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MV aktuell Tod nach Unterwasser-Sprengung: So haben die Schweinswale gelitten
Nachrichten MV aktuell Tod nach Unterwasser-Sprengung: So haben die Schweinswale gelitten
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18:59 25.11.2019
Ein Schweinswal schwimmt im Fjord-Belt-Sealand im dänischen Kerteminde. In der östlichen Ostsee sind die Tiere vom Aussterben bedroht. Quelle: Ingo Wagner/dpa
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Stralsund

Nach der Sprengung von 39 alten Seekriegsminen im Ostsee-Naturschutzgebiet Fehmarnbelt haben Forscher und Schweinswal-Experten des Stralsunder Meeresmuseums vor den Folgen für die Tiere in der Ostsee gewarnt. „Die Druckwelle von Sprengungen kann dazu führen, dass die Tiere direkte Organschäden erleiden. Zusätzlich gibt es eine Schallwelle, die bei Schweinswalen ein akustisches Trauma erzeugen kann“, sagte Michael Dähne, der Kurator für Meeressäugetiere am Deutschen Meeresmuseum in Stralsund.

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hatte am Wochenende erklärt, dass im Zeitraum nach den Sprengungen zur Vorbereitung eines Nato-Manövers Anfang September insgesamt 18 tote Schweinswale gefunden worden seien. Wie viele Tiere durch die Sprengungen während der Fortpflanzungszeit tatsächlich verletzt oder getötet worden seien, sei aber unklar, sagte Nabu-Geschäftsführer Leif Miller.

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Stralsunder Meeresmuseum dokumentiert jeden Totfund

Dähne zufolge seien Schweinswale insbesondere während der Sommermonate sehr aktiv. In dieser Zeit breite sich insbesondere die Population in der westlichen Ostsee bis in Bereiche nördlich der Insel Rügen aus. Eine weitere Gruppe, die ihren Lebensraum vor allem in der östlichen Ostsee hat, ist dort bereits vom Aussterben bedroht. Das Stralsunder Meeresmuseum dokumentiert gemeinsam mit anderen Forschungseinrichtungen jeden Totfund.

Der Nabu vermutet, dass die Sprengung der Seekriegsminen im Ostsee-Naturschutzgebiet Fehmarnbelt vor der eigentlichen Nato-Übung, an der 40 Schiffe und 3000 Soldaten aus 18 Ländern beteiligt waren, eine kostengünstige Gelegenheit gewesen sein könnte, um aufwendige Abstimmungsprozesse mit Naturschutzbehörden zu umgehen. Altlasten werden vor solchen Manövern aus Sicherheitsgründen entfernt.

2018 gab es in MV 69 tote Schweinswale

„In Mecklenburg-Vorpommern haben wir in dem betroffenen Zeitraum normal viele tote Tiere gefunden“, sagte Dähne. Im vergangenen Jahr waren an der deutschen Ostseeküste insgesamt 203 tote Schweinswale gefunden worden: in Schleswig-Holstein 134 und in Mecklenburg-Vorpommern 69. Im Bereich des Fehmarnbelts sind in den Sommermonaten besonders viele Mütter mit ihren Kälbern unterwegs.

Jede Sprengung erzeugt unter Wasser eine Schall- sowie eine Druckwelle. Dähne: „Schockwellen führen in direktem Umfeld zu Gewebeverletzungen. Schallwellen können ein akustisches Trauma verursachen.“ Beide Ursachen könnten für die Schweinswale zum Tod führen. Während die durch Druckwellen verursachten Verletzungen sofort tödlich sein könnten, würden Schweinswale ein akustisches Trauma zunächst wahrscheinlich überleben.

Schwerhörige Schweinswale können nicht jagen

„Allerdings kann ein schwerhöriger Schweinswal dann nicht mehr jagen. Ohne ihre Echo-Ortung können sie dann die Beute nicht mehr finden. Die Tiere können zusätzlich später durch Infektionen in den verletzten Ohren sterben.“

Wie aus einer Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervorgeht, würde jede Sprengung einen fünf Meter breiten und 1,5 Meter tiefen Krater auf dem Meeresboden verursachen. „Die vormals vorhandenen marinen Tiere und Pflanzen wurden im Krater und in einem Umfeld von bis zu 30 Metern um den Krater zerstört. Dies umfasst hochgerechnet auf die 39 Sprengungen im Meeresschutzgebiet Fehmarnbelt eine Zerstörung von bis zu 110 000 Quadratmetern oder einer Fläche von bis zu 27 Fußballfeldern“, heißt es in einer Zusammenfassung der Antworten der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage.

Behörden wollen Fall aufklären

Die Behörden bemühen sich inzwischen um die Aufklärung des Falls. Bis jetzt sei einem Sprecher des Verteidigungsministeriums zufolge kein direkter Zusammenhang mit 18 toten Schweinswalen hergestellt worden. Wie das Bundesumweltministerium mitteilte, sei das Bundesamt für Naturschutz allerdings nicht wie vorgeschrieben vorab über die Sprengung informiert worden. Für die Zukunft sei eine bessere Form der Abstimmung zu gewährleisten, hieß es weiter. Angesichts der geringen Zahl an Schweinswalen in der Ostsee sei es „sehr besorgniserregend“, wenn innerhalb eines Monats 18 der besonders streng geschützten Tiere anlanden, sagte eine Sprecherin von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD).

„Die Gefährdung von Meeressäugern durch Lärm ist bisher ein unterschätztes Problem. Die Schweinswalpopulation in der Ostsee ist bereits durch den Dauerlärm durch den Schiffsverkehr in Dauerstress. Die Sprengungen schädigen die Tiere so schwer, dass sie zum Teil nicht mehr lebensfähig sind. Wir fordern bei Aktionen dieser Art einen mehrfachen Blasenschleier und effektive Vergrämungsmaßnahmen im Vorfeld, auch bei militärischen Maßnahmen“, betonte die Stralsunder Grünen-Bundestagsabgeordnete Claudia Müller.

Eine Lösung sei nach Ansicht von Dähne die Verwendung von Druckluftschläuchen, die wie ein Ring um die Sprengbereiche gelegt werden. Sie erzeugen im Wasser einen Blasenschleier. „Der erfüllt eine Doppelfunktion. Er unterbricht die Schockwelle und dämpft die Schallenergie“, sagte der Stralsunder Walexperte.

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