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MV aktuell Tierschützer: Landwirte in MV könnten viel mehr Rehkitze vor Mähtod retten
Nachrichten MV aktuell Tierschützer: Landwirte in MV könnten viel mehr Rehkitze vor Mähtod retten
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05:01 18.05.2019
Sind die Rehkitze im hohen Gras nicht markiert, ist es für den Fahrer des Mähwerks nahezu unmöglich, das Jungtier rechtzeitig zu erkennen. Quelle: Agrar-press
Dolgen am See

Es ist ein Anblick, den Frank Demke nur schwer erträgt: Zwei tote Rehkitze hat er Anfang der Woche auf einer frisch gemähten Wiese gefunden. Zerstückelt durch die scharfen Messer der Mähwerke.

Jedes Jahr im Mai und Juni verwandelt sich das sicher geglaubte hohe Gras zur Todesfalle für Jungtiere. Besonders betroffen sind Rehkitze. Statt vor den schweren Maschinen davonzulaufen, ducken sie sich instinktiv.

Um sie zu beschützen, hat Demke 2012 den Verein Wildtierhilfe MV gegründet – und bietet seitdem an, Flächen vor der Mahd mit einer Drohne abzufliegen. Trotz nahezu hundertprozentiger Rettungs-Quote nehmen nicht alle Landwirte das Angebot auch gern an.

Fehlende Kooperation sorgt für Unverständnis

„Mich ärgert es sehr, dass die kürzlich geborgenen Kitze auf der Fläche eines Betriebes lagen, dessen Leiter mich und meine Arbeit kennen“, sagt Demke. Jahrelang habe er mehrfach den Kontakt zu dem Landwirt gesucht. Nur ein einziges Mal aber durfte der Wildtier-Retter dessen Wiesen mit der Wärmebildkamera abfliegen. Warum nicht häufiger, weiß Demke nicht.

Für eine Nachfrage war das Unternehmen nicht zu erreichen. „Da ich bei den besagten Flächen auch keine anderen Vergrämungsmaßnahmen sehen konnte, habe ich nach dem wiederholten Fund toter Tiere nun Strafanzeige gestellt.“

Frank Demke setzt sich für die Tierrettung aus der Luft mit Hilfe von Drohnen ein. Quelle: Dietmar Lilienthal

Tierschutzgesetz als Rechtsgrundlage

Generell seien Landwirte in der Pflicht, alles Erdenkliche zu tun, um Wildtiere vor dem Mähtod zu schützen. Nach Aussagen der Deutschen Wildtier Stiftung sei das Tierschutzgesetz in den vergangenen Jahren immer wieder Rechtsgrundlage bei Urteilen gegen Landwirten gewesen, die bei der Mahd Rehkitze getötet hatten. Die Begründung: Wer die Tötung oder Verletzung von Wildtieren durch die Mahd für möglich hält und keine geeigneten Gegenmaßnahmen ergreift, nehme den Mähtod billigend in Kauf und mache sich damit strafbar.

Wiesen dienen unzähligen Wildtieren als Lebensraum. Neben Rehkitzen können auch Junghasen, Amphibien und Wiesenbrüter den Mähmaschinen zum Opfer fallen.

Für Demke aber würden schon die ethischen Gründe reichen, dieses Leid zu verhindern. Warum manche Landwirte sich quer stellen, verstünde er nicht. Zu hohe Kosten könnten nicht der Grund sein: „Wir nehmen für unsere Arbeit nichts“, sagt er. Die Wildtierhilfe werde allein durch Spenden finanziert. „Bei dem Aufwand, den die Ehrenamtler betreiben, ist das eigentlich nicht gerechtfertigt“, sagt Klaus Parr, Betriebsleiter des Gutes Dummerstorf. Er war der Erste, der Demke um Hilfe gebeten hat.

Anzahl der Mähtode nur schätzbar

Vor 2016 hatte Parr seine Futterflächen durch Jäger mit Hunden absuchen lassen. „Rehkitze geben in den ersten zehn Tagen aber keinen Geruch ab, deshalb hat das nur bedingt funktioniert“, erzählt er. Als er im Internet nach Alternativen stöberte, stieß er schließlich auf die Wildtierhilfe MV – und war nach dessen Einsatz sofort begeistert: „Seit wir zusammenarbeiten, haben wir kein einziges totes Kitz mehr gefunden. Das freut mich sehr.“

Wie viele Tiere jährlich durch den Mähtod sterben, lasse sich laut Jenifer Calvi, Pressesprecherin der Deutschen Wildtier Stiftung, nur schwer beziffern: „Da die Tiere nicht offiziell gezählt werden, können nur Schätzungen angegeben werden.“

Bereits Ende der 1970er Jahre sei für das Gebiet der alten Bundesrepublik eine Zahl von 90 000 Rehkitzen geschätzt worden, die bei der Mahd verstümmelt oder getötet worden sind. „Diese Schätzung wird heute noch gern genommen“, sagt Demke. Bei den Hochrechnungen seiner Funde käme er aber allein in MV schon auf 25 000 Rehkitze im Jahr. Auch die Wildtier Stiftung spricht von einer zu niedrig geschätzten Zahl.

Ein vom Mäher zerstückeltes Reh: Zwei tote Jungtiere hat Frank Demke am Anfang der Woche gefunden. Quelle: Frank Demke

Vorsicht auch im heimischen Garten

Doch nicht nur auf dem Feld werden Arbeiten im Frühjahr zur Gefahr für Wildtiere. Auch im heimischen Garten werden Jahr für Jahr viele verletzt. „Wir kümmern uns etwa um 250 bis 300 Tiere im Jahr. Tendenz steigend“, sagt Corina Lenz-Dollase vom Netzwerk „SOS für wilde Tiere“.

Darunter seien viele Igel, die nicht mehr nur durch Rasentrimmer oder Harken schwer verletzt werden. Auch Mähroboter, die nachts eingesetzt werden, sorgen häufiger dafür. Die Folgen: Enthauptungen oder das Abtrennen von Gliedmaßen.

„Um solche Verletzungen zu verhindern, sollte der Garten vor Arbeiten mit schwerem Gerät immer sorgfältig abgesucht werden“, rät Lenz-Dollase. Dass Igel wahre Versteckkünstler sein können, sei ihr dabei durchaus bewusst.

Wer doch mal einen Kleinsäuger erwischt, könne die nächst gelegene Igelstation kontaktieren. „Woanders wird man keine Hilfe finden.“ Eine Auffangstation für Wildtiere gebe es in MV, anders als in anderen Bundesländern, nicht.

Das sollte bei der Gartenarbeit beachtet werden

Um Kleinsäugerwie Igel bei Gartenarbeiten nicht zu verletzen, sollten zu mähende oder harkende Flächen immer sorgfältig abgesucht werden. Ein Mähroboter darf niemals in der Nacht gestartet werden, denn dann sind die Tiere am aktivsten.

Igelbevorzugen versteckte Plätze als Unterschlupf. Laubhaufen sollten daher nur vorsichtig geharkt werden. Gartenabfälle oder Holzhaufen sollten vor dem Verbrennen erst kurz vorher aufgeschichtet werden. Ansonsten besteht die Gefahr, Igel mit zu verbrennen.

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Pauline Rabe

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