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MV aktuell Spacken-Debatte: SPD und Grüne kritisieren Wortwahl
Nachrichten MV aktuell Spacken-Debatte: SPD und Grüne kritisieren Wortwahl
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12:49 28.06.2018
Ein beschmierter Strandkorb im Stralsunder Strandbad. Um der Zerstörungswut dort Herr zu werden, sollen nun der private Sicherheitsdienst und die Polizeipräsenz vor Ort verstärkt werden.
Ein beschmierter Strandkorb im Stralsunder Strandbad. Um der Zerstörungswut dort Herr zu werden, sollen nun der private Sicherheitsdienst und die Polizeipräsenz vor Ort verstärkt werden. Quelle: Stefan Sauer
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Stralsund

Nach der Ankündigung von Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU), Randalierer im Bereich des Strandbades künftig stärker verfolgen zu lassen, gibt es aus Teilen der Bürgerschaft Kritik an der Wortwahl des OB.

Badrow hatte während der Sitzung der Stadtvertreter in der vergangenen Woche von „Spacken“ gesprochen, „die nichts anderes zu tun haben, als Strandkörbe anzuzünden und abgebrochene Glasflaschen so zu vergraben, dass Kinder sich daran die Füße aufschneiden“.

Dass die Situation im Strandbad derzeit ein Problem ist, streitet keine Fraktion in der Bürgerschaft ab, aber die Art der Ansprache, die Badrow während seiner Rede gewählt hat, sorgt zum Teil für Befremden. „Die Wortwahl war nicht glücklich“, sagt SPD-Fraktionschef Peter van Slooten. „Eine angemessenere Sprache wäre wünschenswert gewesen.“

Ähnlich äußert sich Grünen-Fraktionschef Jürgen Suhr: „Ich habe großes Verständnis für die emotionale Äußerung des OB, denn wir reden hier nicht von Kavaliersdelikten, sondern von so schweren Straftaten wie versuchter Körperverletzung. Ich würde mir aber zukünftig eine andere Wortwahl wünschen, auch weil mit Beschimpfungen vermutlich keine Änderungen erzielbar sind.“

Van Slooten begrüßt, dass die Stadtverwaltung das Problem nun energisch angehe, warnt aber davor, in dem Strandbad ausschließlich „einen Hotspot der Kriminalität“ zu sehen. Eine Videoüberwachung sei deshalb in einem, was die Persönlichkeitsrechte betrifft, sehr sensiblen Bereich wie dem Strandbad keine Alternative. Auch der für das Strandbad zuständige Amtsleiter im Rathaus, Stephan Bogusch, lehnt die in der Bürgerschaft vorgebrachte Forderung nach einer Videoüberwachung ab.

Um der Zerstörungswut im Strandbad Herr zu werden, sollen nun der private Sicherheitsdienst und die Polizeipräsenz vor Ort verstärkt werden. Dies sei zunächst die Hauptaufgabe, sagt die Stralsunder CDU-Landtags- und Bürgerschaftsabgeordnete Ann Christin von Allwörden. „Mehr Polizisten sind eine effektive Maßnahme, um die Täter zu fassen.“

Für die Art der Äußerung, die Badrow an den Tag gelegt hat, inklusive des Begriffs „Spacken“, zeigt von Allwörden Verständnis: „Ich kann die emotionale Reaktion verstehen, weil die Erneuerung des Strandbades ein Projekt ist, für das der Oberbürgermeister brennt. Seine beherzte Rede zeigt doch, dass er mit Engagement bei der Sache ist.“

Badrow selbst stellt sich weiterhin gegen Ideen, die Badeanstalt wie vor der Sanierung wieder einzuzäunen. Dies könne nicht der richtige Weg sein, sagt er. Stattdessen sei geplant, die Zäune im südlichen Bereich der Seebadeanstalt im Zuge der dort noch anstehenden Sanierung ebenfalls zu entfernen. Auch van Slooten betonte, dass es fragwürdig wäre, bei neuen Projekten nur daran zu denken, wie man sie vor Vandalismus schützen kann. „Das wäre die Kapitulation der Kultur vor der Barbarei.“

Eine ähnliche Debatte wird derzeit in Greifswald geführt. Dort kämpft die CDU in der Bürgerschaft darum, den seit Jahrzehnten vorhandenen Zaun um das Strandbad im Stadtteil Eldena zu erhalten und dort zudem weiterhin Eintritt zu kassieren, während die Stadtverwaltung den Weg befürwortet, diesen Bereich dauerhaft und kostenfrei zu öffnen. Am Montag entscheidet dort die Bürgerschaft darüber.

Benjamin Fischer