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MV aktuell Stasi, Partys, Mopeds: Was junge Leute noch von der DDR kennen
Nachrichten MV aktuell Stasi, Partys, Mopeds: Was junge Leute noch von der DDR kennen
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07:42 10.11.2019
Aufgeschlossen und kritisch: Nils Apel, Louisa-Marie Freitag, Benny Heiser, Vanessa Wolff und Kenley Mohr (v. li.) von der Regionalen Schule Dassow im Grenzhus Schlagsdorf an der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Quelle: Klaus Amberger
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Dassow/Rostock

„Die DDR hat gute Mopeds hergestellt“, sagt ein Schüler im Grenzhus von Schlagsdorf. Das Grenzmuseum steht am ehemaligen innerdeutschen Todesstreifen. Der Mechower See liegt gleich nebenan. In dem Haus sitzt eine 10. Klasse aus der Regionalen Schule in Dassow im Kreis zusammen. Der Leiter des Grenzhus’, Andreas Wagner, mittendrin. Er fragt die jungen Leute, was ihnen zum Thema DDR einfällt. „Westfernsehen schauen war verboten“, sagt ein anderer Schüler. „In der DDR gab es schlechtere Arbeitsbedingungen als in der BRD.“

Wer war Erich Honecker?

Dann stellt Wagner gezielt Fragen. Wann endete die deutsche Teilung? Alle denken nach, einer antwortet 1990. Wann wurde die Berliner Mauer gebaut? Kein Schüler weiß es. Wer war Erich Honecker? Niemand hat eine Antwort. Wagner bindet die Schüler ein, baut einen Zeitstrahl auf, lässt den Nachwuchs schätzen, was wann gewesen sein könnte. Kurz und knapp erklärt er einige Dinge, damit die Klasse nicht mit Daten überfrachtet wird.

Im Herbst 1989 demonstrierten Hunderttausende in der DDR für Reformen und gegen Staatsgewalt. Auch in Rostock, Wismar, Stralsund, Greifswald und anderen Städten im Nordosten protestieren viele Menschen gegen die Zustände im Land.

Aber ist DDR-Geschichte und die Grenzöffnung vor 30 Jahren überhaupt für Jugendliche relevant? Das erfährt man, wenn man sich mit Schülern persönlich zusammensetzt.

Es gab viele alte Autos und Partys

Vanessa Wolff (17) sagt: „Es ist interessant zu sehen, wie es in der DDR lief.“ Nils Apel (17) meint: „Es ist total spannend, wenn mein Opa von der Zeit erzählt, als auf einmal die Grenze auf war.“ Benny Heiser (17) berichtet, dass er viel über seine Eltern erfahre, wenn es um den Mauerfall gehe.

Fast alle Schüler hören Eltern und Großeltern zu, wenn es um die Geschichte jener Tage geht. Sie hören davon, dass es keine Reise-, Presse- oder Meinungsfreiheit gab, dass die Menschen eingeengt wurden. Sie hören aber ebenso, dass nicht alles Grau war. Louisa-Marie Freitag (17) berichtet: „Meine Mama sagt, dass viel Party gemacht wurde.“ Vanessa Wolff erzählt: „Mein Oma sagt, dass es damals toll war.“

Und welches Bild haben die Jugendlichen heute von der DDR, die sie nur aus Berichten und vom Unterricht kennen? Kenley Mohr (16) spricht wohl stellvertretend für seine Klassenkameraden: „Wir haben schon eher das Gefühl, dass es in der DDR vor allem viele alte Autos gab, Kontrollen und Stasi.“

