Kunden entschieden.

Edis-Sprecher Michael Elsholtz verteidigt das Vorgehen des Netzbetreibers: „Die Bundesnetzagentur hat uns verpflichtet, den Stromvertrieb auszugliedern.“ Eine elektronische Ablesung und Datenübertragung, die den Stromverbrauch des Zählers verursacht, müsse sein: „Edis hat in MV mehrere tausend Solarstrom-Einspeiser. Da ist es nicht möglich, dass jeder seinen Eigenverbrauch selbst abliest und an uns übermittelt“, betont Elsholtz.

Genau diese Lösung schlägt allerdings die Clearingstelle EEG vor, eine weitere Schlichtungsstelle, die im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums arbeitet: „Für den Fall, dass sich Anlagen- und Netzbetreiber nicht auf die Abrechnungsmodalitäten für die Messeinrichtungen einigen, können Anlagenbetreiber auch eine fachkundige dritte Person mit der Einrichtung und dem Betrieb der Messeinrichtungen beauftragen.“ Die Definition, wer fachkundig sein könnte, wird gleich mitgeliefert: „grundsätzlich alle des Lesens und Schreibens kundigen Menschen.“

Photovoltaik in MV
421 183 Megawattstunden Strom wurden im Jahr 2012 in MV mit Hilfe von Photovoltaikanlagen produziert. Die Produzenten erhielten dafür von den Netzbetreibern insgesamt 141 Millionen Euro. Die Zahl der Anlagen betrug 11 809. Sie hatten eine Gesamtleistung von rund 912 Megawatt. Auf die Einwohnerzahl gerechnet liegt MV damit an vierter Stelle in Deutschland.



Axel Büssem

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