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MV aktuell Tickende Zeitbombe Ostsee: Deutlich größere Fläche mit Munition belastet
Nachrichten MV aktuell Tickende Zeitbombe Ostsee: Deutlich größere Fläche mit Munition belastet
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20:09 04.06.2019
Symbolbild: Ein Taucher vom Forschungstauchzentrum der Universität Kiel nähert sich in der Kolberger Heide in der Ostsee einem versenkten Munitionsrest. In der Ostsee vor MV sind nach neuen Recherchen deutlich mehr Regionen mit Kampfmitteln belastet. Quelle: Forschungstauchzentrum CAU Kiel
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Rostock

Die Belastung der Ostsee vor der MV-Küste mit Munition ist deutlich umfangreicher als bisher bekannt. Laut Innenministerium können nach neuesten Recherchen auf einer Fläche von 15 138 Quadratkilometern Kampfmittel aus Kriegszeiten und militärischer Nutzung liegen, die bis zur Zeit der kaiserlichen Marine im 19. Jahrhundert zurückreichen, aber auch Artilleriegeschosse und Torpedos der Bundesmarine. Das bedeutet: Die belastete Fläche ist 23-mal so groß wie aktuell dokumentiert. Bisher ging der Munitionsbergungsdienst MV von 650 Quadratkilometern in Küstengewässern vor MV aus. Die Linke im Landtag fordert Aufklärung über Gefahren für Menschen.

Ministerium: Weitreichende Folgen für die Ostsee-Nutzung

Wolfgang Weiß kann kaum glauben, was er schwarz auf weiß in einer Antwort auf seine Anfrage an die Landesregierung liest. Der Linken-Abgeordnete und Lehrbeauftragte für Geografie an der Universität Greifswald wollte eigentlich Informationen zur Landesraumplanung. Post erhielt er aber nicht von Infrastrukturminister Christian Pegel (SPD), sondern aus dem Hause von Innenminister Lorenz Caffier (CDU), zuständig für Sicherheit. Zwar gebe es zum gegenwärtigen Zeitpunkt „keine Gefährdung“ durch Munition in der Ostsee, die Lage müsse aber durch neue Erkenntnisse neu bewertet werden, da weitere Flächen ins Kampfmittelkataster aufzunehmen seien. Dies werde „weitreichende Folgen bei vorgesehenen Nutzungsänderungen“ haben, teilt das Ministerium mit. Denn zum Beispiel liegen in neuen Gebieten mit Munition auch Stellen, aus denen Sand zur Strandaufschüttung verwendet wird. Auch Offshore-Windparks und Pipelines müssten sich den neuen Erkenntnissen unterordnen – alles, was den Meeresboden beanspruche. Dagegen seien Fischerei und Schifffahrt nicht betroffen.

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Fischer: Thema ist lange totgeschwiegen worden

Munitionsfunde sind auch in der Fischerei nicht unbekannt, wie Europaabgeordneter Werner Kuhn (CDU) weiß. Er erinnere sich an den Granaten-Fund eines Reriker Fischers. Andere Fischer kennen solche Geschichten auch, erlebt haben sie diese selbst aber nicht. Er fahre seit 27 Jahren aufs Meer, sagt Andreas Tornow, Zingst. „Ich hatte noch nie Munition im Netz.“ Frank Fibig, der heute in Warnemünde sein Geld mit Hochseeangeln verdient, erinnert sich an seine Lehrzeit: Damals hätten er und seine Kollegen beim Fischen rund um Bornholm ein Hilfe-Kit für mögliche Verletzungen dabeigehabt. „Das Thema Munition ist lange totgeschwiegen worden“, sagt Fibig. Er vermute, dass der Rückgang von Fischbeständen in der Ostsee damit zu tun habe.

Politiker: Noch 20 Jahre Zeit, die Kampfstoffe zu bergen

Experten warnen seit langem vor den Folgen verrottender Munition in Ost- und Nordsee, vor allem aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Dort sollen fast zwei Millionen Tonnen an Torpedos, Seeminen und Sprengstoffen lagern, heißt es vom Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung. Nach Jahrzehnten sei die Munition verrottet und werde zur Gefahr. Laborversuche bestätigten, dass Abbauprodukte des Sprengstoffes TNT die DNA von Fischen verändern können. Schleswig-Holsteins Innenminister Hans-Joachim Grote hat das Thema kürzlich auch für die Ostsee zur „Aufgabe von nationaler Bedeutung“ erklärt. Es sei noch höchstens 20 Jahre Zeit, die Munition zu bergen.

Neue Erkenntnisse durch Archiv-Recherchen

Dem Schweriner Innenministerium ist eine Trennung wichtig: Bei den neu recherchierten mit Kampfmitteln belasteten Gebieten handele es sich nicht um „Versenkungsgebiete“ von Kriegsschiffen oder Ähnlichem. Vielmehr habe eine Firma im Auftrag des Munitionsbergungsdienstes in Archiven nach Stellen recherchiert, in denen Militär früher geschossen habe. Ältester Befund sei ein Schießen in der Wohlenberger Wiek bei Wismar im Jahre 1871. „Dort könnte Munition liegen“, so Ministeriumssprecherin Marion Schlender. Man gehe davon aus, dass es sich um überwiegend Übungsmunition ohne Sprengstoff handele. Daher müssten die belasteten Flächen erheblich erweitert werden. Der Abschlussbericht liege noch nicht vor.

Linke fordert Aufklärung im Schweriner Landtag

Bei Wolfgang Weiß schrillen die Alarmglocken. „Die Gefahr ist nach wie vor da“, sagt er. Touristen oder Berufsgruppen wie Rettungsschwimmer und Fischer sollten darauf hingewiesen werden. Nötigenfalls müsste die Nutzung von Ostseeregionen eingeschränkt werden. Das Ministerium sehe wiederum „keine Notwendigkeit einer Beschilderung“. Die Linke will das Thema noch im Juni auf die Tagesordnung im Landtag setzen. 2018 wurden im Nordosten 71 Tonnen Kampfmittel geborgen.

Frank Pubantz

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