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MV aktuell Wer den Pfennig nicht ehrt: Sparkasse erhöht Gebühren für Annahme von Münzen
Nachrichten MV aktuell Wer den Pfennig nicht ehrt: Sparkasse erhöht Gebühren für Annahme von Münzen
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20:00 16.08.2019
Eine Frau wirft Münzen in ein Glas. Sammelt sich zu viel an, wird der Umtausch in Scheine bei der Sparkasse Vorpommern teurer als bisher. Quelle: dpa
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Ribnitz-Damgarten

Erika Meding bringt das Problem lakonisch auf den Punkt: „Wir müssen den Leuten das Kleingeld ab jetzt aus der Tasche ziehen“, sagt sie, und es schwingt eine Portion Verärgerung mit. Die 65-jährige Apothekerin versorgt die Menschen in Ribnitz-Damgarten seit 1991 mit Medikamenten.

Technischen Neuerungen steht sie durchaus etwas reserviert gegenüber, aber den Fortschrittsanspruch, mit dem die Apothekerin nun von ihrer Sparkasse zur Förderung bargeldloser Bezahlungsmethoden erzogen werden soll, will sie nicht akzeptieren.

Die Sparkasse Vorpommern plant zum 1. September eine Gebührenerhöhung, von der in erster Linie viele kleinere Händler betroffen sein werden – die Bank zieht ihre Beträge für die Versorgung mit Kleingeld an. „Mir gegenüber hat die Sparkasse die neuen Gebühren mit sinkenden Einnahmen aus Zinsen begründet“, betont Frau Meding. Dafür habe sie ja Verständnis, „aber es muss doch einen moderateren Weg geben. Letztendlich wird vielen nichts anderes übrig bleiben, als die höheren Gebühren auf die Preise aufzuschlagen.“ Das habe sie von der Sparkasse nicht erwartet. „Die ist doch eine Bank des Volkes.“

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Auch das Sparschwein soll zahlen

Erstes Beispiel: Wer in einer Eisdiele am Tag 500 Euro an Klimpergeld verdient hat, wäre als Kunde der Sparkasse Vorpommern ab dem 1. September, wenn er die Groschen nach dem Feierabend dort abgibt, 25 Euro ärmer. Fünf Prozent der eingezahlten Summe beträgt dann die Gebühr dafür. Beispiel zwei: Selbst bei einem Sparschwein in gängiger Größe, in dem 50 Euro an Kleingeld stecken, würde die Sparkasse bei der Einzahlung fünf Euro einbehalten. Dies ist die Mindestgebühr für den Service. Kostenlos bleibt es, Kleingeld lediglich in der Menge einer Espresso-Tasse abzugeben, wie es in einem Sparkassen-Flyer zu dem Thema heißt. Demnach würden viele sehr kleine Sparschweine deutlich wirtschaftlicher arbeiten als ein großes.

Wer sauber in Rollen verpacktes Wechselgeld von der Sparkasse braucht, muss ab September ebenfalls mehr bezahlen. 50 Cent pro Rolle, und die soll’s dann nur im Zehnerpack geben. Macht fünf Euro extra pro Lieferung und Münzsorte. Meding sagt: „Von uns braucht keiner so viel Wechselgeld.“ Das Ganze habe den Effekt, dass 50 Ein-Cent-Münzen, so viel stecken in einer Rolle, genauso viel Wert sind, wie die Gebühr, die die Sparkasse dafür berechne. Bei größeren Geldstücken verbessert sich das Verhältnis zwischen dem Marktwert der Rollen und der Gebühr aber.

Kati Ambrosat, sie ist die Sprecherin der Sparkasse Vorpommern, sieht die Dinge naturgemäß etwas anders. „Bargeld ist teuer. Transport, Bearbeitung, Lagerung, Beschaffung – dafür entstehen hohe Kosten.“ Auch die Sparkasse sei ein wirtschaftlich arbeitendes Unternehmen, das „für seine Leistungen einen adäquaten Preis verlangen muss. Eine Quersubventionierung mit anderen Dienstleistungen ist, insbesondere auch durch die anhaltende Niedrigzinspolitik, nicht mehr möglich.“

Andere Institute gehen mit den Gebühren dennoch moderater um. Die Pommersche Volksbank verlange von Privatkunden gar keinen Anteil und von Geschäftskunden zwei Prozent der eingezahlten Summe, teilt Sprecher Jan Stock mit. Auch er sagt aber: „Münzen sind allein durch ihr Gewicht, für uns eine sehr kostenintensive Form des Geldes.“

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Bargeld ist für Banken ein teures Geschäft

Die Commerzbank berechne ihren Geschäftskunden 2,50 Euro pro Einzahlung, unabhängig von der Menge des Geldes, wenn die Moneten am Schalter abgegeben und dort von einem Mitarbeiter nachgezählt werden. Wer auf Technik vertraue, könne Münzen und Scheine auch in einen Automaten werfen. „Der zählt alles nach und schreibt den Betrag auf dem Konto gut“, sagt Abteilungsdirektor Mathias Paulokat. Man registriere aber im Geschäftskundenbereich ein wachsendes Interesse an etwas teueren Kontomodellen, bei denen Bargeld-Einzahlungen dafür zum Teil inklusive sind. „Das zeigt, dass dieser Service genutzt wird.“

Sparkassen-Sprecherin Ambrosat verweist darauf, dass das Bargeldaufkommen und damit die Kosten für Bargeld durch eine wachsende Akzeptanz von Kartenzahlungen reduziert werden könnten. Dieses Wachstum hält Torsten Grundke, er ist Geschäftsführender Gesellschafter des Stralsunder Media Marktes, für begrenzt. „Bei uns bezahlen etwa 53 Prozent der Kunden an der Kasse mit Karte, alle anderen immer noch in Bar“, sagt er und unterstreicht sogleich sein Verständnis dafür. „Bargeld bedeutet Freiheit.“ Jeder Bürger habe ein Recht darauf, einzukaufen oder Essen zu gehen, ohne dass irgendwo registriert wird, wo und wann das war. „Niemand muss zum gläsernen Menschen werden, wenn er das nicht will.“

In den skandinavischen Ländern gehört es indes zum Alltag, selbst kleine Beträge beim Bäcker oder am Imbiss mit der Karte zu bezahlen. Der Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Nord, Kay-Uwe Teetz, wirft den Banken vor, in der Vergangenheit zu wenig dafür getan zu haben, bargeldloses Zahlen attraktiver zu machen. Die steigenden Kosten für den Bargeldverkehr seien in der gesamten Branche ein Thema.

Erika Meding denkt derweil darüber nach, sich nun einen kleinräumigen Bargeld-Austauschservice rund um ihre Recknitz-Apotheke aufzubauen. „Ich könnte mit dem Eiscafé hier vereinbaren, dass wir unsere Scheine gegen deren Münzen tauschen. Alles für null Euro Gebühr“, sagt sie.

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Von Benjamin Fischer

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