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MV aktuell Trendwende: Baubranche stellt wieder ein
Nachrichten MV aktuell Trendwende: Baubranche stellt wieder ein
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20:00 08.09.2019
Viel zu tun auf den Baustellen in MV: Die Umsätze vieler Baubetriebe steigen. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Rostock

Die Baubranche in Mecklenburg-Vorpommern hat ihren dramatischen Stellenabbau gestoppt: Von mehr als 50 000 Beschäftigten Mitte der 1990er-Jahre sank die Zahl im Jahr 2016 auf nur noch 15 000 Beschäftigte. Doch die Branche hat das tiefe Tal offenbar durchschritten. „Mittlerweile sind wieder 17 000 Beschäftigte in der Bauwirtschaft tätig“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Bauverbands MV, Jörg Schnell. Vor allem die gute Auftragslage beschert den Baubetrieben im Nordosten personelle Zuwächse – mit einem Plus von immerhin gut elf Prozent.

Im ersten Halbjahr 2019 sind die Umsätze der Branche um rund 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen. „Damit sind wir zufrieden“, sagt Schnell. Offene Stellen werden gegenwärtig vor allem mit Beschäftigten besetzt, die zum einen als Heimkehrer aus anderen Bundesländern nach MV zurückkommen. Zum anderen sind es Arbeitnehmer, die vor Jahren in anderen Bereichen, z. B. Lager und Logistik, Arbeit gefunden haben, jetzt aber wieder auf dem Bau arbeiten wollen.

200 Auszubildende im ersten Lehrjahr

Zudem könne ein Teil der zusätzlichen Arbeitskräfte aus den Reihen der Lehrlinge rekrutiert werden. „Wir haben seit etwa drei Jahren kontinuierliche Lehrlingszahlen“, betont der Verbandsgeschäftsführer. Rund 200 Azubis seien es derzeit im Nordosten jeweils im ersten Lehrjahr.

Keinen Mangel an Lehrlingen hat beispielsweise das Unternehmen TuK – Tief- und Kulturbau GmbH mit Sitz in Schwerin. „Aber damit sind wir wohl eine Ausnahme“, sagt TuK-Geschäftsführer Thomas Maync. Insgesamt beschäftige das Bauunternehmen knapp 100 Mitarbeiter, darunter seien 15 Auszubildende.

Beschäftigte kehren nach MV zurück

Auch Heimkehrer klopfen bei TuK an. „Wir haben jetzt einen Mitarbeiter eingestellt, der bei uns gelernt und danach 20 Jahre lang in Hamburg Fahrräder verkauft hat“, erklärt Maync. Nun habe es den Mitarbeiter zurück in die Heimat gezogen, aus persönlichen Gründen. „Und weil er wieder eine Perspektive für den Bauberuf sieht.“

Viele andere Betriebe haben jedoch Probleme, ihre offenen Stellen zu besetzen. Um den Fachkräftemangel zu beheben, müsse man „die Tarifbindung im Baugewerbe wiederherstellen“, betont der stellvertretende Leiter der Gewerkschaft IG Bau für die Region Nord, Dirk Johne.

Gewerkschaft fordert zweiten Mindestlohn

Für Beschäftigte ohne Tarif gebe es in MV meist nur den Bau-Mindestlohn Ost in Höhe von 12,20 Euro pro Stunde. Die Gewerkschaft fordert daher, dass für die neuen Bundesländer ein zweiter Mindestlohn für Facharbeitertätigkeiten in Höhe von 15,20 Euro eingeführt wird, wie er in Westdeutschland bereits gilt. „Für die Werbung um neue Mitarbeitern ist der Mindestlohn Ost nicht gerade attraktiv“, sagt der Gewerkschafter.

Mehr Aufträge für Wohnungsbau

Knapp 40 Prozent mehr Aufträge verzeichnet der Wohnungsbau in Mecklenburg-Vorpommern im ersten Halbjahr 2019 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der öffentliche Bau legte bei Aufträgen um 18 Prozent, der Wirtschaftsbau um vier Prozent zu. Diese Angaben des Statistik-Amts MV beziehen sich auf Betriebe mit mehr als 20 Mitarbeitern.

„Der Mindestlohn spielt für uns keine Rolle“, sagt TuK-Geschäftsführer Maync, der sich im Bauverband als Vizepräsident engagiert. Das Unternehmen bezahle die Beschäftigten nach seinen Worten „deutlich über dem Mindestlohn“. Auch die Auftragsbücher seien gut gefüllt. Gerade habe TuK beispielsweise den Innenhof des Schweriner Schlosses nach historischen Vorgaben gepflastert. Auch an der Erschließung der Hamburger Hafen-City waren die Schweriner beteiligt.

Der Bauverband MV erwartet von Politik und Auftraggebern, „dass Investitionen mittel- und langfristig vorbereitet werden“, betont Geschäftsführer Schnell. Damit „vorhandene Gelder auch in Aufträge umgesetzt werden, ist es erforderlich, frühzeitig und konzentriert zu planen und zu bauen“. Investitionsstaus gebe es in MV in vielen Bereichen, von der Verkehrsinfrastruktur über Schulen und Kindergärten bis Universitäten.

Von Axel Meyer

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