Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Sport am Arbeitsplatz: Immer mehr Firmen machen ihre Mitarbeiter fit
Nachrichten MV aktuell Sport am Arbeitsplatz: Immer mehr Firmen machen ihre Mitarbeiter fit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:00 13.03.2019
Elisa Michalowski von der Universitätsmedizin Greifswald im „Pakt-Mobil“, einem Bus, der Unternehmen in MV besucht, und in dem die Mitarbeiter ihren Gesundheitszustand checken lassen können. Das Projekt soll helfen, den Krankenstand zu reduzieren. Quelle: Frank Hormann/nordlicht
Anzeige
Rostock

Fitnesstraining am Arbeitsplatz: Immer mehr Firmen in MV sorgen sich um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter. Ob Tischler, Automechaniker oder Gebäudereiniger – Unternehmer fördern häufiger Sportangebote fürs Personal oder holen sich Experten ins Haus. Wie dringend Gesundheit gefördert werden sollte, zeigt ein trauriger Rekord: Laut AOK waren Arbeitnehmer in MV 2018 im Schnitt 21,9 Tage krank – so lange wie noch nie zuvor.

Der Innungskrankenkasse (IKK) Nord mit 106 000 Versicherten in MV steuert mit einem eigenem Programm zur Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) entgegen. Die Nachfrage bei den Unternehmen steige stark an.

Anzeige

Langfristig bringt es Erfolg

Die Rostocker Firma Stefanie Ehrich Friseure ist seit drei Jahren dabei. Stefanie Ehrich und ihr Team bekommen regelmäßig Besuch von Physiotherapeuten oder Ernährungsberatern. Dehnungsübungen und Rückentraining in der Pause, Entspannungstechniken, Yoga und gemeinsames Laufen nach dem Feierabend haben die Friseure bereits ausprobiert. „Es kostet harte Überzeugungsarbeit, aber langfristig bringt es Erfolg“, lautet das Fazit der Chefin. Das Ernährungsverhalten der Kollegen habe sich komplett gewandelt. Die Mikrowelle habe sie rausgeworfen. 2018 haben die Stylisten das erste Mal beim Rostocker Firmenlauf mitgemacht.

Das 190-Mitarbeiter-Unternehmen Reinigung Nord aus Rostock steht erst am Anfang, aber auch hier erhofft man sich vom Sportangebot eine bessere Gesundheitsvorsorge und Mitarbeitermotivation. Künftig soll es Rückenschule fürs Personal geben, „Als Gebäudereiniger arbeitet man körperlich hart und viele machen bisher keinen Sport“, sagt Yvonne Unger von Reinigung Nord.

Für Versicherte zahlt sich die Betriebliche Gesundheitsförderung doppelt aus: Als Motivationskick schüttet die IKK einen Bonus in Höhe von 100 Euro aus. Auch für den Arbeitgeber, wenn eine Maßnahme erfolgreich abgeschlossen wurde. Mehr als 721 000 Euro lässt sich der Spezialversicherer für das Handwerk das jedes Jahr kosten.

Durchschnittsalter der Mitarbeiter im Handwerk steigt

Die Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern begrüßt das steigende Engagement der Firmen. Präsident Axel Hochschild sagt: „Das Durchschnittsalter der Mitarbeiter in vielen Handwerksfirmen ist gestiegen. Deshalb handeln Unternehmen, die die älteren Arbeitnehmer in den Betrieben durch gesundheitliche Präventionsmaßnahmen fit halten, zukunftsorientiert.“ In MV gibt es etwa 20 000 Handwerksbetriebe mit rund 100 000 Beschäftigten.

Den Krankenstand reduzieren soll auch ein Projekt des Landeswirtschaftsministerium und der Uni Greifswald. Sie schicken seit 2016 einen Gesundheitsbus in die Betriebe, das Pakt-MV-Mobil (Prävention für Arbeitnehmer zur Reduktion von Krankheitstagen). Die Mitarbeiter werden von Kopf bis Fuß durchgecheckt und erhalten die Möglichkeit, bis zu ein Jahr lang an einem Gesundheitscoaching teilzunehmen.

Weniger Krankentage, mehr Erfolg für alle

Harry Glawe (CDU) – als Minister für Wirtschaft und Gesundheit gleichermaßen zuständig – betont, wie wichtig es ist, dass auch der Arbeitgeber sich um die Gesundheit seiner Mitarbeiter kümmert: „Aufgrund ihrer Größe fehlen in vielen Betrieben Kapazitäten für eine eigenständige Gesundheitsförderung. Weniger Krankheitstage bringen allen Beteiligten mehr Erfolg. Deshalb ist es wichtig, entsprechende Angebote zu machen. Das ist ein klarer Pluspunkt für die Attraktivität des Arbeitgebers, der seine Mitarbeiter im Unternehmen halten möchte.“

Fitness am Arbeitsplatz

Weg vom Büromief, raus an die frische Luft: Die Neubrandenburger Jungunternehmer von „Outness“ haben Sport und Fitness in Betrieben zur Firmenphilosophie gemacht. Die Gewinner des OZ-Existenzgründerpreises 2018 (Kategorie: Mut zur Selbstständigkeit) haben sich auf Präventionskurse, Personal Training und Gesundheitsmanagement spezialisiert. Als mobiler Fitnesslieferservice trainieren sie mit Mitarbeitern von kleinen und mittelständischen Unternehmen – vorzugsweise draußen an der frischen Luft. Von der Bäckerei über Steuerbüro, Pflegeheime, Call-Center und Sparkasse bis zum Fahrradhaus sei alles dabei, erklären die Gründer Hannes Schröder und Andreas Windisch. Der Markt für Präventions- und Gesundheitskurse sei riesig.

Virginie Wolfram