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MV aktuell Fit in 2019: Sportparks unter freiem Himmel in MV
Nachrichten MV aktuell Fit in 2019: Sportparks unter freiem Himmel in MV
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06:00 26.01.2019
Akrobatische Einlage: OZ-Volontär Flemming Goldbecher probiert den Outdoor-Sportplatz an der Don-Bosco-Schule aus. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Die Gruppe der Mädchen, die sich neben dem Sportplatz an der Don-Bosco-Schule versammelt hat, scheint wenig beeindruckt, als Dennis Pelikan mit einigen Aufwärmübungen seine Muskulatur auf Spannung bringt. „Das kann ich auch“, prahlt eine von ihnen vorlaut vor ihren Freundinnen. Dann greift Pelikan zu den Turnringen. Ein kurzer Aufschwung und plötzlich steht er waagerecht in der Luft, steif wie ein Brett. Von den Mädchen ist nichts mehr zu hören. Während Pelikan sich in akrobatischer Manier zwischen den Ringen verbiegt, schauen sie nur noch gebannt zu.

Für ihn gehören solche Einlagen zur Normalität. Der Diplom-Fitnesstrainer nutzt für seinen Sport fast ausschließlich das eigene Körpergewicht. Klimmzüge, Liegestütze, Kniebeuge oder eben waghalsig anmutende Verrenkungen an Turnringen – das Eigengewichtstraining, in der Fitnessbranche oft Calisthenics genannt, bietet schier unendliche Variationen für jedes Trainingsziel.

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Den Fitnesspark in der Südstadt nutzt Pelikan zusammen mit dem Straßensportverein Rostock, den er 2014 gegründet hat. Der Platz sei der beste in Rostock, aber trotzdem nur bedingt geeignet für seinen Sport. „Auf einem richtigen Fitnessgelände gibt es viel mehr Raum und mehr Geräte zum trainieren“, sagt Pelikan. „Das ist eigentlich kein richtiger Fitnesspark.“ Er bezeichnet die Situation für Draußen-Sportler in MV als frustrierend. Während sich andere unter zahlreichen Fitnessstudios das beste rauspicken können, mangelt es ihnen an geeigneten Trainingsplätzen für ihren Sport.

Training auf Parkbänken und Spielplätzen

Oftmals müssen sie mit dem auskommen, was die Umgebung ihnen bietet, so wie Parkbänke oder Klettergerüste auf Spielplätzen. Rostock ist für Fitness-Begeisterte vergleichsweise ein Paradies: Ein ähnliches Areal wie das in der Südstadt steht im IGA-Park, ein kleineres am Warnowufer. Auf dem Gelände der Yachthafenresidenz lädt ein sogenannter Trimm-dich-Pfad mit zahlreichen Stationen zum Fithalten ein. Hier und da lassen sich zudem Spielplätze zweckentfremden, wie im Barnsdorfer Wald.

Im Rest des Landes erscheint die Situation nicht so rosig: In Stralsund im Stadtteil Viermorgen gibt es einen Trimm-dich-Pfad. Ein weiterer steht bei Greifswald in Lubmin am Kurpark. Im Martha Müller-Grählert-Park in Zingst auf dem Darß lädt ein Calisthenics-Gelände mit hochwertigen Gerüsten zu diversen Übungen ein. Eine kleinere Anlage, jedoch in sehr gutem Zustand, befindet sich nahe Rostock in Kühlungsborn in der Ostseeallee. Auch auf Usedom, in Zinnowitz, Heringsdorf und Ahlbeck, stehen einige Trainingsgerüste bereit.

Mehr Initiative der Städte gefragt

Dennoch kämen Städte wie Rostock den Sportlern kaum entgegen, moniert Pelikan. Dabei wird diese Art des Trainings immer beliebter. Der Verein Straßensport ist der beste Beweis dafür: Vor einigen Jahren gegründet, zählt er mittlerweile über 200 Mitglieder, Tendenz steigend. „Viele entwickeln ein Bewusstsein über die natürliche Seite des Menschen. Diese bildet unser Sport ab“, sagt Pelikan. Er beklagt zudem, dass sich die meisten Fitnessparks in MV eher an Rentner oder Kinder richteten. „Statt reine Spielplätze zu bauen, könnte man die Gerüste für Sportler anpassen und die Kinder hätten trotzdem einen Platz zum spielen“, schlägt der 32-Jährige vor. Ein solcher Mehrgenerationenspielplatz befindet sich zum Beispiel in Mönchhagen bei Rostock.

Rostocks Sportsenator Steffen Bockhahn hingegen ist überzeugt: „Wir haben überdurchschnittlich viele Plätze in unserer Stadt. Das sucht seinesgleichen.“ Zudem müsse immer zuerst der Pflichtteil abgedeckt werden, wie zum Beispiel Sportplätze an Schulen. Zwar glaube er auch, dass man einige Dinge verbessern könnte, aber bei der Konzipierung neuer Sportareale versuche man sich stets mit den Hauptnutzern zusammenzusetzen. „Ich bin immer für Vorschläge offen“, so Bockhahn. „Über die Realisierbarkeit neuer Projekte muss man dann reden.“

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