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MV aktuell Traumziel Ostsee: Neue Arten erobern neue Lebensräume
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00:00 25.08.2018
Rostock

Sie werden mit Gift bekämpft, mit UV-Licht bestrahlt, mit Schreddern zerhackt oder durch Siebe und Filter gequetscht: unerwünschte tierische Schwarzfahrer, die in den Ballastwassertanks von Schiffen zu uns in die Ostsee kommen. Denn Frachter, „die Arbeitspferde der globalisierten Welt, bringen nicht nur Waren, sondern auch neue Arten“, erklärt Dr. Jörg Kaufmann, Abteilungsleiter Schifffahrt beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie. Seit 2017 gelte deshalb das Übereinkommen zur Behandlung von Ballastwasser, erklärte Kaufmann beim dritten „OZ-Kajütenschnack“ am Donnerstagabend an Bord des Seglers „Santa Barbara Anna“ in Rostock. Das verbietet – mit Übergangsfristen bis 2024 – das Abpumpen von unbehandeltem Ballastwasser.

„OZ-Kajütenschnack“ über Wollhandkrabben und Schwarzmund-Grundeln

Hintergrund: Meerwasser wird für die Stabilisierung des Schiffes in Tanks gepumpt und beim Be- und Entladen wieder abgelassen. Dabei können Lebewesen überleben, sich vermehren und im Ökosystem erhebliche ökologische und ökonomische Schäden auslösen, warnt Ines Martin, Kuratorin für Krebse und Botanik am Meeresmuseum Stralsund.

Beispiel Schwarzmund-Grundel: Der eigentlich aus dem Schwarzen und Asowschen Meer stammende Brack- und Süßwasserfisch verbreitet sich seit den 1990er Jahren vor allem entlang von Schifffahrtsrouten.

Er besiedelt mittlerweile auch die Ostsee – und es sei „kaum möglich, diese Entwicklung zu stoppen“, erklärt Dr. Daniel Oesterwind, Experte für Biodiversität am Thüneninstitut für Ostseefischerei Rostock. Die Tiere kämen mit unterschiedlichem Salzgehalt im Wasser ebenso zurecht wie mit Schwankungen bei Temperatur und Sauerstoffgehalt. Problem: „Die Schwarzmund-Grundel frisst alles, was ihr vor die Schnauze kommt“, sagt Oesterwind. „Plankton, Miesmuscheln, in finnischen Gewässern auch Stichlinge.“ Dennoch sei es schwierig, ein abschließendes Urteil über Nutzen bzw. Schaden der Neuankömmlinge zu fällen: Zander und Dorsch hätten die Tiere in ihre Speisepläne aufgenommen und profitierten, ebenso der Kormoran. Damit verringere sich zugleich der Druck auf andere heimische Arten.

Die Schwarzmund-Grundel steht nicht allein: Auch bestimmte Unterarten der Rippenqualle, die Wollhandkrabbe oder der Holzbohrwurm waren ursprünglich nicht in der Ostsee beheimatet, fanden aber hier neue Lebensräume. Und können starke Schäden anrichten. Doch der Kampf gegen unerwünschte Neulinge sei im Meer deutlich schwieriger als beispielsweise an Land, betont Ines Martin. „Wie wollen Sie gegen einwandernde Fische vorgehen?“ Generell sei die Ostsee einem stetigen Wandel unterworfen: Das sich verändernde Klima und die starke Nutzung durch den Menschen sorgten für laufende Veränderungen, so Oesterwind.

Positiv kam bei den rund 40 Gästen des von OZ-Chefredakteur Andreas Ebel moderierten Abends die Nachricht an, dass die Nährstoffeinträge durch die Flüsse in die Ostsee geringer werden. Jedo

ch: Auch das Sediment gibt Nährstoffe ins Wasser ab, warnt Oesterwind. Es werde „noch Jahrzehnte dauern, bis sich dieser Prozess reduziert“.

Ostseetag 2018 in Rostock

Am 30. August von 10 bis 18 Uhr im Stadthafen Rostock. Der Eintritt ist frei.

Angebote: „Open Ship“ an Bord der Forschungsschiffe „Elisabeth Mann Borgese“, „Clupea“ und „Deneb“. Experten beantworten Fragen. Präsentationsinseln an der Kaikante zu Themen wie:

Wie geht es Dorsch und Hering? Hat der Klimawandel Einfluss auf die Häufigkeit von Sturmhochwasser und Eisbedeckung? Gibt es neu eingewanderte Arten und welche Auswirkungen haben sie? Wie wird die Nutzung der Ostsee geregelt? Was weiß man über Mikro-Plastik und andere Schadstoffe? Wie gefährdet sind Meeressäuger? Wie funktioniert Radioaktivitätsüberwachung?

Weitere Infos:

www.ostseetag.info

Thomas Luczak

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