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MV aktuell Leonies Mutter muss beschützt werden
Nachrichten MV aktuell Leonies Mutter muss beschützt werden
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18:33 25.01.2019
Unzählige Kerzen und Plüschtiere stehen vor dem Haus in Torgelow (Landkreis Vorpommern-Greifswald), in dem am 12. Januar die sechsjährige Leonie ums Leben kam. Quelle: Stefan Sauer/dpa
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Torgelow

Im Zusammenhang mit dem Todesfall der sechsjährigen Leonie aus Torgelow rückt nun auch die Mutter verstärkt ins Interesse der Behörden. Die Frau wurde mit ihrem sechs Monate alten Baby in einer betreuten Einrichtung untergebracht. Nach Angaben des Landkreises Vorpommern-Greifswald gehe es darum, sowohl das Baby als auch die Mutter zu schützen. „Nach Lage der Dinge sollen ihr Leonies Verletzungen bekannt gewesen sein“, sagt Landkreissprecher Achim Froitzheim. Der Aufwand ist sehr groß, Mutter und Kind haben einen eigenen Betreuer für sich allein.

Gegen die Frau wird wegen unterlassener Hilfeleistung ermittelt. Überlegungen, das Kind getrennt unterzubringen, seien verworfen worden. Es gebe keine Anzeichen auf eine Kindeswohlgefährdung in Bezug auf den Säugling. Sie selbst muss auch geschützt werden, in sozialen Netzen wurden Morddrohungen laut. „Nur eine handvoll Personen kennt ihren Aufenthaltsort“, sagt Froitzheim. Für polizeiliche Vernehmungen stehe sie jederzeit bereit.

Der erste Polizei-Einsatz, die Anteilnahme an dem Tod des Mädchen, die Flucht des Tatverdächtigen und die tagelange Suche nach ihm: Hier finden Sie Bilder zum tragischen Tod von Leonie aus Torgelow.

Die sechsjährige Leonie war vor knapp zwei Wochen in ihrer Torgelower Wohnung gestorben, nach bisherigem Ermittlungsstand an Misshandlungen durch den Lebensgefährten ihrer Mutter. Offenbar hat David H. Leonie und ihren zweieinhalbjähriger Bruder über einen langen Zeitraum schwer misshandelt. Weder H., der Vater des sechs Monaten alten Babys ist, noch die Mutter sollen medizinische Hilfe geholt haben. Leonies jüngerer Brüder lebt inzwischen bei seinem Vater in Wolgast.

Vorgänge im Jugendamt werden untersucht

Das Jugendamt des Kreises, gegen das Vorwürfe laut wurden, prüft alle Vorgänge zum Fall Leonie bei einer internen Untersuchung. Deren Ergebnisse sollen anschließend durch eine unabhängige Institution bewertet werden. „Es ist gut, wenn Fachleute von außen einen Blick darauf haben“, sagt Kreissprecher Froitzheim. Gegen die Familie lag eine Anzeige einer Tante vor, wegen Misshandlungen der Kinder. Die länger zurückliegenden Vorwürfe hätten sich trotz umfangreicher Prüfung nicht bestätigt, so der Landkreis.

Zur Trauerfeier in der Christuskirche in Torgelow für die verstorbene Leonie kamen Hunderte.

Familie schirmte Kinder ab

Das Paar war mit den Kindern vor einem halben Jahr von Wolgast nach Torgelow gezogen. Dort lebte es nach OZ-Informationen – anders als in Wolgast – offenbar völlig isoliert. Das Paar brachte die Kinder trotz Anmeldung nicht in die Kita, vereinbarte Treffen mit dem leiblichen Vater wurden verweigert, niemand kam zu Besuch. Wie es aussieht, wurden die grün und blau geschlagenen Kinder von der Öffentlichkeit abgeschirmt.

Vorwürfe gegen die Awo

Wie zudem der„Nordkurier“ berichtet, gibt es auch Vorwürfe gegen den Betreuungsdienst der Arbeiterwohlfahrt (Awo). Ein Mitarbeiter entschied demnach am Abend, an dem Leonie starb, dass die übrigen Kinder in der Familie bleiben können – angeblich ohne sie gesehen zu haben. Die Awo-Mitarbeiterin soll allein gekommen sein, vorgeschrieben seien aber zwei Personen, um die Situation richtig einschätzen zu können. Die Awo rechtfertigte das Vorgehen: An diesem Abend gingen noch alle Helfer davon aus, dass Leonie an einem Unfall gestorben war.

Der Fall der getöteten Leonie

25. Januar: Leonies Mutter muss nach Morddrohungen beschützt werden

24. Januar: Trauer in Wolgast: 500 Menschen gedenken der toten Leonie

23. Januar: Jetzt kursieren Falschmeldungen über David H.

23. Januar: Gedenkfeier in Torgelow: Eine ganze Stadt in Trauer

22. Januar: Reportage zum Mordfall Leonie –„So etwas hatten wir hier in Torgelow noch nie“

22. Januar: Tatverdächtiger Stiefvater bestreitet Vorwürfe

21. Januar: Riesige Spendenbereitschaft für leiblichen Vater und kleinen Bruder

21. Januar: Polizei fasst Stiefvater von Leonie

17. Januar: Ermittlungen jetzt auch gegen die Mutter

17. Januar: Vater der toten Leonie: „Ich habe es aus der Zeitung erfahren“

16. Januar: Jugendamt äußert sich zu Vorwürfen

15. Januar: Geflüchteter Stiefvater ist polizeibekannt

14. Januar: Tod eines Mädchens in Torgelow: Ursache weiter unklar

Gerald Kleine Wördemann

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