Wichtig: Geschichte zum Anfassen

Roswitha Arndt (62) ist Geschichtslehrerin in Dassow. „Ich widme der DDR-Geschichte viel Zeit, weil ich den jungen Leuten vermitteln möchte, dass nicht wieder passieren darf, dass Deutschland geteilt wird.“ Sie setze auf Geschichte zum Anfassen, deshalb fahre sie mit Klassen auch an die ehemalige innerdeutsche Grenze nach Schlagsdorf. „Ich versuche die ganze Breite des Alltags in der DDR darzustellen – ich selbst komme aus dem ehemaligen Sperrgebiet“, sagt die Lehrerin. „Ganz wichtig ist, dass man bei der Betrachtung der Geschichte Persönliches von der Sachebene trennt.“ Um nicht eventuell mit zu viel Emotionen, Erkenntnisse zu seinen gewünschtem Bild zu verdrehen. Interessant sei für die Schüler auch die Sicht ihrer Eltern und Großeltern auf jene Zeit, wenn diese aus den alten Bundesländern stammen, so die Dassower Pädagogin.

Alles zum Thema 30 Jahre Mauerfall finden Sie auf dieser Themenseite

Rahmenplan Geschichte legt Wert auf Diskussion

Der Rahmenplan für das Fach Geschichte sieht für die Schüler in Mecklenburg-Vorpommern vor: „Die Geschichte der deutschen Teilung und Geschichte des Kalten Krieges sind zentrale Inhalte der 10. Jahrgangsstufe. Noch vielfach mit aktuellen politischen Bewertungen verbunden, die im Unterricht kontrovers auftreten können, bieten sie eine Möglichkeit zur intensiven politischen Diskussion. Ost- und westdeutsche Lebensläufe und Identitäten sollen dabei verständlich werden.“

Nun ist es den Pädagogen anheimgestellt, die Geschichte der DDR, die zwangsläufig mit der historischen Betrachtung (ergo Bewertung durch Einordnung) der BRD korrespondiert, mit Leben zu füllen. Doch gibt es Themen, die sind obligatorisch. Etwa „Herrschaftssicherung und Umgang mit der Opposition in der DDR“. Oder „Die friedliche Revolution in der DDR“. Allerdings sind für die Behandlung dieser Epoche keine Stundenanzahlen festgelegt und soll sich auch nach den Interessen der Schüler orientieren.

Die meisten Schüler sind neugierig – und kritisch

Ulrich Bongertmann vom Geschichtslehrerverband MV sagt: „Es ist kein Problem drei Viertel der Schüler für die Geschichte der DDR zu interessieren.“ Zwei Stunden Geschichte gebe es von der 6. bis 10. Klasse im Nordosten. Damit könne man zufrieden sein, das Fach sei gut in den Schulen aufgestellt und gesellschaftlich anerkannt.

Der Pädagoge hat beobachtet, dass die heutige Jugend beim Thema DDR-Geschichte skeptischer und kritischer geworden ist. „Während etwa vor 20 Jahren die Schüler noch alles ihren Eltern geglaubt haben, gleichen sie heute deren Erzählungen aus DDR-Zeiten mit den Fakten ab, die sie im Unterricht kennenlernen.“ Generell sei man jetzt in Deutschland in einer entspannteren Phase, „vieles wird nun, 30 Jahre nach dem Mauerfall, angesprochen und man kann sachlich darüber reden“. Allerdings tritt nun die DDR-Geschichte als Thema auch in Konkurrenz zur Gegenwartsgeschichte: Globalisierung, Terrorismus, Flüchtlinge. „Die vergangenen 30 Jahre sind eine wichtige Etappe.“

DDR-Fahne und FDJ-Mitgliedsbuch

In Schlagsdorf sitzen die Schüler noch im Grenzhus zusammen. Viele packen jetzt aus, was sie von ihren Eltern und Großeltern mitgebracht haben und was an DDR erinnert: ein blauer Personalausweis, ein Jugendweihe-Buch, eine DDR-Fahne, ein grüner Sozialversicherungsausweis, eine Kampfgruppenmütze, ein FDJ-Mitgliedsbuch, ein grauer NVA-Wehrdienstausweis. Oft wird gelacht. Schließlich kommt noch ein Zündschlüssel zum Vorschein – der Zündschlüssels eines Simson-Mopeds. Made in GDR.

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Von Klaus Amberger

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