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MV aktuell Supermärkte in MV senken Preise für fast abgelaufene Lebensmittel
Nachrichten MV aktuell Supermärkte in MV senken Preise für fast abgelaufene Lebensmittel
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07:30 07.03.2019
Eine Packung Milch im Lebensmittel-Discounter Penny mit Logo der deutschlandweiten Kampagne „Kostbares retten“. Quelle: dpa
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Rostock

Der Liter fettarme Milch für 44 Cent. Joghurt, Sahne und Quark 30 Prozent günstiger als üblich. Beim Discounter Penny in Rostock gibt es Molkereiprodukte der Eigenmarke, die kurz vor dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums stehen, seit kurzem deutlich günstiger. Und auch 100 Gramm Ofenschinken, nicht mehr ewig haltbar, kosten statt 1,59 nur 1,11 Euro.

Die Kunden greifen gerne zu, die Waren mit den auffälligen Aufklebern sind schnell weggekauft. „Wir wollen zeigen, dass Lebensmittel mit dem Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatums nicht automatisch weggeworfen werden müssen“, erklärt Kristina Schütz, Pressesprecherin der Rewe Group, zu der Penny gehört. „Bei entsprechender Lagerung ist der Verzehr auch danach noch unbedenklich möglich.“ Darauf wolle man aufmerksam machen – unter anderem mit dem Hinweis „Kostbares retten“ auf der Verpackung. Denn vielen Kunden sei nicht bewusst, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum nicht bedeute, dass ein Produkt einen Tag später nicht mehr genießbar sei. „Es ist kein Verfallsdatum“, betont Schütz. Die Kampagne sei sehr gut angelaufen, man erhalte „viel positives Feedback“ von den Kunden.

Penny kein Einzelfall

Penny steht in seinem Kampf gegen die Wegwerfmentalität nicht allein: Unter anderem in vielen Edeka- und Netto-Märkten in ganz Mecklenburg-Vorpommern sowie im denn’s Biomarkt in Rostock gibt es Waren, deren Mindeshaltbarkeitsdatum näher rückt, vergünstigt. Die Angebote würden „sehr gut angenommen“, erklärt Vivian Sander, Regionalleitung bei denn’s Biomarkt. Auch Aldi Süd versieht bundesweit Milch und verschiedene Käseprodukte seit einigen Wochen mit dem Aufdruck „Riech mich! Probier mich! Ich bin häufig länger gut“. Tests hätten ergeben, dass Kunden „ihr Verhalten entsprechend anpassen“, berichtet Aldi-Managerin Julia Adou. Aldi Nord prüfe derzeit eine ähnliche Aktion.

Ziel von Bundesernährungsministerin Klöckner: Abfälle halbieren

Lebensmittelabfälle zu vermeiden sei ein wichtiges Ziel des Einzelhandels, betonen übereinstimmend Felix Raida von Edeka Nord und Kay-Uwe Teetz, Geschäftsführer beim Handelsverband Nord. Die Initiativen des Handels passen gut in die Strategie von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU). Bis 2030 will sie die Menge der Lebensmittelabfälle im Einzelhandel und in Haushalten halbieren. Knackpunkt: der Umgang mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum. Die Verbraucher sollten wieder mehr auf ihre Sinne vertrauen, hinschauen, riechen, probieren. Die Frage: Riecht das Produkt unangenehm, prickelt es auf der Zunge oder ist Schimmel zu erkennen? „Dann Finger weg!“, warnt Uta Nehls, Fachbereichsleiterin Lebensmittel bei der Verbraucherzentrale MV in Rostock.

Oft weggeworfen: Milchprodukte und Tiefkühlkost

Fast ein Drittel der ausdrücklich wegen des „abgelaufenen“ Datums entsorgten Lebensmittel sind Milchprodukte. Die seien meist recht kurz haltbar, nicht so teuer und damit anfällig fürs Wegwerfen, wie eine Studie des Marktforschungsinstituts GfK ergab. Bundesweit kämen im Jahr so 42 000 Tonnen Abfall nur aus Molkereiprodukten zusammen – mehr als ein Kilo pro Haushalt. Ebenfalls oft wegen des „abgelaufenen“ Datums weggeworfen: Fertigprodukte, Tiefkühlkost sowie Ketchups und Dips, die etwa zum Start der Grillsaison gekauft und dann vergessen werden. Wegwerf-Spitzenreiter: Singles.

Verbraucher verunsichert

Können Aufdrucke auf den Waren etwas daran ändern? Marketingexperte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU in Düsseldorf ist davon überzeugt. Dass Verbraucher „Waren nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums wegwerfen, ist auch ein Zeichen der Unsicherheit. Sie trauen sich einfach nicht mehr zu, den Zustand des Produkts zu beurteilen und verlassen sich lieber auf die Vorgaben des Herstellers“, meint er.

Tafeln in MV bleiben entspannt

Fürchten die Tafeln, dass sie künftig weniger Waren von den Märkten erhalten? „Das sei natürlich möglich“, erklärt Beate Kopka, Chefin der Rostocker Tafel. Aber es würden trotz solcher Aktionen immer noch massenhaft Lebensmittel weggeworfen, da ändere sich beim Warenaufkommen für die Tafeln „sicher nicht viel“. Denn: Rund 90 Prozent der in Supermärkten nicht verkauften Waren landen derzeit in der Tonne. Das entspricht bundesweit etwa 11,5 Millionen Mahlzeiten täglich, so die Deutsche Umwelthilfe.

Mindesthaltbarkeits- und Verbrauchsdatum: Das ist der Unterschied

Auch Waren mit überschrittenem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) dürfen verkauft werden. Vom Händler ist sicherzustellen, dass die Ware einwandfrei ist. Sobald das MHD erreicht ist, haftet nicht mehr der Hersteller, sondern die Verantwortung trägt dann der Händler, der die Ware verkauft. Er muss den Preis aber nicht reduzieren.

Lebensmittel mit abgelaufenem Verbrauchsdatum (damit werden leicht verderbliche Lebensmittel wie frisches Hackfleisch oder Räucherlachs gekennzeichnet, die nach kurzer Zeit eine unmittelbare Gesundheitsgefahr darstellen können) dürfen nicht mehr verkauft und sollten nicht mehr gegessen werden.

Mehr dazu:

Kommentar zum Thema Lebensmittelverschwendung: Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Verfallsdatum

Thomas Luczak

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