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MV aktuell Traumsommer, Fußball und Netflix verhageln Kino-Bilanz in MV
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06:55 11.12.2018
Besucher sitzen in einem Kino. (Symbolfoto) Quelle: Nicolas Armer/dpa
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Rostock

Trotz „Avengers“ und „Phantasische Tierwesen“ – die Kinos in Mecklenburg-Vorpommern müssen in diesem Jahr einen massiven Besucherschwund hinnehmen. Allein im ersten Halbjahr 2018 brach die Zahl der Kinogänger um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein. Für das „nicht zufriedenstellende Kinojahr“ hätten vor allem „der fünfmonatige Traumsommer in Verbindung mit der Fußball-WM“ gesorgt, sagt der Geschäftsführer der Cinestar-Gruppe, Oliver Fock. Cinestar ist Marktführer in MV und Deutschland.

Nach Angaben der Filmförderungsanstalt (FFA) in Berlin wurden im Nordosten im ersten Halbjahr 2018 rund 761 000 Kino-Tickets verkauft; im ersten Halbjahr 2017 waren es 951 000. Den weitaus größten Anteil der Tickets veräußert in MV die Cinestar-Gruppe. Das Unternehmen mit Stammsitz in Lübeck (Schleswig-Holstein) betreibt im Nordosten sieben große Häuser – zwei in Rostock sowie je eins in Greifswald, Neubrandenburg, Stralsund, Waren (Müritz) und Wismar. Angaben über Besucherzahlen in den Cinestar-Kinos macht Fock „aus Wettbewerbsgründen“ jedoch nicht.

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„Fifty Shades of Grey“ der beliebteste Film bisher

Die beliebtesten Filme bei den Kinogängern in MV sind in diesem Jahr bislang (Stand diese Woche): „Fifty Shades of Grey – Befreite Lust“, „Hotel Transsilvanien 3“ und „Avengers: Infinity War“. 2017 zogen die Filme „Fack ju Göthe 3“, „Ich – Einfach unverbesserlich 3“ und „Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe“ die meisten Besucher vor die Leinwände.

„In diesem Jahr fehlten die besonders zugkräftigen Filme“, nennt der Vorstand der Filmförderungsanstalt (FFA) in Berlin, Peter Dinges, einen weiteren Grund für das rückläufige Interesse am Kino. Vor allem internationale Blockbuster seien in diesem Jahr „teilweise ausgeblieben“. Und: Streamingdienste wie Netflix und Amazon Prime stünden mit attraktiven Filmen und Serien zunehmend in Konkurrenz zu den Kinos. Um mehr Besucher vor die Leinwände zu locken, setzten die Betreiber daher auch auf alternative Angebote, etwa Konzerte, Ballett und Opernübertragungen.

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Auch Programmkinos kämpfen mit Besucherschwund

Auch für Programmkinos, die Filme jenseits des Massengeschmacks zeigen, war 2018 ein schwieriges Jahr. „Wir werden nicht die Besucherzahlen aus den Vorjahren erreichen“, erklärt die Geschäftsführerin des Lichtspieltheaters Wundervoll (Li.Wu.), Anne Kellner, in Rostock. Die Gründe auch hier: der lange Sommer und die Fußball-WM. Die Konkurrenz durch Netflix & Co. sei für Programmkinos wie das Li.Wu. aber „nicht so relevant“, sagt Anne Kellner. „Unsere Besucher, die meist älter als 40 Jahre sind, nutzen weniger die Angebote der Videoplattformen“, so die Li.Wu.-Chefin. Das Li.Wu. betreibt zwei Säle, die im Schnitt zusammen rund 65 000 Besucher pro Jahr haben. Die besucherstärksten Filme im Li.Wu. waren 2018 „Gundermann“ und „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“.

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Welche Folgen der Verkauf der Cinestar-Gruppe an den britischen Kinobetreiber Vue Entertainment hat, ist unterdessen noch völlig unklar. Cinestar-Chef Fock versichert: „Aktuell wird es keinerlei Änderungen für das operative Geschäft, für Mitarbeiter und die Standorte geben.“ Dem Verkauf an Vue Entertainment, dem der Cinestar-Konkurrent Cinemaxx gehört, muss allerdings noch das Bundeskartellamt zustimmen.

Zwei Millionen Kino-Besucher

Rund zwei Millionen Kino-Tickets wurden 2017 in Mecklenburg-Vorpommern verkauft. 2016 waren es etwa 1,9 Millionen Tickets.

118 Kinosäle gibt es derzeit in Mecklenburg-Vorpommern nach Angaben der Filmförderungsanstalt (FFA). Der größte Kino-Anbieter in MV, die Cinestar-Gruppe, betreibt davon 38 Kinosäle. Viele der insgesamt 54 Spielstätten werden von kleineren Betreibern unterhalten und nicht regelmäßig bespielt.

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Axel Meyer

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