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MV aktuell Trotz Klimawandel: Warum in MV so viele Bäume wie nie gefällt werden
Nachrichten MV aktuell Trotz Klimawandel: Warum in MV so viele Bäume wie nie gefällt werden
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16:20 09.11.2019
Der Rostocker Forstamtsleiter Jörg Harmuth steht an einer Fichte, die von Borkenkäfern befallen wurde. Die Käfer sind ein Grund für den massiven Preisverfall bei Holz aus MV. Quelle: André Horn
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Rostock

Forscher sind sich einig: Um die schlimmsten Folgen des Klimawandels zu verhindern, muss mehr Wald gepflanzt werden. Allein in MV die doppelte Fläche von Rügen. Doch statt mehr Wald gibt es im Nordosten erstmal deutlich weniger: Die Forstämter in MV werden 2019 so viele Bäume wie seit Jahren nicht mehr fällen. Schuld sind Käfer, Klima und Konjunktur.

>>> Mehr zum Thema: Heizen mit Holz: Tipps vom Selbstschlagen bis zum Verbrennen in MV

Die Preise für Holz sind aber im Keller. Vor allem für Fichten. Dem Land und auch der Hansestadt Rostock entgehen Millionen. Der Kahlschlag ist aus Sicht der Förster aber eine Chance, die Wälder neu aufzuforsten – mit Baumarten, die dem Klimawandel trotzen können.

Problem-Baum Fichte

„Die Fichte bereitet uns die größten Probleme“, sagt Sven Ahrens. Im Rostocker Stadtforstamt ist er für den Holz-Verkauf verantwortlich. Die Trockenheit der vergangenen beiden Jahre und auch Borkenkäfer hätten den Beständen arg zugesetzt. „Wir fällen deshalb unwahrscheinlich große Mengen.“ Weil das in anderen Regionen –vor allem in Süddeutschland – aber auch der Fall ist, sinken die Preise.

Ahrens: „Vergangenes Jahr haben wir für Stammholz noch 90 bis 100 Euro je Festmeter bekommen. Heute sind es gerade mal 50 Euro.“ Denn oft ist das Holz aus der Rostocker Heide – Deutschlands größtem Küstenwald – so trocken, dass es nur noch für Spanplatten verwendet werden kann. „Dann bekommen wir um die 25 Euro.“

Beim Laubholz sehe die Lage etwas besser aus. Bis zu 15 000 Festmeter darf allein das Rostocker Forstamt pro Jahr schlagen. Zuletzt brachte das der Stadtkasse mehr als eine halbe Million Euro ein. „Davon werden wir dieses Jahr weit entfernt sein“, fürchtet Ahrens.

Süddeutschland „überschwemmt“ den Markt

Rund eine halbe Million Hektar Wald gibt es in MV. Mehr als ein Drittel davon gehören dem Land. Auch dort blicken die Verantwortlichen mit Sorge auf die diesjährige Holz-Ernte: „Im Schnitt ernten wir 900 000 Festmeter pro Jahr, dieses Jahr werden es deutlich mehr sein –mindestens 950 000 Festmeter“, sagt Carsten Küsel, Verkaufschef der Landesforstanstalt.

Los wird er die Bäume in jedem Fall: „Wir haben in Wismar und in Heiligengrabe Betriebe, die riesige Mengen Holz verarbeiten.“ In Heiligengrabe (Brandenburg) werden Spanplatten und Laminatböden hergestellt, in Wismar unter anderem Pellets zum Heizen. „Die brauchen mehr Holz, als MV liefern kann.“

Küsel rechnet damit, dass die Preise aller Arten über zehn Prozent unter dem Vorjahr liegen werden. „Und jedes Prozent tut uns weh.“ Mehr als 40 Millionen Euro verdient die Landesforstanstalt pro Jahr mit dem Holzverkauf. In diesem Jahr werden es um die vier Millionen Euro weniger sein. „Wir müssen an unsere Rücklagen aus guten Jahren.“

MV forstet neu auf

„Wir forsten alle Flächen aber neu auf. Dazu sind wir verpflichtet“, sagt Berndhard von Finckenstein, Leiter des Forstamtes Billenhagen. „Der Wald wird eine Schlüsselrolle beim Klimaschutz spielen.“ Deshalb wolle MV mehr Bäume pflanzen: „Arten, die extreme Trockenperioden besser überstehen, zum Beispiel. Roteichen, Douglasien, Kiefern.“ Heimische Arten hingegen seien weniger gut angepasst – und würden zunehmend weniger gepflanzt.

Förster von Finckenstein wirbt dafür, das Holz stärker zu nutzen – als Baustoff und auch – statt fossiler Brennstoffe – als Brennmaterial. „Nur wenn wir Forstwirtschaft betreiben, können wir effektiv einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.“

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