Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Strom-Blackout in MV: „Es gibt keinen Plan dafür“
Nachrichten MV aktuell Strom-Blackout in MV: „Es gibt keinen Plan dafür“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:52 06.04.2019
Das Kraftwerk im Rostocker Überseehafen: Im Fall eines Blackouts musste es mit Hilfe kleinerer Kraftwerke wieder hochgefahren werden. (Archivfoto) Quelle: Dietmar Lilienthal
Rostock

Ein großes Speicherkraftwerk könnte auch die Lösung bei einem flächendeckenden Stromausfall sein. „Speicherkraftwerke sind schwarzstartfähig“, sagt Prof. Harald Weber, Physiker an der Universität Rostock. Das heißt: Käme es zu einem Blackout, könnte ein solches Kraftwerk von selbst wieder hochfahren. Weber erarbeitet im Auftrag der Landesregierung eine Studie zu Insellösungen. Über kleine Kraftwerke in Schwerin, Greifswald, Stralsund und Neubrandenburg, die selbst anlaufen, solle nach einem Blackout möglichst schnell das große Rostocker Kohlekraftwerk wieder hochgefahren werden.

„Es gibt derzeit keinen Plan“, stellt Weber klar. Bräche das Stromnetz, das auf dem gesamten Kontinent verbunden ist, etwa durch einen groß angelegten Hackerangriff zusammen, wäre es überall dunkel. Nach Webers Schätzung würde es „drei bis vier Tage dauern“, bis der Netzaufbau funktioniert. In dieser Zeit säßen die Menschen auch ohne Wasser und Versorgung da.

„Es ist noch nie ausprobiert worden“

Damit widerspricht der Physiker den Ausführungen des großen Netzbetreibers 50Hertz. Chef-Techniker Andreas John erklärte gegenüber der OZ, dass binnen zwölf Stunden das Netz wieder funktionieren sollte – wenn keine Leitungen beschädigt sind. Weber bezweifelt, dass Wasserkraftwerke im Erzgebirge in dieser Zeit auch die Energieversorgung im Nordosten wieder anfahren. Auch, dass autarke Stromnetze aus Skandinavien dabei behilflich sein könnten. Weber: „Es ist noch nie ausprobiert worden.“

Auf einer Karte in Webers Büro ist das System der Stromversorgung in Europa gut nachzuvollziehen. Wie ein Spinnennetz sind die Leitungen verbunden. Ein fragiles System, anfällig für Frequenz-Schwankungen. „Wenn das Rostocker Kraftwerk aussteigt, merkt man das in Portugal oder der Türkei“, so der Physiker. Warnung sollte der 4. November 2006 sein, als ganz Europa kurz vor einem Blackout stand. Um an der Ems ein Kreuzfahrtschiff zu überführen, wurde eine Hochspannungsleitung abgeschaltet. Parallel sorgte ein zu spät erkannter Sturm für stark erhöhte Stromerzeugung durch Windräder in Norddeutschland, auch MV. Folge: Andere Leitungen seien überlastet worden.

Zeitplan ist nicht zu halten

Das sollen Weber und andere im Auftrag des Energieministeriums verhindern. Bereits 2013 habe der Landesenergierat die Erarbeitung eines Konzepts gegen den Blackout angeregt, heißt es aus dem Ministerium. Mitte 2019 werde es erwartet, so eine Sprecherin. Nicht zu schaffen, sagt Prof. Weber. Die Experten brauchten mehr Zeit. Problem: Das Ministerium müsse das Projekt zunächst deutschlandweit ausschreiben.

Die AfD im Landtag kritisiert die Landesregierung scharf. Es gebe „derzeit keinen Plan zur Wiederherstellung der Stromversorgung“, sagt Christoph Grimm. Die Regierung „verlässt sich offenbar blind auf verantwortliche Netzbetreiber“. Das Ministerium kontert: Die Stromnetze seien sicher, die Wahrscheinlichkeit eines Blackouts liege fast bei null. Die AfD betreibe „Panikmache“ und wisse gar nicht, „wie das Stromnetz überhaupt funktioniert“.

Mehr zum Thema:

Dieser Rostocker Physiker plant das Kraftwerk der Zukunft

Ohne Speicher keine Energiewende – Ein Kommentar

Strompreise in MV sind auf Rekordniveau

Frank Pubantz

Ein Rostocker Physiker will das Kraftwerk der Zukunft bauen – die Wirtschaft befördert das, der Energieminister von MV kann das Ergebnis kaum erwarten. Auch bei einem Strom-Blackout wäre der Nordosten damit besser gewappnet.

06.04.2019

Ein Wolf soll sich in MV bis auf wenige Meter zwei Frauen genähert haben, die in einem Wald bei Herrnburg (Landkreis Nordwestmecklenburg) unterwegs waren. Auch auf der anderen Seite der Landesgrenze in Schleswig-Holstein wurde ein Zwischenfall gemeldet.

05.04.2019

Das Innenministerium bilanziert für 2018 im Schnitt 39 Krankentage pro Beamter – doppelt so viele wie beim Rest der Bevölkerung. Abgeordneter Matthias Manthei fordert mehr Polizei in der Fläche.

05.04.2019