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MV aktuell Todesfahrer will in die Gemeindepolitik
Nachrichten MV aktuell Todesfahrer will in die Gemeindepolitik
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17:31 30.05.2014
2005 starben bei Ralswiek auf Rügen vier Jugendliche. Der damalige Unfallverursacher, Elias Plambeck, wurde jetzt in die Gemeindevertretung von Breege gewählt. Quelle: Jens-Uwe Berndt
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Breege

Kann ein verurteilter Unfallfahrer Kommunalpolitiker werden? Diese Frage beschäftigt derzeit die Bewohner des Seebades Breege. Dort kandidiert Elias Plambeck als Einzelkandidat für die Gemeindevertretung. Der Breeger hatte 2005 auf der Bundesstraße 96 unter Alkohol- und Drogeneinfluss trotz durchgezogener Mittellinie überholt und war in ein entgegenkommendes Auto gerast, in dem vier Jugendliche saßen. Alle vier starben bei dem Unfall, der wochenlang für Aufruhr auf der Insel sorgte.

„Ich finde es nicht gut“, sagt Peter Rieck, ehemaliges Mitglied des Vereins „Raser-Täter-Opfer“ – dieser war nach dem Unfall von Angehörigen und Unterstützern gegründet worden und hat sich im vergangenen Jahr aufgelöst – zur Kandidatur von Plambeck. „Das hat uns damals sehr hart getroffen. Ich an seiner Stelle hätte nicht die Öffentlichkeit gesucht, sondern wäre vielleicht sogar von der Insel weggezogen. Aber im Endeffekt müssen die Breeger entscheiden.“

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Die Bewerbung für das Amt zeige Plambecks Charakter, dieser lebe sein Leben weiter, als wäre nichts passiert – diesen Eindruck hat die Mutter eines der Opfer, die nicht genannt werden möchte.

Gemeindevertreter Werner Krüger (parteilos) sieht das anders. „Herr Plambeck wurde für diese Sache vom Gesetz bestraft und es ist sein Recht, sich aufstellen zu lassen“, betont er. Der damals 25-jährige Plambeck war nach dem Unfall zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt worden.

„Bei schweren Unfällen unter Alkoholeinfluss mit mehreren Toten wird in der Regel eine Sperrfrist ausgesprochen, die je nach Schwere des Vergehens zwischen einem und fünf Jahren liegt“, sagt Ralf Lechte, Sprecher der Staatsanwaltschaft Stralsund. Während dieser Zeit sei es untersagt, Ehrenämter aus Wahlen zu erlangen. Lägen bereits Sperrfristen wegen anderer Vergehen vor, könnten dies auch lebenslänglich gelten. „Der Gemeindewahlbehörde liegen keine Informationen vor, dass Herr Plambeck durch Richterspruch die Wählbarkeit beziehungsweise das Wahlrecht aberkannt wurde“, hieß es von der Leitenden Verwaltungsbeamtin Gabriele von der Aa aus dem Amt Nord-Rügen. Elias Plambeck sei als Kandidat für die Gemeindevertretung in Breege zugelassen. Plambecks selbst möchte zum Sachverhalt nichts sagen.

„Es ist schlimm gewesen für alle hier im Dorf“, erinnert sich Gemeindevertreterin Karin Kipp (CDU). Trotzdem müsse man in die Zukunft schauen: „Er ist ein junger Mann, er hat Familie, ist Hotelier, hat viele Mitarbeiter und Verantwortung im Dorf. Wenn er sich aufstellen lässt, hat er sich sicher etwas dabei gedacht.“



Stefanie Büssing