Steigende Coronazahlen in MV: Liegt es einfach an den vielen Tests?
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Steigende Coronazahlen in MV: Liegt es einfach an den vielen Tests?

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19:40 15.04.2021
Steigen die Corona-Zahlen in MV, weil mehr getestet wird? (Symbolfoto)
Steigen die Corona-Zahlen in MV, weil mehr getestet wird? (Symbolfoto) Quelle: Matthias Balk/ dpa
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Rostock

Mecklenburg-Vorpommern ist von der dritten Corona-Welle erfasst worden, die Fallzahlen stiegen zuletzt stark an. Erst am Mittwoch wurde vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) ein neuer Höchstwert mit 575 Neuinfektionen innerhalb eines Tages gemeldet. Aber liegt das vielleicht einfach daran, dass mehr getestet wird und nun auch Schnell- und Selbsttests möglich sind?

Mehr Tests können zu einem Anstieg der Fallzahlen führen, da zuvor unentdeckte Infizierte erkannt werden, erklärt das Robert-Koch-Institut auf deren Internetseite. Und weiter: „Das heißt aber nicht, dass umgekehrt die beobachteten steigenden Fallzahlen nur mit dem vermehrten Testaufkommen zu erklären wären.“

Selbst- und Schnelltest fließen nicht in die Statistik ein

Der Greifswalder Bioinformatiker Prof. Dr. Lars Kaderali meint dazu: „Der Anstieg der Fallzahlen lässt sich nicht durch die gesteigerte Testaktivität erklären. Wir sehen zudem auch einen Anstieg in der Krankenhausauslastung, hier ist es sicher nicht so, dass Leute wegen mehr Tests ins Krankenhaus kommen“, sagt er.

Es würden zudem nur mit einem PCR-Test nachgewiesene Infektionen gezählt, nicht solche, die nur mit einem Schnell- oder Selbsttest festgestellt wurden. „Tatsächlich beobachten wir, dass selbst symptomatische Personen nicht mehr zum PCR-Test, sondern erstmal zu den Schnelltestzentren gehen – wenn das mit Selbsttests auch so sein sollte, führt das womöglich sogar dazu, dass manch positiv Getesteter gar nicht mehr in die Statistik eingeht, weil er sich nach dem Selbsttest nicht meldet“, befürchtet Kaderali.

Wie viele Menschen in MV sich nach einem positiven Selbsttest tatsächlich noch einmal einem PCR-Test unterziehen, lasse sich laut Lagus erst in einigen Wochen seriös beantworten. Aktuell lägen dazu noch keine verlässlichen Daten vor, weil die Schnelltests erst seit kurzer Zeit in größeren Mengen verfügbar seien.

Wenn mehr Tests für die Infektionsfälle verantwortlich wären, dann müsste die Zahl der Fälle stets im gleichen Maß steigen wie die Zahl der Tests. Das ist jedoch nicht der Fall, wie der Abstrichbericht des Lagus zeigt. Entscheidend ist hier die Positivquote: Sie gibt an, wie viele von den insgesamt durchgeführten PCR-Tests auch tatsächlich positiv ausfallen.

Positivquote steigt seit Ende März 2021

„Wir sehen eine deutliche Zunahme der Positivrate der Tests, das heißt: auch relativ zur Testzahl steigen die Fallzahlen“, sagt Lars Kaderali. Diese Entwicklung ist seit Ende März 2021 im Lagus-Abstrichbericht zu beobachten. Vom 1. bis zum 11. April wurden 38 528 Abstriche genommen, von denen 3 529 positiv ausfielen. Die Positivquote für den Monat April beträgt damit aktuell 9,16 Prozent und ist auf Rekordkurs. Die bisherigen Höchstwerte gab es im Januar mit 7,81 Prozent. Zum Vergleich: Im Juni vergangenen Jahres wurde die geringste Positivquote festgestellt (0,08 Prozent von 61 498 Testungen).

Da die Tests aber keine „repräsentative Stichprobe“ seien, sei es falsch, alleine nach der Positivquote zu schielen – es würden schließlich vor allem Verdachtsfälle und Kontaktpersonen getestet werden, meint der Bioinformatiker Kaderali weiter. „Stattdessen ergeben die Inzidenzen ein recht gutes Bild der Infektionslage.“

Von Stefanie Ploch