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MV aktuell Unser Weltmeister im Kino: Die fantastische Reise des Toni Kroos
Nachrichten MV aktuell Unser Weltmeister im Kino: Die fantastische Reise des Toni Kroos
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16:50 22.06.2019
Seine große Liebe: Im Juni 2015 heiratet Toni Kroos seine Jessica. Auch sie kommt im Film zu Wort. Quelle: Broadview Pictures
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Greifswald/Madrid

In Uli Hoeneß brodelt es. „Da hat er doch Glück gehabt, dass der Freistoß reingegangen ist! Den hätten wir zwei auch reingeschossen!“, blafft Bayerns Manager im Belgrader Marakana-Stadion einen Reporter an. Damals hatte ein gewisser Toni Kroos, 17 Jahre jung und erst kurz vor Schluss eingewechselt, mit seinem siegbringenden Freistoßtor in der Nachspielzeit erstmals auf internationaler Bühne für Furore gesorgt.

Mehr als ein Jahrzehnt nach Hoeneß’ poltrigem Versuch, das Supertalent beim FC Bayern vor (zu) frühem Ruhm zu schützen, ist der gebürtige Greifswalder einer der erfolgreichsten deutschen Fußballer aller Zeiten. Der Dokumentarfilm „Kroos“ zeigt die fantastische Reise des Iceman, so nennen ihn wegen seiner Coolness und Nervenstärke die Mitspieler bei Real Madrid, und liefert einige persönliche Einblicke in das Leben des zurückhaltenden Fußballstars. Der Film ist eine 113-minütige Hommage an Kroos, den außergewöhnlichen Fußballer, den leidenschaftlichen Familienmenschen und den eigenständigen Charakter, der mit dem glamourösen Fußballbusiness erkennbar fremdelt.

Ausschnitte aus dem Kinofilm und Stationen der Karriere des Fußballers Toni Kroos

„Eine Welt, die nicht normal ist“

„Ich weiß, dass ich in einer Welt lebe, die nicht normal ist“, sagt der Hauptdarsteller und bestätigt gleichzeitig Klischees, die den millionenschweren Superstars des internationalen Fußballs anhaften: Fast jeder Handgriff wird den Edel-Kickern anscheinend abgenommen, nahezu jeder Schritt gezeigt, wenn sie sich außerhalb ihres natürlichen Lebensraumes, dem Rasen, bewegen. So lässt sich Kroos nach einem Spiel, begleitet von einer Polizei-Eskorte, zum Privatflieger chauffieren, um so schnell wie möglich wieder zu Hause in einem Madrider Nobelviertel zu sein: bei seiner Familie, Ehefrau Jessica und seinen damals noch zwei Kindern Leon und Amelie (seit der Geburt von Fin im März sind es drei). „Jede Stunde ist es wert, nachts durch die Gegend zu fliegen, um so schnell wie möglich zu Hause zu sein“, erklärt der 29-Jährige, der als einziger deutscher Spieler vier Mal die Champions League gewonnen hat und 2014 in Brasilien Weltmeister wurde.

Eine Szene aus der Umkleidekabine der deutschen Mannschaft nach dem Triumph von Rio sagt viel über den Menschen Toni Kroos aus. Die frischgebackenen Weltmeister nehmen Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel für ein Foto in die Mitte. Das Besondere des Bildes bleibt beim ersten Blick verborgen: Abseits, ganz am Rand und kaum zu sehen, sitzt einer der Weltmeister allein auf der Bank und öffnet seine Schuhe: Toni Kroos. „Ich muss bei Feierlichkeiten nicht im Mittelpunkt sein“, erklärt der Fußballer und gibt damit viel über seinen Charakter preis. „Er ist introvertiert, ruhig, in sich gekehrt, nicht gleich so überschwänglich und aus sich herauskommend“, sagt seine Mutter Birgit.

Familienmensch und Titelsammler

Geboren: 4. Januar 1990 in Greifswald.Familie: Ehefrau Jessica (verheiratet seit 2015), Kinder Leon (*2013), Amelie (*2016) und Fin (*2019). Vater Roland Kroos arbeitete u.a. als Nachwuchstrainer bei Hansa Rostock, heute trainiert er Oberligist Greifswalder FC. Mutter Birgit Kroos ist Lehrerin in Rostock.

Stationen als Spieler: Greifswalder SC (bis 2002), Hansa Rostock (2002-06), Bayern München (2006-09), Bayer Leverkusen (2009/10), Bayern München (2010-14), Real Madrid (seit 2014). Länderspiele: 92 (damit aktuell auf Platz 20 in der deutschen Rangliste).Größte Erfolge: Weltmeister 2014; Champions-League-Sieger 2013, 2016, 2017, 2018; Spanischer Meister 2017; Deutscher Meister 2008, 2013, 2014; DFB-Pokalsieger 2008, 2013, 2014; Fußballer des Jahres 2018.Soziales Engagement: 2015 gründete er die „Toni Kroos Stiftung“. Ihr Ziel ist es, gesundheitlich stark beeinträchtigte Kinder und Jugendliche sowie deren Familien zu helfen.

