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MV aktuell Tierisch gut: Bundesweit bester Tierpfleger aus Grevesmühlen geht nach Vietnam
Nachrichten MV aktuell Tierisch gut: Bundesweit bester Tierpfleger aus Grevesmühlen geht nach Vietnam
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06:24 14.05.2019
Marc Tetzlaff (21) bei der Arbeit als Tierpfleger-Azubi. Er wurde zum besten Tierpfleger für den Bereich Zoo gekürt.
Marc Tetzlaff (21) bei der Arbeit als Tierpfleger-Azubi. Er wurde zum besten Tierpfleger für den Bereich Zoo gekürt. Quelle: Ralf Lieske
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Grevesmühlen/Bremerhaven

Er bewahrt im Löwenkäfig die Ruhe und bastelt aus Feuerwehrschläuchen ein Essensversteck für Schimpansen: Marc Tetzlaff aus Grevesmühlen ist Deutschlands bester Nachwuchstierpfleger. Der 21-Jährige, der seine Ausbildung im kleinsten wissenschaftlichen Zoo der Republik in Bremerhaven absolvierte, hat bundesweit die beste Abschlussprüfung absolviert.

Seit einem Schulpraktikum im Tierpark Greifswald stand für ihn fest, „dass die Ausbildung zum Zootierpfleger der Weg zu meinem Traumberuf sein wird.“ Einfach war der Einstieg allerdings nicht: Denn im Vergleich zu anderen Berufen sind Lehrstellen rar gesät.

Rostock und Schwerin sind von Grevesmühlen aus die nächsten Zoos, die ausbilden. So hat sich der tierverbundene Gymnasiast dort und beim Vogelpark Marlow um einen Ausbildungsplatz bemüht. „Da für mich kein anderes Berufsfeld infrage kam, habe ich mich dann aber auch deutschlandweit beworben“, sagt Tetzlaff. Dann die gute Nachricht: Zum 1. August 2015 stellte der Zoo am Meer in Bremerhaven ihn ein.

50 Prozent der Arbeit besteht aus Gehege schrubben

Anders als viele annehmen, ist der Beruf des Tierpflegers keine Kuschelstunde mit den Tieren, sondern erfordert Härte. Nicht nur, dass man bei Wind und Wetter raus muss. Sondern auch das fachgerechte Töten von im Zoo artgerecht gezüchteten Futtertieren wie Kaninchen oder Mäusen gehört zum Berufsbild. Die Auszubildenden müssen zudem damit klarkommen, wenn die ans Herz gewachsenen Zootiere sterben oder aus medizinischen Gründen eingeschläfert werden müssen. Und: „Rund 50 Prozent der Arbeitszeit besteht aus Putzen und Gehegeschrubben“, sagt Tetzlaff. Und obwohl der Zoo klein ist, kommen einige Kilometer Laufweg pro Tag zusammen.

Die Zoodirektorin Heike Kück unterrichtete ihre Auszubildenden eine Stunde pro Woche zu aktuellen Themen direkt im Zoo. Wichtig ist ihr vor allem die Kommunikation mit den Besuchern, denn diese stellen immer kritischere Fragen, beispielsweise zur artgerechten Tierhaltung.

Kreativstunden: Futter verstecken für die Tiere

In seinen freien Stunden zwischen den Pflegeeinsätzen in den Gehegen wird der Tierpfleger gern kreativ. Er entwickelt beispielsweise Hilfsmittel, damit die Tiere artgerecht beschäftigt werden können. So hat er für das Schimpansengehege ein Geflecht aus Feuerwehrschlauch geformt, in dem die Tierpfleger Futter verstecken können. Die Affen müssen clever danach angeln.

Nebenbei schraubt der gebürtige Schweriner in der Zoowerkstatt Holzkästen zusammen, die mit Tischtennisbällen und etwas Futter gefüllt werden. Damit die Otter und Waschbären an ihr Futter kommen, müssen sie die Pfoten durch kleine Löcher an der Seite der Kiste stecken und so lange in den Bällen graben, bis das Futter nach unten durchrutscht – so werden ihre spielerischen Anstrengungen belohnt.

Tetzlaff engagiert sich für Menschenaffen

Nach seiner äußerst erfolgreichen Abschlussprüfung fühlt sich Marc Tetzlaff nun zu Neuem berufen. Er wird sich ab Juli für zwölf Monate ehrenamtlich – nur für Kost und Logis – im asiatischen Vietnam für gefährdete Menschenaffen engagieren. Im „Endangered Primate Rescue Center“ (Rettungsstation für gefährdete Affen), will er die Zucht und Auswilderung von Primaten unterstützen. „Auslandserfahrung ist für meine weitere Laufbahn ein wichtiger Baustein“, sagt der engagierte Tierpflegergeselle. Mögliche Karriereschritte sind Oberpfleger, Revierleiter oder die Meisterqualifikation.

Seine Heimat hat der 21-Jährige trotzdem noch nicht aus den Augen verloren. Er schätzt Mecklenburg-Vorpommern vor allem wegen seiner Natur und der ländlichen Regionen. Doch ob er zurückkehrt, hänge davon ab, ob er eine passende Stelle findet. „Besonders Menschenaffen sagen mir sehr zu, deshalb wäre der Rostocker Zoo mit dem Darwineum durchaus eine Adresse für mich“, sagt Marc Tetzlaff.

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Bester Zootierpfleger-Azubi

Ralf Lieske