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MV aktuell Spurensuche in Zinnowitz: Warum musste Maria K. sterben?
Nachrichten MV aktuell Spurensuche in Zinnowitz: Warum musste Maria K. sterben?
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22:14 21.03.2019
Totes Mädchen in Zinnowitz: Kripo befragt Anwohner in Zinnowitz. Quelle: Tilo Wallrodt
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Zinnowitz

Bereitschaftspolizisten in schwarzen Uniformen und Ermittler in Zivil stehen auf dem Parkplatz, essen Brötchen aus ihren Verpflegungsbeuteln und trinken Kaffee aus Thermobechern. Dann ist die Mittagspause vorbei, die Suche geht weiter.

In einer Kette schwärmen die Männer und Frauen in den Wald aus, nur wenige Meter von dem Haus entfernt, in dem am Dienstagabend die erstochene Maria K. in ihrer Wohnung entdeckt wurde.

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Warum der Wald, der nach ein paar hundert Metern zum Strand führt, akribisch durchkämmt wird, kann sich Klaus Fricke (68) nicht so recht erklären. Dass der noch unbekannte Täter ausgerechnet zur Ostsee geflohen sein sollte und nicht über die Straße, die aus Zinnowitz heraus führt, hält er für eher unwahrscheinlich.

Fricke gehört das Café Waldesruh mit Kiosk in direkter Nachbarschaft zu dem grau-blauen Mehrfamilienhaus, in dem in einer Erdgeschoss-Wohnung das Verbrechen geschah. Das sei schrecklich, sagt Fricke. Aber das es ausgerechnet in seiner Nachbarschaft geschah, beunruhigt ihn nicht. „So etwas kann ja überall passieren.“

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Fricke kannte die junge Frau nicht, deren Bild in Zeitungen abgedruckt war, die in seinem Kiosk ausliegen. In der Straße sind oft junge Frauen mit kleinen Kindern unterwegs, die in einer Wohneinrichtung des Christlichen Jugenddorfwerks wohnen. Auch Marias Mutter und ihre zwei kleinen Geschwister sollen hier in einer betreuten Wohnung leben.

Die 18-Jährige hatte aber eine eigene Wohnung und stand wirtschaftlich auf eigenen Beinen. Sie soll sich auf eine Ausbildung vorbereitet haben, berichten Bekannte. In einem großen Drogeriemarkt in Zinnowitz machte sie demnach ein Praktikum, Kollegen und Vorgesetzte seien zufrieden mit ihr gewesen. In dem Geschäft wollte sich am Donnerstag niemand zu Maria K. äußern.

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Auch in einer Jugend- und Freizeiteinrichtung im Ostseebad, in der die junge Frau offenbar regelmäßig zu Gast war, möchte niemand mit der Presse sprechen. Eine Gruppe Jugendlicher, einige mit verweint aussehenden Gesichtern, sitzen in der Sonne und rauchen. Eine Mitarbeiterin sagt nur, dass das Haus früher als sonst geöffnet sei, um als Ansprechpartner für die jungen Leute da zu sein. Sie möchte nicht, dass der Name der Einrichtung genannt wird.

Das Bild, das Maria K. von sich im Internet in den sozialen Medien zeichnet, zeigt ein fröhliches, lebenslustiges Mädchen mit einem Hang zu schrägen Videos. Sie hatte mehrere Profile bei Facebook und Instagram. Bei Youtube finden sich zwei kleine Videos, die sie hochgeladen hat. Die 18-Jährige stellte vor allem Fotos von sich selbst online – Selfies, auf denen sie posierte, lachte, nachdenklich schaute und kleine Sketche vortrug. Sie trug offenbar gern Mützen, präsentierte sich mal mit blonden, pinken oder braunen Haaren.

Hinweise zum Täter auf Instagram?

Wie viele Jugendliche war sie offenbar ein Freund bunter Instagram-Gesichtsfilter, die sie mit Hasenohren, übergroßen Augen und Tupfen auf der Nase zeigten. Außerdem machte die 18-Jährige sogenannte TikTok-Videos von sich selbst. Seit einer Weile ist bei einigen Jugendlichen dieses chinesische Videoportal angesagt, bei dem sie sich dabei aufnehmen, wie sie ihre Lippen synchron zu abgespielter Musik bewegen. Maria hat auch Filmchen hochgeladen, in denen sie auf diese Weise lustige Szenen aus dem Film „Fack ju Göte“ nachahmte.

Auf kurzen Instagram-Filmen präsentierte sie sich meist komisch und witzig. Es finden sich aber auch Clips vom September 2018 mit tieftraurigen Liebesbotschaften an ihren Ex-Freund. Untermalt mit Rap-Musik fragt sie ihn: „Warum warst du mit mir zusammen?" Der junge Mann taucht auch auf älteren Fotos auf einer ihrer Facebook-Seiten auf. Ihr letzter Eintrag stammt vom Januar, als sie neue Bilder postete. Eines zeigt sie als blondes, lachendes Mädchen mit Mütze, Nasenring und zerrissener Jeans. Auf einem anderen Bild beugt sie sich nach vorn und presst die flachen Hände aneinander. Es sieht aus ein Gebet.

Polizisten suchen weiter nach Täter

Während auf der Zinnowitzer Promenade Urlauber wie an jedem Tag Eis essend spazieren gehen, geht zur gleichen Zeit rund um die Waldstraße die Suche weiter. „Gern geschehen, ist doch eine Selbstverständlichkeit“, sagt Dachdecker Sebastian Beling, als er eine Schaufel und eine Harke in sein Auto legt. Der Handwerker aus Sauzin bei Wolgast hatte den Polizisten die Werkzeuge geliehen. Viele Menschen auf Usedom wollen dabei helfen, dieses schreckliche Verbrechen aufzuklären.

Gerald Kleine Wördemann, Virginie Wolfram und Cornelia Meerkatz

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