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MV aktuell PS-Monster lassen es krachen
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16:00 29.06.2019
In Grimmen dabei: Zwei Jagdbombermotoren treiben mit 5600 PS „Green Monster“ an. Quelle: Stephan Görtz – pullingpics.de
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Grimmen

 Sie brüllen, fauchen, zerren und krallen sich vorwärts wie Monster, die an der Kette hängen. Doch von hinten werden die Traktoren mit bis zu 20 Tonnen Gewicht niedergedrückt. Die Vorderläufe hängen dann in der Luft, die infernalischen, mehrere Tausend PS starken Motoren speien Flammen und Rauchsäulen in den Himmel. Der Druck der Kraft ist auch aus der Distanz im Bauch zu spüren. Ein letztes brachiales Aufbäumen und Würgen – erst dann, nach höchstens 100 Meter langem Kampf über die Bahn im Hexenkessel von Grimmen, geben die stählernen Helden Ruhe.

40 Liter Methanol auf 100 Meter

Am Wochenende trifft sich, wie seit beinahe drei Jahrzehnten um diese Zeit, die Elite der Tractorpulling-Szene in Grimmen. Das Besondere ist, dass die Motorsportler nicht tagsüber die Muskeln ihrer Titanen spielen lassen, sondern abends und nachts. Dafür ist Grimmen in ganz Europa bekannt. Dementsprechend international ist das Starterfeld. Die gut 40 Teams kommen etwa aus Dänemark, den Niederlanden oder aus Schweden. Aus Nordrhein-Westfalen reist Tobias Hörstkamp 500 Kilometer an. Im „Handgepäck“ hat der Teamchef zwei „Green Monster“. Zum Beispiel „Green Monster IV“. Ausgestattet mit zwei Jagdbombermotoren, jeder für sich 2800 PS stark. „Wir tanken Methanol und verbrauchen pro Zug 15 bis 20 Liter pro Motor“, sagt der 39-jährige Familienunternehmer. Hörstkamp ist mit dem Sport aufgewachsen, Grimmen kennt er seit den 90er-Jahren. „Das ist gerade für Zuschauer spektakulär, wenn wir hier nachts fahren.“ Wenn Feuerstrahlen aus den Auspuffrohren in den nachtblauen Himmel schießen.

Ein Großteil dieser PS-Geschosse kommt am Wochenende in den Hexenkessel. Außerdem gibt es Stock-Car-Rennen.

Beim Tractorpulling geht es darum, auf einer 100 Meter langen und 10 Meter breiten Bahn einen mörderisch schweren Bremswagen möglichst weit und schnell zu ziehen. Doch während des Zuges verstärkt sich der Widerstand des Wagens so sehr, dass der Traktor zum Stillstand kommt. Wer die 100 Meter packt, hat einen „Full Pull“ erreicht.

„Gelenkt wird per Einzelradbremse“, erklärt Fahrer Tobias Hörstkamp. Wenn beim Pullen die Vorderräder den Boden nicht mehr berühren, kann auf diese Weise das Geschoss in der Bahn gehalten werden. „Wichtig ist, dass das Wetter hält, solange es nicht regnet, ist alles gut.“ Bei Nässe könne es rutschig und dadurch gefährlicher werden.

Spektakel mit 300 Stock-Cars

Der Aufwand für das Ereignis ist immens: 150 Helfer sind dabei – Streckenposten, freiwillige Feuerwehrleute, Sanitäter vom DRK und von der DLRG sowie Techniker und Fahrer für die Serviceschlepper – davon gibt es 25. Außerdem zwei Raupen, acht Radlader, ein Bagger, drei Walzen. „Das ist hier alles sehr familiär – und das hat sich beim Publikum und bei den Teams in Europa herumgesprochen“, sagt Benno Rüster. Der 58-Jährige ist Bürgermeister der Stadt sowie Gründer und Vorsitzender der 1. Grimmener Stock-Car-Legion, die das Spektakel auf die Beine stellt. „Hinzu kommt, dass die Kombination von Tractorpulling und Stock-Car-Rennen einzigartig in Europa ist.“ Bei den Stock-Car-Läufen, die am Samstag und am Sonntag im Hexenkessel (Motodrom) über die Bahn gehen, schubsen und drängeln sich Fahrer mit ihren selbst aufgearbeiteten Pkw gegenseitig aus dem Weg. Beim „Wohnwagen-Vernichtungsrennen“ geht es nicht darum, ohne Kratzer an den Fahrzeugen ins Ziel zu gelangen. Doch auch hier wollen die 300 angemeldeten Frauen und Männer gewinnen.

Nur zur Verwendung online, für Print bitte das ai (unter Grafiken zu finden) verwenden, Motodrom Grimmen Quelle: arno

Punkte sammeln möchte auch Tobias Hörstkamp. Im vergangenen Jahr wurde er Europameister, Euro-Cup-Sieger und Deutscher Meister. Dafür investiert er viel Zeit. Um zum Beispiel möglichst wenig Gewicht bewegen zu müssen, probieren Tüftler wie er viele Materialien aus: Kevlar, Titan, Aluminium, Carbonfiber oder Magnesium. Die Traktoren sind Handarbeit auf höchstem Niveau: Motor, Rahmen, Tanks, Achsen ... Per Computer lesen die Mechaniker die Motordaten aus, sehen, was beispielsweise die Einspritzsensoren verraten oder welche Drehzahlen die Reifen beim Zug hatten. „In der Saison sitze ich nach der Arbeit meist noch bis 21 Uhr in der Werkstatt“, erzählt Hörstkamp. Außer mittwochs. Dann ist Familienzeit angesagt. Auch die kleinen fauchenden „Monster“ wollen etwas von ihm haben.

Programm & Eintritt

Samstag

9 bis 17.30 Uhr Stock-Car-Rennen, 18 bis 23 Uhr Tractorpulling German Championships,

22 Uhr After-Race-Party

Sonntag

9 bis 17 Uhr Stock-Car- und „Wohnwagen-Vernichtungsrennen“

Ticket-Preise:

Stock-Car-Rennen: Samstag und Sonntag je 10 Euro, Wochenendkarte 15 Euro, Freier Eintritt für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre.

Tractorpulling 20 Euro

Freier Eintritt für Kinder und Jugendliche bis zum 14. Lebensjahr, After-Race-Party 5 Euro.

Wichtig: Fürs Tractorpulling bitte Gehörschutz mitbringen.

Klaus Amberger

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