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MV aktuell Streit mit Polizei: Veranstalter drohen mit dem Ende des Fusion-Festivals
Nachrichten MV aktuell Streit mit Polizei: Veranstalter drohen mit dem Ende des Fusion-Festivals
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17:46 06.05.2019
19. Fusion-Festival in Lärz Quelle: Kopp, Vanessa
Lärz

Die Veranstalter des Fusion-Festivals drohen damit, die Veranstaltung künftig einzustellen, sollte sich die Polizei mit ihrer Forderung nach dauerhafter Präsenz auf dem Gelände durchsetzen. „Das wäre dann nicht mehr unser Festival“, sagt Jonas Hänschel, Sprecher des Vereins Kulturkosmos Müritz, der die fünftägige Open-Air-Veranstaltung für elektronische Musik seit 1994 auf einem ehemaligen Militärflugplatz in Lärz (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) veranstaltet.

Genehmigung unter Auflagen denkbar

Das Polizeipräsidium Neubrandenburg bemängelte am Sicherheitskonzept des Veranstalters, dass auf dem Festival eine ständige Wache und Polizeistreifen fehlen. Zuständige Genehmigungsbehörde ist das Amt Röbel-Müritz. Bleibt die Behörde bei ihrer Linie, könnte sie das für Ende Juni geplante Festival auch unter der Auflage genehmigen, dass Wache und Polizeistreifen eingerichtet werden müssen. „Wir würden dann auf jeden Fall dagegen klagen“, sagt Hänschel. Bei einer juristischen Niederlage würde die Fusion trotzdem stattfinden, notfalls mit Ordnungshütern auf den Gelände. Die Zukunft danach sei dann aber unklar.

Die Region profitiere von der Fusion. Viele Gäste, von denen fast ein Viertel aus dem Ausland anreise, lerne so erstmals Mecklenburg-Vorpommern kennen und komme später als Urlauber wieder. Mit dem Gewinn aus der Fusion finanziert der Verein unter anderem das Theaterfestival At.Tension, das alle zwei Jahre mit 10 000 Gästen ebenfalls in Lärz stattfindet.

Tausende Helfer und vier Sicherheitsfirmen

Die 70 000 Gäste würden bei der viertägigen Veranstaltung „Selbstbestimmung und Freiheit“ ausleben. Mit einer Präsenz von Polizeiuniformen funktioniere das nicht mehr, so der Sprecher. Man habe nichts zu verbergen. Es gebe keinen Grund für einen Wechsel der Sicherheitsstrategie, der den Geist des Festivals stark verändern würde. Die Fusion sei ein Gemeinschaftswerk von mehreren tausend ehrenamtlichen Helfern, unterstützt von vier beauftragten Sicherheitsdiensten. Mit durchschnittlich 2,5 angezeigten Gewaltstraftaten je Ausgabe sei es die mit Abstand friedlichste Großveranstaltung dieser Art in Europa.

Weitere Kritikpunkte der Behörden betreffen fehlende oder zu enge Fluchtwege aus den Hangars, die als Bühnen genutzt werden, eine nicht vorhandene Synchronschaltung aller Lautsprecher für Sicherheitshinweise sowie fehlendes Panikmanagement. Diese Punkte würden alle rechtzeitig beseitigt, sagt Hänschel. Polizei, Landkreis und das Amt Röbel-Müritz wollen ihren Standpunkt in den kommenden Tagen bei einer Pressekonferenz darlegen. „Die Sicherheitsbelange für solch eine Großveranstaltung müssen erfüllt werden“, forderte Landrat Heiko Kärger (CDU) am Montag und erinnerte an das Love-Parade-Unglück von 2010 in Duisburg. Kärger mahnte mehr Kooperationsbereitschaft seitens der Veranstalter an. Es sei ein „komisches Verhältnis“, wenn man die Polizei nicht auf dem Gelände haben wolle. Zudem sei genau nachzuweisen, dass auch Leute als Ordner fungierten, die auch als Ordner geeignet seien. Die Gefahrenlage in der Welt sei heute vielleicht anders zu bewerten, als in der Vergangenheit.

Jährlich hunderte Verfahren wegen Drogenmissbrauch

Jedes Jahr leitet die Polizei nach Großkontrollen rund um die Fusion stets mehrere hundert Verfahren wegen Drogenmissbrauchs ein. Das sei aber kein ausreichender Grund, um Kontrollen auf dem Festivalgelände durchzuführen, weil es sich um Ordnungswidrigkeiten handele und keine Gefahrenabwehr vorliege, argumentieren die Veranstalter. In der Vergangenheit habe man gut mit der Polizei zusammengearbeitet, so der Fusion-Sprecher. „Wenn die Polizei zu uns kommt und sagt, sie wollen eine Person verhaften, von der sie wisse, das sie einen Koffer Heroin mitgebracht hat, lassen wir sie natürlich auf das Gelände.“

Das zuständige Polizeipräsidium Neubrandenburg beruft sich auf bundesweit übliche Standards. Eine ständige Wache und Streifengänge seien auf sämtlichen Großfestivals üblich. Polizeisprecherin Claudia Tupeit widerspricht Angaben der Fusion-Veranstalter, laut denen angeblich 1000 Einsatzkräfte für das Festival vorgesehen seien.

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Gerald Kleine Wördemann

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