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MV aktuell „Es ist brutal“ – Landwirtin aus Woldegk über trockene Felder und Boden wie Beton
Nachrichten MV aktuell „Es ist brutal“ – Landwirtin aus Woldegk über trockene Felder und Boden wie Beton
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20:32 11.07.2019
Die Gerstenernte fällt trotz der Trockenheit noch relativ gut aus – bei anderen Kulturen sieht es nicht so gut aus. Quelle: Philipp Schulze/dpa
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Woldegk

Ohne einen Wasserwagen zum Löschen lässt Christa-Maria Wendig ihre Mitarbeiter gar nicht auf die Felder: „Es ist so trocken wie im vergangenen Jahr, es ist brutal“, sagt die Geschäftsführerin der Landbetriebsgesellschaft Rehberg in Woldegk (Mecklenburgische Seenplatte).

Das Regendefizit von 300 Litern pro Quadratmeter mache sich bemerkbar. „Der Boden ist wie Beton, wir kommen gar nicht mit dem Bodenmeißel rein, um die Fahrgassen zu ziehen. Der Staub wird in Fontänen aufgewirbelt, so dass man den Mähdrescher gar nicht sehen kann.“

30 Prozent weniger Saaterbsen

Derzeit läuft die Ernte der Gerste – später als üblich: „Wegen der Trockenheit seit der Aussaat ist sie nur verzögert gereift“, sagt Wendig. Um an Wasser zu kommen, habe die Gerste starke Wurzeln ausgebildet, das habe sie gerettet. „Für diese Bedingungen sind wir mit der Ernte sehr zufrieden.“

Doch für andere Kulturen werde das wohl nicht gelten. „Als nächstes kommt das Erbsensaatgut. Die Schoten sind wegen des Wassermangels regelrecht verkümmert“, erklärt Wendig. Sie rechnet mit 30 Prozent Einbußen. Nächste Woche folgt der Weizen, auch er macht Wendig Sorgen: „Er ist in der Hitzeperiode sehr schnell gereift, so dass er nicht voll entwickelt ist.“ Wie hoch der Schaden hier ist, lasse sich noch nicht abschätzen.

Zuckerrüben verfaulen oder vertrocknen

Und auch die Zuckerrüben zeigen bereits Trockenschäden. „Sie sind von der Wintersaateule befallen, einem Schädling, der nur in Trockenperioden auftritt.“ Die Raupen des Falters fressen regelrechte Löcher in die Früchte, die daraufhin verfaulen oder austrocknen. „Ich rechne mit zehn Prozent Ernteausfall“, so Wendig.

Das Erntejahr hatte schon schlecht begonnen: „Der Raps hat seit der Aussaat extrem unter der Trockenheit gelitten und ist teilweise gar nicht gewachsen.“ Im Herbst hatte Wendig daher schon große Flächen umbrechen und neu aussäen müssen, im Frühjahr dann erneut. Insgesamt fiel so die Hälfte des erhofften Ertrages weg.

Verständnis bei Handelspartnern

Die Schäden bleiben für das Unternehmen nicht ohne Folgen: „Man muss sehen, wie man über die Runden kommt“, sagt die Chefin. „Zum Glück zeigen unsere Handelspartner Verständnis und geben auch mal Zahlungsaufschub. Die Banken sind leider nicht so großzügig.“ Ein Teil der Ausfälle im Anbau könne durch den Betrieb einer Biogasanlage – als zweites Standbein des Betriebs – ausgeglichen werden. „Wenn wir die Anlage nicht hätten, würden wir kein weiteres trockenes Jahr durchstehen“, sagt Wendig.

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Axel Büssem