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MV aktuell Tod durch Motorboot-Banane auf Rügen: Gefahren durch Schiffsverkehr völlig unterschätzt
Nachrichten MV aktuell Tod durch Motorboot-Banane auf Rügen: Gefahren durch Schiffsverkehr völlig unterschätzt
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16:39 26.08.2019
Einen Tag nach dem schweren Unfall zwischen einem Motorboot und einem Schwimmer am 23. August vor Binz auf Rügen, ist der Strand bei bestem Sommerwetter wieder gut gefüllt. Quelle: Wenke Büssow-Krämer
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Binz

Die Diskussion über die Sicherheit an den Badestränden entlang der Ostseeküste von MV ist erneut entflammt. Anlass sind zwei schwere Bootsunfälle vom Freitag im Bereich der Insel Rügen vor Binz und Thiessow.

Zudem hatten am Sonntag Rettungsschwimmer der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft eine etwa 80-jährige, hilflose Frau sowie einen 68 Jahre alten Mann aus unbewachten Badebereichen in Graal-Müritz bei Rostock und in Göhren vor Rügen gerettet.

Mann stirbt in Binz nach Unfall mit Motorboot

Dramatische Szenen spielten sich am Freitag vor dem Binzer Strand ab. Ein Schwimmer war nach der Kollision mit einem Motorboot, das eine „Banane“ im Schlepptau hatte, schwer verletzt worden. Obwohl Rettungsschwimmer, die zu einem Kontrolltörn mit ihrem Einsatzboot zeitgleich ausgelaufen waren, sofort den Verunglückten bargen, kam jede Hilfe zu spät. Der 53-jährige, aus Bulgarien stammende Mann verstarb trotz intensiven medizinischen Einsatzes wenig später. „Die kriminalpolizeilichen Ermittlungen zum Unfallhergang laufen“, erklärte Polizeihauptkommissar Axel Harpke von der Wasserschutzpolizei-Inspektion Sassnitz.

Der tödlich verunglückte Mann schwamm laut Polizei in einem für Badegäste gesperrten Bereich. Dieses vor dem Wachturm 4 am Binzer Strand befindliche Areal ist mit roten Bojen gekennzeichnet. Der Abschnitt ist ausdrücklich Einsatzbooten der Rettungsschwimmer und dem Betrieb des Wassersports vorbehalten.

Ein Badegast übersah den abgegrenzten Strandabschnitt für den Einsatz der Boote. Er wurde in der Ostsee vor Binz von einem Motorboot beim Schwimmen erfasst und starb an den Folgen.

Verkehr auf dem Wasser mit Kajaks, Kanus und Co nimmt zu

„Derart schwerwiegende Folgen bei den sich häufenden Sportbootunfällen sind die Ausnahme“, betonte Harpke. Fakt ist, dass die Zahl der Wasserfahrzeuge im küstennahen Bereich deutlich zugenommen hat. Neben der verstärkten Berufsschifffahrt registrieren die Ordnungshüter immer mehr Sport- und Angelboote sowie Freizeitsportler, die beispielsweise in Kajaks, Kanus oder auf Surfbrettern unterwegs sind. „Auf dem Wasser bewegt sich quasi alles, was schwimmt“, bestätigt Ulf Erler von der Wasserschutzpolizei-Inspektion Rostock.

Dabei überschätzten die Aktiven mitunter nicht nur ihre Kräfte, sondern unterschätzen auch die Gefahren in der Ostsee, sagt der Polizeihauptkommissar. Hinzu kommt fehlende seemännische Erfahrung. Die Folge: 2018 wurden an den Küsten von MV innerhalb der 12-Seemeilen-Zone 274 Unfälle registriert. Diese betreffen Schiffs- und Sportbootunglücke, Badeunfälle und Vorkommnisse durch Alkoholeinfluss. Zum Vergleich: 2017 waren es 202 Meldungen.

144 Menschen aus Seenot gerettet

Von einer seit „zehn Jahren konstant hohen Zahl von Einsätzen“, spricht auch Christian Stipeldey. „Allein im vergangenen Jahr wurden von unseren Kameraden bei 551 Einsätzen in den Gewässern von MV 144 Menschen aus Seenot gerettet“, so der Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Stipeldey verwies dabei auf die bis 2030 massiv zunehmende Berufsschifffahrt auf der Ostsee gerade Richtung Baltikum.

Von den Seenotrettern wurden am Freitag zwei Besatzungsmitglieder des Motorbootes geborgen, dessen Schiff westlich von Thiessow auf Grund gelaufen war. „Es folgte ein Wassereinbruch, die Elektrik an Bord versagte und das Schiff sank“, sagt Polizeihauptkommissar Axel Harpke.

Zahl der Unfälle auf der Ostsee steigt

274 Unfälle an den Küsten von MV wurden 2018 innerhalb der 12-Seemeilen-Zone registriert. Bei Schiffs- und Sportboot-Unglücken kamen sechs Personen um, es gab 25 Badetote und einen Fall von Suizid.

Im Jahr 2017 weist die Statistik laut Polizei insgesamt 202 Unfälle auf. Elf Badetote waren zu beklagen. Fünf Menschen starben bei Sportbootunfällen und neun Personen bei maritimen Unglücken, etwa beim Beladen von Schiffen.

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