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MV aktuell Traum vom eigenen Haus: Darum hinkt Mecklenburg-Vorpommern hinterher
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06:54 20.08.2019
Sich den Traum vom Eigenheim zu erfüllen, wie hier im Wohngebiet „Alte Gärtnerei“ in Stralsund, wird in MV immer schwerer. Quelle: Alexander Müller
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Rostock

Trotz anhaltendem Bauboom und Niedrigzinsen bleibt der Traum von den eigenen vier Wänden für viele unerfüllt. Weil die Preise für Eigentumswohnungen und Häuser in vielen Städten steigen, müssen Käufer immer mehr Eigenkapital aufbringen, um an die nötigen Kredite zu kommen. „Die Eigentumsquote stagniert, vor allem in Ostdeutschland“, sagt Michael Voigtländer, Abteilungsleiter beim Institut der Deutschen Wirtschaft (IW), der OZ.

Der Immobilienboom hilft vielen nicht, wenn es darum geht, den Sprung von der Miet- in die Eigentumswohnung zu schaffen. Um das zu ändern, sei mehr staatliche Unterstützung notwendig, so der Immobilienexperte.

In Mecklenburg-Vorpommern lebten laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2014 lediglich 38,9 Prozent in einem Eigenheim. Das sind deutlich weniger als in anderen Flächenländern. Brandenburg kommt auf eine Eigentumsquote von 46,4 Prozent, Schleswig-Holstein auf 51,5 Prozent. Die finanziellen Hürden für einen Immobilienkauf seien für viele zu hoch, so Voigtländer.

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Bei jungen Familien sinkt die Eigenheimquote

„Nur elf Prozent der Mieter in Deutschland besitzen ein Finanzvermögen von mehr als 50 000 Euro“, sagt der Wirtschaftsforscher. Während sich die monatlichen Belastungen für Immobilienkäufer dank niedriger Zinsen „meist gut stemmen“ lassen, fehle es oft am Eigenkapital. Bei jungen Familien sinkt die Eigenheimquote sogar, hat der Wissenschaftler jetzt in einer Studie für die Bausparkasse Schwäbisch Hall festgestellt.

Neben dem Eigenkapital stellten die sogenannten Kaufnebenkosten eine weitere Hürde dar. Die sind in MV erst kürzlich gestiegen: Die Grunderwerbsteuer wurde im Nordosten zum 1. Juli von fünf auf sechs Prozent erhöht. Für Käufer einer Immobilie im Wert von 200 000 Euro bedeutet das rechnerische Mehrkosten von 2000 Euro. Voigtländer fordert eine staatliche Offensive, um mehr Mietern den Zugang zu Wohneigentum zu ermöglichen. Andere Länder seien da weiter, beispielsweise Großbritannien mit dem Programm „Help to buy“ (Hilfe zum Kauf). Es müsse staatliche Bürgschaften für sogenannte Nachrangdarlehen für Immobilienkäufer geben, denen das Eigenkapital fehlt.

Landesregierung in der Kritik

Der Immobilienverband IVD fordert die Große Koalition in Berlin zum Handeln auf: „Das im Koalitionsvertrag angekündigte KfW-Bürgschaftsprogramm, das die Eigenkapitalforderung der Banken und damit die zentrale Hürde bei der Eigentumsbildung deutlich absenken würde, muss endlich kommen“, sagt Verbandspräsident Michael Schick. Die Anhebung der Grunderwerbssteuer in MV sei dagegen „absolut kontraproduktiv“. Der Zugang zu Wohneigentum müsse „einfacher werden und nicht schwieriger“.

Der Verband Haus und Grund MV sieht die Erhöhung der Steuer ebenfalls kritisch. Vize-Vorsitzender Matthias Zielasko verweist auf den Wegfall der Straßenausbaubeiträge, die mit der Steuererhebung gegenfinanziert wurde. „Es gibt Gewinner und Verlierer“, stellt Zielasko fest.

Gewinner und Verlierer

Aus Sicht der Schweriner Landesregierung hat die Anhebung der Grunderwerbsteuer nur „marginale Auswirkungen auf Entscheidungen, Wohneigentum zu erwerben“, so ein Sprecher von Finanzminister Reinhard Meyer (SPD). Außerdem sei die Steuer in fünf Bundesländern höher als in MV. Der Wegfall der Ausbaubeiträge könne dagegen „den Eigentumserwerb in vielen Fällen sogar attraktiver machen, da später keine hohen, unerwarteten Belastungen“ zu befürchten seien.

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