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MV aktuell Unimedizin Rostock: Fragwürdige Zahlungen an führende Mitarbeiter – darunter eine Ministerin
Nachrichten MV aktuell Unimedizin Rostock: Fragwürdige Zahlungen an führende Mitarbeiter – darunter eine Ministerin
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05:01 05.07.2019
Gebäude der Universitätsmedizin Rostock: Führende Mitarbeiter erhalten Extra-Geld für die Geschäftsführung von Tochterfirmen. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Rostock

Neue Aufregung um Finanzgebaren in der Universitätsmedizin Rostock (UMR): Vertreter aus der Führungsetage erhalten oder erhielten neben ihrer normalen Vergütung zusätzliches Geld für Posten in Tochtergesellschaften und Beteiligungen.

Prominenter Fall: Katy Hoffmeister, heute für die CDU Justizministerin des Landes, kassierte 2016 für zehn Monate Geschäftsführung der Medizinischen Versorgungszentrum gGmbH 19 800 Euro extra. Damals war sie Rechtsdezernentin der Unimedizin. „Äußerst fragwürdig“ findet dies Torsten Koplin, Gesundheitsexperte der Linken im Landtag. Zuletzt stand die Unimedizin wegen Einsparungen auf Kosten von Patienten in der Kritik.

Mitarbeiter erhielten 7200 bis 36000 Euro zusätzlich

Neun konkrete Fälle listet das Bildungsministerium auf eine Anfrage der Linken auf. So habe der Stabsstellenleiter für Recht an der UMR seit 2016 gut 36 000 Euro extra erhalten, weil er auch als Geschäftsführer des Medizinischen Versorgungszentrums fungiert. Gut 10 000 Euro seien an die Vize des Kaufmännischen Vorstands im Zeitraum seit 2018 für die Geschäftsführung einer Logistik-GmbH geflossen. Die UMR-Dezernentin für Finanzen habe für neun Monate im Jahre 2016 genau 5400 Euro extra erhalten – als Chefin einer UMR-Service-GmbH.

Andere Mitarbeiter bekamen zwischen 7200 und 16 000 Euro für Posten in einer GmbH. Schließlich Katy Hoffmeister, die im November 2016 Justizministerin wurde. Zuvor gab es für die damalige Rechtsdezernentin der UMR 19 800 Euro für die Geschäftsführung eines Tochterunternehmens on top. Nach OZ-Informationen verdiente Hoffmeister damals regulär rund 100 000 Euro jährlich. Das dementiert sie auf Anfrage nicht, will sich aber nicht zum Vorgang äußern, verweist an den Aufsichtsrat der Unimedizin.

Ministerium: Aufsichtsrat hat die Verträge abgesegnet

Der Aufsichtsrat habe die Praxis mit den Tochtergesellschaften abgesegnet, heißt es aus dem Bildungsministerium. „Bei den Vergütungen handelt es sich um zusätzliche Zahlungen zum Sockelgehalt“, so eine Sprecherin. Laut Landeshochschulgesetz könne die Unimedizin Tochterfirmen gründen und dort eigenes Personal zur Geschäftsführung einsetzen. „Für diese Mehrleistung werden die entsprechenden Personen zusätzlich bezahlt.“

Dafür habe der Aufsichtsrat Obergrenzen festgelegt: von 1200 Euro monatlich bei einer 100-prozentigen Tochterfirma und 600 Euro bei 50 oder 51 Prozent Beteiligung. Hoffmeister habe drei Gesellschaften geführt. Einige Verträge sähen „außertarifliche Vergütung“ vor, abgesegnet vom Aufsichtsrat. Harald Jeguschke, Kaufmännischer Vorstand der Unimedizin, bestätigt: Die Zahlungen erfolgten „zusätzlich zu den Grundvergütungen“ als „Teil der Gesamtvergütung“.

Damit rückt der Aufsichtsrat der Unimedizin erneut in den Fokus, der bereits wegen genehmigter Boni­zahlungen für Vorstände in der Kritik stand. Eine Folge: Sebastian Schröder (SPD), Bildungsstaatssekretär und Aufsichtsratschef, lässt seine Tätigkeiten ab Sommer für zwei Jahre ruhen. Offizielle Begründung: familiäre Verpflichtungen. Birgit Hesse (SPD), bis Mai zuständige Ministerin, ist jetzt Landtagspräsidentin.

Linker findet die Praxis „äußerst fragwürdig“

Torsten Koplin (Linke) reichen die Antworten nicht. Er wolle wissen: „Was qualifiziert diejenigen zu den Zahlungen?“ Das Netzwerk an Tochtergesellschaften mache ihn misstrauisch. Das liegt wohl auch an teils unvollständigen Auskünften. So bestätigt das Ministerium weitere Extras: Für eine UMR-Versorgungsstrukturen-GmbH sei zwei Mitarbeitern zeitweise Mietzuschuss bewilligt worden, ein Mitarbeiter des Projektes „Herz-Effekt“ habe einen Dienstwagen bewilligt bekommen, zwei weitere eine „erfolgs- und leistungsabhängige variable Vergütung“ von bis zu 10 000 Euro im Jahr. Konkreter sind die Angaben nicht.

Frank Pubantz

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