Sternstunden und Tiefpunkte

Natürlich zeigt der Film auch die bekannten, oft gezeigten Bilder seiner großen Karriere, die jeden Fußballliebhaber berühren: Sein 2:1-Siegtor in der WM-Vorrunde 2018 gegen Schweden, das epochale 7:1 im Halbfinale 2014 gegen Brasilien mit einem herausragenden Kroos. Sternstunden, aber auch Tiefpunkte – wie die Niederlage der Bayern im „Finale dahoam“ gegen Chelsea, als Münchens junger Mittelfeldstratege zum Sündenbock gemacht wird. Es gibt interessante Blicke hinter die Kulissen, in den Backstage-Bereich des großen Ballbusiness’. Etwa wenn Kroos in der Geschäftsstelle von Real Madrid einen Vertrag unterzeichnet oder auf dem Flur eines Luxushotels mal eben Diego Maradona trifft.

Zahlreiche Fußball-Ikonen kommen zu Wort, wie Real-Trainer Zinedine Zidane, Kroos’ Ziehvater Jupp Heynckes, Pep Guardiola, Matthias Sammer, Mitspieler wie Luka Modric und Sergio Ramos, Real-Präsident Florentino Pérez, TV-Kommentator Marcel Reif oder Popstar Robbie Williams, der ein glühender Fan des Deutschen ist. Sie alle versuchen, das Phänomen Kroos zu erklären. Besonders gut gelingt dies dem Philosophen Wolfram Eilenberger. Er sagt: „Seine besondere Fähigkeit besteht darin, das Spiel zu sehen, früher zu sehen, klarer zu sehen und anders zu sehen als die anderen.“

Das Plakat zum Kinofilm Quelle: Film-Verleiher

Liebeslied für Ehefrau Jessica

Die Spanier respektieren Reals Taktgeber, aber sie können „nicht sagen, was für ein Mensch Toni Kroos ist“, lässt Regisseur Manfred Oldenburg einen spanischen Journalisten erzählen und gibt dem Zuschauer durch Einblicke in das private Leben des Fußballstars dann doch eine zumindest sehr konkrete Idee davon. So sei der vermeintliche Iceman tatsächlich ein „sehr emotionaler Mensch“, der Mauern um sich baue, um dies nicht jedem preiszugeben, erklärt seine sehr geerdete Ehefrau Jessica.

Private Aufnahmen von ihrer Hochzeit zeigen dann auch einen Toni Kroos, wie ihn seine Millionen Fans und Follower in den sozialen Netzwerken noch nie gesehen haben: Zusammen mit Pur-Frontmann Hartmut Engler singt ein sehr gerührter Bräutigam seiner Braut ein Liebeslied.

Oma mag Tonis Tattoos nicht

Immer wenn es privat wird, ist diese Sportler-Doku besonders sehenswert. Etwa wenn Opa Heinz und Oma Gudrun, die Tonis Tattoos überhaupt nicht mag, vor ihrer Laube in der Greifswalder „Gartensparte Erlenaue“ sitzen und von ihrem berühmten Enkel erzählen. Wenn Vater Roland Kroos als Trainer des Greifswalder FC schneidig und laut seine Spieler antreibt, bekommt der Zuschauer eine Vorstellung davon, wie es ausgesehen haben mag, als Toni und sein jüngerer Bruder Felix in frühen Jahren in Richtung Profifußball getrimmt wurden. „Rückblickend war es ein bisschen zu viel“, urteilt Toni Kroos: „Auf Papa-Sohn-Ebene ist ein bisschen was auf der Strecke geblieben.“ Als 16-Jähriger verließ er Hansa Rostock in Richtung München, um die Fußballwelt zu erobern.

Der Anfang seines Weges war steinig. Bei den Bayern wurde das Ausnahmetalent zunächst ein wenig verkannt und am Ende auch nicht glücklich. Seine Vertragsverlängerung 2011 habe er „zehn Minuten später wieder bereut“, verrät Kroos. Drei Jahre danach ließen die Bayern ihn dann gegen den Willen von Trainer Pep Guardiola nach Madrid ziehen. „Ein Verein muss manchmal harte Entscheidungen treffen“, sagt Uli Hoeneß. „Das war eine harte, vielleicht die falsche.“ Für Toni Kroos war sie goldrichtig.

Premiere in Anwesenheit von Toni Kroos und seiner Familie am 30. Juni in Köln. Regulärer Kinostart, auch in den Filmtheatern in MV, ist am 4. Juli.

Weiterlesen:
Bruder Felix und Vater Roland: Heißer Draht zu Toni Kroos

Sönke Fröbe

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