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MV aktuell Trotz Traumkulissen: Wenig Geld für Filme in MV
Nachrichten MV aktuell Trotz Traumkulissen: Wenig Geld für Filme in MV
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19:30 30.07.2019
Beliebtes Format aus MV: Der Rostocker Polizeiruf mit den Hauptdarstellern Charly Hübner und Anneke Kim Sarnau alias Alexander Bukow und Katrin König – hier in einer Drehpause im Rostocker Stadthafen. Quelle: OVE ARSCHOLL
Schwerin

„Soko Wismar“, „Polizeiruf“, „Usedom“-Krimi – und das war’s? Im Filmland MV mit seinen großartigen Naturkulissen sei noch viel mehr möglich, meinen Experten. Um das Potenzial zu nutzen, braucht es aber eine neue Förderpolitik. Pro Jahr gibt es 465 000 Euro Förderung vom Land. Viel zu wenig, meint die Landtagsabgeordnete Eva Maria Kröger (Die Linke).

„Wir haben im Vorfeld der Haushaltsverhandlungen immer wieder darauf hingewiesen, dass das Land sich in puncto Filmförderung in einer knallharten Konkurrenzsituation befindet. Auch in den infrastrukturell und ökonomisch ähnlich aufgestellten Bundesländern sei die Förderung um ein Vielfaches höher“, betont Kröger.

Andere Bundesländer investieren Millionen in Filme

„Die Mitteldeutsche Filmförderung der Länder Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen reicht im Durchschnitt 15 Millionen Euro aus, in Brandenburg und Berlin wurden durch die öffentliche Hand im letzten Jahr 31,6 Millionen vergeben“, rechnet Kröger vor. „Im Vergleich dazu gibt sich Landesregierung von MV mit Fördermitteln im sechsstelligen Bereich viel zu knauserig.“ Auf Hunderte Jobs, die in der Branche entstehen könnten, und Landesmarketing in enormem Wert werde so leichtfertig verzichtet.

Mecklenburg-Vorpommern ist ein Filmland mit guter Tradition. Die Landesregierung engagiert sich seit Langem dafür, dass Filme und Geschichten erzählt werden, die mit dem Land verbunden sind“, sagt derweil Heiko Geue, Chef der Schweriner Staatskanzlei. „Ich freue mich daher, dass auch 2019 über die kulturelle Filmförderung hinaus zusätzliche Projekte unterstützt werden können.“

Von Krimi bis Liebesschnulze: Rostock, Wismar und Nordwestmecklenburg boten bereits etlichen Schauspielern die passende Kulisse.

MV besitzt Potenzial für Hunderte neue Jobs in der Filmbranche

Rund 20 Spielfilme werden pro Jahr in MV gedreht, darunter sind Produktionen wie „Soko Wismar“, „Stralsund-Krimi“ und „Usedom-Krimi“. In Summe sind das 200 Drehtage und rund eine Million Euro, die als Wertschöpfung im Land bleiben. Da ist deutlich mehr möglich. „Wir erwarten für den Herbst neue Signale aus der Schweriner Staatskanzlei“ sagt Marco Voß von der Film Commission MV. Voß verspricht sich von neuen Förderstrukturen auch langfristige Effekte, wie für Startups in der Filmbranche, und damit ebenfalls für Hunderte neue Arbeitsplätze in der Branche. Vorhandene Potenziale würden bislang nicht genutzt, an der Rostocker Hochschule für Musik und Theater und dem Institut für Neue Medien werden Fachleute ausgebildet, die oft in andere Regionen abwandern.

„Wenn MV in Zukunft konkurrieren will, müssen SPD und CDU endlich anfangen, die Filmbranche ernsthaft als Wirtschaftsfaktor zu begreifen“, fordert Eva Maria Kröger. „Meine Fraktion wird sie bei den Haushaltsverhandlungen für 2020/21 daran erinnern und eine deutliche Erhöhung der Filmförderung für die nächsten zwei Jahre fordern. Ansonsten bleibt MV Filmkulisse, statt endlich Filmland zu werden.“

Die Schweriner Staatskanzlei, Ansprechpartner für alle Fragen der Medienbranche an die Landesregierung, arbeitet seit 2017 an der Schaffung entsprechender neuer Filmförderstrukturen und hat dafür die Gesellschaft für Struktur- und Arbeitsmarktentwicklung (GSA) in Schwerin beauftragt, die Wirtschaftlichkeit einer solchen Institution zu überprüfen. Darauf warten die Filmschaffenden im Land schon lange. „Der Ball liegt in der Schweriner Staatskanzlei“, sagt Marco Voß. „Wenn wir neue Strukturen in der Filmförderung bekommen, dann kommen auch größere Partner wie der NDR und das ZDF ins Boot“, sagt er. Vom NDR wurde von hoher Stelle bereits eine entsprechende Bereitschaft signalisiert.

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Thorsten Czarkowski