Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Streik statt Unterricht: Tausend Schüler ziehen durch Rostocks Straßen
Nachrichten MV aktuell Streik statt Unterricht: Tausend Schüler ziehen durch Rostocks Straßen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:27 16.03.2019
Die Schüler brachten enorm viele selbst gemachte Plakate mit. Hier halten Sophie (16), Nele (15) und Camilla (15) aus Güstrow ihre Sprüche hoch. Quelle: Frank Söllner
Anzeige
Rostock

Joana Fernández Wirth ist nervös, als sie an das Mikrofon tritt. Vor der 14-Jährigen stehen mehr als 1000 Schüler, die am Freitag dem Unterricht ferngeblieben sind. Der Grund: Sie wollen hier in Rostock am Kröpeliner Tor ein Zeichen setzten – für einen besseren Klimaschutz.

Joana trägt ein selbst geschriebenes Gedicht vor: „Der Klimawandel ist nicht zu stoppen. Ich denke, das ist uns allen bewusst. Aber eure Ignoranz ist nicht zu toppen. Darum auch unser Frust“, sagt sie. Noch nie hat Joana vor so vielen Menschen gestanden. Die Menge klatscht Applaus. „Ich habe mich gut gefühlt. Weil ich über etwas rede, wofür ich einstehe“, sagt das Mädchen danach.

Fridays for Future“ heißt die weltweite Bewegung, die nun auch die Hansestadt erreicht hat. Schüler aus Güstrow, Bad Doberan und Ribnitz-Damgarten sind Freitag nach Rostock gekommen, aber auch Schüler aus Malchin und Röbel waren dabei. Die meisten halten selbst gemachte Plakate hoch: „Die Dinos dachten auch, sie hätten Zeit“, stand auf einem. Oder: „Keine Toleranz bei Klima-Ignoranz.“ Und: „Früher war der Fisch in der Packung, heute ist die Packung im Fisch.“ Einige Schüler sind geschminkt. Die Menge skandiert: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Zukunft klaut.“

„Wir wurden überrollt von der Teilnahme“

Ursprünglich haben die Organisatoren mit 300 Teilnehmern geplant. Doch schon Tage vorher zeichnete sich ab, dass es mehr werden: Während die Polizei am Freitag von 1000 Demonstranten spricht, gehen die Schüler selbst von mindestens 1700 aus. „Wir wurden überrollt von der Teilnahme“, sagt Niklas Nienaß, Student aus Rostock. Der 26-Jährige ist einer der Hauptredner: „Die Zeit, die ihr hier reingesteckt habt, ist wertvoller als alles, was ihr in der Schule lernt“, ruft er den Schülern zu. Die Menge jubelt.

Rednerin Mia Susemihl fordert: „Wir müssen auch selbst etwas tun.“ Die Schülerin und andere haben die Gruppe „Cleaning with Meaning“ gegründet. „Wir haben mehrere Projekte und sammeln Müll“, sagt die 17-Jährige. Knapp 90 Mitglieder zähle die Gruppe bereits, dabei gibt es sie gerade einmal seit einem Monat. „Unsere erste Aktion war in den Wallanlagen“, sagt Susemihl. Die Gruppe sei über Instagram zu erreichen.

Vom Kröpeliner Tor ziehen die Schüler bei Regen weiter zum Neuen Markt und über Steintor, Vögenteich und KTC zum Uni-Platz. Dort wird die Demo dann aufgelöst. „Es ist unglaublich großartig, was hier passiert“, sagt Nienaß. Es sei zwar etwas chaotisch gewesen, „aber alles friedlich und ruhig“.

Schülerstreik am 15. März: Alle Artikel und Galerien

So lief der Schülerstreik in MV: Der Liveticker zum Nachlesen

Fridays for Future: Das war der Klimastreik auf Rügen (mit Galerie)

500 Schüler demonstrieren in Wismars Altstadt fürs Klima (mit Galerie)

Schüler in Stralsund streiken für bessere Klimapolitik (mit Galerie)

600 Schüler demonstrierten in Greifswald (mit Galerie)

André Wornowski

In Mecklenburg-Vorpommern wird das Bau-Potenzial nicht komplett ausgenutzt. Das Land versucht, besonders den sozialen Wohnungsbau mit verschiedenen Modellen zu fördern.

16.03.2019
MV aktuell Wildtiere in Städten - So wild ist MV

Wildschwein, Waschbär, Elch: Kulturfolger erobern Städte und Gemeinden im Nordosten

16.03.2019

4600 Schüler demonstrierten am Freitag in MV für den Klimaschutz. Politiker sind sich indes uneinig im Umgang mit den streikenden Schülern: Schwesig lobt. Hesse droht mit Konsequenzen. Amthor sorgt für Empörung.

20.03.2019