Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Suche nach Atomendlager: „Beton, Stahl und Wachmannschaften sind nicht sicher genug“
Nachrichten MV aktuell Suche nach Atomendlager: „Beton, Stahl und Wachmannschaften sind nicht sicher genug“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:34 31.07.2019
Niedersachsen, Salzgitter: Zwei Menschen stehen im geplanten Atomendlager Schacht Konrad in einer Waschstraße für Fahrzeuge aus dem späteren Kontrollbereich (Archivfoto). Quelle: dpa
Anzeige
Rostock

Sind auch Areale in MV für ein atomares Endlager geeignet? Eine Karte der Antiatomorganisation „ausgestrahlt“ legt das nahe. Die Gebiete weisen die geologischen Voraussetzungen auf, auf die es unter anderem ankommt. Offiziell bestätigt sind die Areale jedoch nicht.

Wie läuft die Suche nach einem geeigneten Standort? Die OZ sprach mit Wolfram König, Präsident des erst 2014 gegründeten Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE).

Wolfram König, Präsident des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE). Quelle: BfE

Ist es überhaupt möglich, heute schon einen Platz für ein Endlager festzulegen, der auch in vielen Jahrtausenden technisch geeignet ist?

Unsere Generation ist in der Verantwortung, sich der in der Tat schwierigen Aufgabe zu stellen. Nach Prüfung aller Alternativen, wie die radioaktiven Abfälle dauerhaft sicher von der Umwelt ferngehalten werden können, hat sich die Lagerung in massiven und robusten Gesteinsschichten tief unter der Erdoberfläche als der beste Weg herausgestellt.

Wäre ein oberirdisches Lager nicht besser geeignet, falls es Havarien gibt?

Beton, Stahl und Wachmannschaften können für eine Übergangszeit, aber nicht auf Dauer die notwendige Sicherheit bieten. Das Endlager soll aber so gebaut werden, dass die Abfälle für einen längeren Zeitraum wieder zurückgeholt werden können.

Wie genau läuft die Suche nach einem geeigneten Endlagerstandort ab?

Die wichtigsten Prinzipien der Suche sind, dass sie ergebnisoffen und transparent abläuft. Für die Ergebnisoffenheit ist entscheidend, dass sich die Suche an den fachlichen Kriterien orientiert, die vorher per Gesetz festgelegt wurden. Für die Glaubwürdigkeit des Verfahrens darf es keinerlei interessengeleitete Vorfestlegungen geben. Transparenz heißt, dass die Bürger am Verfahren beteiligt werden und dass dafür alle notwendigen Informationen zur Verfügung stehen. Gleichzeitig entscheidet über die wesentlichen Schritte, wie am Ende über den Endlagerstandort, der Bundestag im Interesse des Gemeinwohls.

Welche Gebiete in MV wären aus Ihrer Sicht in der engeren Auswahl?

Das muss das Verfahren zeigen. Solche Aussagen sind erst nach Abschluss der Untersuchungen belastbar. Aktuell wertet ein mit der Suche beauftragtes Unternehmen, die Bundesgesellschaft für Endlagerung mbH, geologische Daten aus ganz Deutschland aus. Ergebnisse liegen noch nicht vor. Gebiete, die aufgrund der geologischen Gegebenheiten ausgeschlossen werden sollen, wird sie in einem Bericht benennen, den sie für das kommende Jahr angekündigt hat.

Aber es gibt doch schon lange exakte Erkenntnisse über die geologischen Verhältnisse in Deutschland.

Die sind aber nicht ausreichend, um die Feststellung zu treffen, ob es sich lohnt, einzelne Gebiete im weiteren Verfahrensschritt genauer zu untersuchen.

Wie sieht der Fahrplan für die kommenden Jahre aus?

Bis 2020 sollen erste Gebiete durch das Bundesunternehmen ausgeschlossen werden, begleitet von der ersten von mehreren formalen Öffentlichkeitsbeteiligungen. Später werden weitere Regionen sowohl oberirdisch als auch unterirdisch untersucht und so die möglicherweise geeigneten Gebiete immer mehr eingegrenzt. 2031 soll dann der Bundestag über den Endlagerstandort entscheiden.

Die betroffenen Bewohner werden die Pläne nicht akzeptieren – wie könnte mit diesem Problem umgegangen werden?

Woher nehmen Sie diese Gewissheit? Zumindest kann bei einem allein der Sicherheit verpflichteten Vorgehen unter strikter Transparenz der Entscheidungsschritte die Akzeptanz erhöht werden. Und wir alle tun gut daran, diesen noch zu findenden Ort nicht allein zu lassen. Wir können weder durch Weggucken noch Wegducken die radioaktiven Abfälle aus der Welt schaffen. Wir sollten zumindest mit Blick auf die nachfolgenden Generationen uns konsequent der Aufgabe stellen, sich um die von uns produzierten Abfälle verantwortungsvoll zu kümmern.

Wann sind Gebiete geeignet?

Mindestens 300 Meter Gestein müssen das zukünftige Endlager von der Erdoberfläche trennen und eine dauerhafte Barriere darstellen. Außerdem soll eine mindestens 100 Meter starke Schicht aus Salz- oder Tongestein vorliegen, die das Endlager für hoch radioaktive Abfälle umgeben kann. So sieht es das sogenannte Standortauswahlgesetz (StandAG) vor. Nicht geeignet sind beispielsweise Gebiete, in denen zukünftig Erdbeben zu erwarten sind oder in denen es aktive geologische Störungen im Untergrund gibt. Ebenfalls ausgeschlossen werden Regionen, in denen Bodenschätze gefördert werden oder wurden, sofern der potenzielle Einlagerungsbereich beschädigt wurde. Potenziell geeignete Regionen könnten Rostock, Nordwestmecklenburg, Ludwigslust-Parchim und Mecklenburgische Seenplatte, erklärt die Antiatomorganisation „ausgestrahlt“. Die Gebiete weisen die geologischen Voraussetzungen auf, auf die es unter anderem ankommt. Offiziell bestätigt sind die Areale nicht.

Thomas Luczak

Die OSTSEE-ZEITUNG sucht das OZ-Traumschiff 2019. Bis zum 31. Juli können Sie für Ihren Favoriten abstimmen. Unter allen Teilnehmern verlost die OZ eine Fahrt mit dem Gewinnerschiff.

31.07.2019

Vor einem Monat stand der Wald auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Lübtheen in Flammen. Der Großbrand hat einige Schwachstellen bei der Brandbekämpfung munitionsbelasteter Flächen offenbart. Nun gibt es erste sichtbare Reaktionen.

30.07.2019

Die Sanierung von Lila Bäcker ist nach Angaben des Insolvenzverwalters gut angelaufen. Am 12. August muss der Gläubigerausschuss über den Insolvenzplan abstimmen. Ein positives Votum ist eine Voraussetzung für eine Millionen-Bürgschaft vom Land.

30.07.2019