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MV aktuell Spitzentechnik aus Rostock für Kreuzfahrtgiganten
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14:39 31.03.2019
Aufschwimmen der „Costa Smeralda“ in der Ostseewerft im finnischen Turku. Quelle: Frank Behling
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Turku

Eisschollen gehören eigentlich so gar nicht zur Umgebung für moderne Kreuzfahrtschiffe. Für die „Costa Smeralda“ war beim Ausdocken das Eis aber allgegenwärtig. Im finnischen Turku ist noch Winter. Dort wird das 337 Meter lange Schiff bei der Werft Meyer Turku gebaut. Die „Costa Smeralda“ ist das zweite Schiff der Helios-Klasse. Typschiff ist die „Aidanova“, die im Dezember in Fahrt kam.

Die „Costa Smeralda“ ist jetzt die erste Schwester von der Ostseewerft in Turku. Am 16. März kam das Schiff aus dem Dock ins vereiste Hafenbecken der Werft Meyer Turku. Jetzt beginnt dort die heiße Phase der Endausrüstung und Inbetriebnahme. „Wir haben uns natürlich die Abläufe bei der ‚Aidanova’ in Papenburg angeschaut und werden sie hier einfließen lassen. So etwas ist eben immer ein Lernprozess“, sagt Jan Meyer, Vorstand der finnischen Werft Meyer Turku. Dazu gehört leider auch ein Feuer an Bord. Ähnlich wie bei der „Aidanova“ gab es am 17. März in Turku auch einen Brand bei Arbeiten in einem Kabinenbereich. Doch es ist noch genug Zeit.

Erste Fahrt über die Ostsee im Sommer

Im Spätsommer soll die „Costa Smeralda“ als größtes Kreuzfahrtschiff mit Flüssigerdgas (LNG) erstmals über die Ostsee fahren. Offiziell präsentiert wird das neue Costa-Flaggschiff am 20. Oktober in Deutschland. Die italienische Reederei Costa Crociere wird ihr neustes Schiff dann in Hamburg am Kreuzfahrtterminal in Steinwerder stationieren.

Der in Genua beheimatete Neubau wird dort noch eine Premiere haben. Die „Costa Smeralda“ wird als erstes Kreuzfahrtschiff mit dem Treibstoff LNG an Bord die Elbe hochfahren. Diese Premiere sollte eigentlich im November vergangenen Jahres das SchwesterschiffAidanova“ vollziehen. Sie musste aber kurzfristig abgesagt werden, da die „Aidanova“ verspätet fertig wurde.

Motoren bei Caterpillar in Rostock gebaut

Damit ist jetzt die LNG-Premiere am Kreuzfahrtterminal in Deutschlands größtem Hafen dem neuen Flaggschiff der italienischen Traditionsreederei Costa vorbehalten. Der Zeitplan steht. Seit 2014 ist die finnische Werft Teil der deutschen Meyer Werft-Gruppe. Eine enge Zusammenarbeit mit Papenburg ist seitdem der Fall. Aus Deutschland stammt bei der gigantischen „Costa Smeralda“ auch der Antrieb. Die vier MaK-Motoren wurden beispielsweise bei Caterpillar in Kiel entwickelt und in Rostock gebaut. Der Rumpfblock mit den Motoren und den drei LNG-Tanks entstand in Rostock bei der Neptun Werft. Von dort zogen Schlepper die komplett vorgefertigte Rumpfsektion von der Warnow nach Turku.

Angetrieben wird die „Costa Smeralda“ überwiegend mit Flüssigerdgas als Treibstoff. Rund 3500 Kubikmeter fassen die drei Tanks. Es ist mit über 180 000 BRZ das größte LNG-Schiff, das bislang auf einer Ostsee-Werft gebaut wurde. In Finnland gibt es für die Versorgung in der Nachbarschaft der Werft auch einen LNG-Terminal. „Die Versorgungskette steht“, so Meyer und verweist auf LNG-Terminals in Finnland und Schweden. In Deutschland sieht das noch anders aus, dort gibt es bislang keinen Terminal. Der nächste LNG-Terminal steht in Rotterdam.

Die „Costa Smeralda“ wurde kürzlich in der Werft in Turku ausgedockt. Im Spätsommer soll das Kreuzfahrtschiff erstmals über die Ostsee fahren.

Schwesterschiff der „Aidanova

Die „Costa Smeralda“ ist fast baugleich zur „Aidanova“. „Wir haben hier die selbe Plattform. Unterschiede giebt es jedoch im Bereich der Passagierkabinen und des Oberdecks“, so Meyer. Auch Neil Palomba, Präsident von Costa Cruises, ließ bei der Kiellegung erkennen, dass die deutsche Schwester in einigen Bereichen anders gestaltet ist. „Wir haben hier ein Schiff, das für die Passagiere von Costa ein völlig neues Reiseerlebnis bringen wird“, sagt Palomba.

Die großen Poolbereiche am Oberdeck, die Restaurants und auch die Passagen im Schiff bekommen ein anderes Design. Im Team der Architekten ist neben der Hamburger Firma Partnership Design auch der amerikanische Stararchitekt Adam D. Thiany. Außerdem sind Dordoni Architetti, ein Mailänder Architektur-Studio und die Rockwell Group aus New York bei der Gestaltung an Bord.

Pizza statt Currywurst

„Die ‚Costa Smeralda‘ steht für unsere Idee von Italy’s Finest – das Beste Italiens“, sagt Neil Palomba. Schlank übersetzt: Die bei der „Aidanova“ beliebte Currywurst an der Scharfen Ecke wird bei „Costa Smeralda“ durch eine Pizza-Kreation ersetzt. Das Schiff hat 2610 Passagierkabinen für bis zu 6554 Passagiere. „Zusammen mit der Besatzung werden dann rund 8000 Menschen an Bord sein. Das ist wie eine kleine Stadt“, sagt Jan Meyer. Noch nie zuvor wurde ein so großes Schiff in Hamburg abgefertigt.

Am 21. Oktober soll die „Costa Smeralda“ um 17 Uhr von der Elbe aus Kurs aufs Mittelmeer nehmen. Das Schiff startet zu einer 16-tägigen „Vernissage-Kreuzfahrt“ nach Savona, wo anschließend die offizielle Taufe erfolgen wird.

Erstes Costa-Schiff mit LNG-Antrieb

„Die ‚Costa Smeralda‘ wird für unsere Reederei ein neues Kapitel einleiten. Wir werden die Kreuzfahrt mit diesem Schiff noch nachhaltiger und noch erlebnisreicher machen“, sagt Costa-Präsident Neil Palomba bei der Zeremonie in Turku. Costa hat eine umfassende Modernisierung der Flotte eingeleitet.

Die „Costa Smeralda“ ist das zweite von neun LNG-Kreuzfahrtschiffen der Helios-Klasse, die der amerikanische Carnival-Konzern bei der Meyer-Gruppe bestellt hat. Zwei dieser Schiffe gehen an Costa. Drei weitere bekommt die deutsche Schwesterreederei von Aida Cruises. Die anderen vier Schiffe sind für die Reedereien in den USA und Großbritannien bestimmt. Das Auftragsvolumen beläuft sich auf rund acht Milliarden Euro.

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Frank Behling