Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell „Unsere humanitäre Pflicht“: Warum MV Corona-Patienten aus Italien aufnimmt
Nachrichten MV aktuell

„Unsere humanitäre Pflicht“: Warum MV Corona-Patienten aus Italien aufnimmt

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
19:26 26.03.2020
Eine Maschine der italienischen Luftwaffe mit zwei schwer kranken Covid-19-Patienten an Bord landet auf dem Flughafen Leipzig/Halle. Auch MV will nun Patienten aus Italien aufnehmen. Quelle: Peter Endig/dpa
Anzeige
Rostock

Kein Land ist bisher von der Corona-Pandemie so schwer betroffen wie Italien: Mehr als 75 000 Menschen sind dort bereits infiziert, fast 7500 erlagen den schweren Symptomen.

Nun will MV helfen: Die Landesregierung in Schwerin folgt dem Vorbild anderer Bundesländer und will Schwerkranke aus Italien in den Kliniken des Landes behandeln lassen. Bereits am Wochenende sollen nach OZ-Informationen sechs Patienten eingeflogen werden.

„Helfen ist unsere Pflicht“

Die italienische Regierung hatte sich schon vor Tagen mit einem Hilfeersuchen an das Auswärtige Amt in Berlin gewandt. Die Kliniken in dem südeuropäischen Land sind mit der aktuellen Lage überfordert, es gibt nicht genügend Intensivbetten für die vielen Schwerkranken.

„Es ist unsere Pflicht, auch in der eigenen Krise anderen Menschen zu helfen“, sagt Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). Die Landesregierung habe daher einer „persönlichen Bitte“ von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) entsprochen, sechs Covid-19-Patienten aus Italien in MV zu behandeln.

Kommentar: Es geht nur gemeinsam gegen das Coronavirus

Sie sprach von einer „humanitären Hilfsaktion“, an der sich auch Mecklenburg-Vorpommern beteiligen wolle und müsse. „In solchen Zeiten zeigt sich der Charakter einer Gesellschaft“, so die Regierungschefin.

Kliniken sind vorbereitet

Bereits am Mittwoch hatte Schwesig mit den Chefs der Uni-Kliniken in Rostock und Greifswald sowie der Helios-Klinik in Schwerin über die Aufnahme italienischer Patienten beraten. Die Mediziner hätten ausdrücklich dazu geraten, jetzt zu helfen.

In MV stünden aktuell mehr als 500 Intensivbetten zur Verfügung, nur wenige seien belegt. Im Notfall könnten sogar mehr als 800 Betten bereitgestellt werden. Die Corona-Pandemie nehme aber „zum Glück in MV bisher nicht so einen schweren Verlauf“, so Schwesig. „Wir haben deshalb ausreichend Kapazitäten, um die eigene Bevölkerung zu versorgen und anderen zu helfen – ohne die Menschen im Land zu gefährden.“

Die Covid-19-Erkrankten sollen auf die drei Krankenhäuser verteilt werden. Sie werden nach den bisherigen Planungen in Rostock-Laage an Bord einer italienischen Militärmaschine landen. Stand jetzt sollen die Patienten aus dem Großraum Rom stammen.

Ärzte wollen lernen

Auch Prof. Dr. Christian Schmidt, Ärztlicher Vorstand der Uni-Medizin Rostock, begrüßt die Hilfe: „Das ist ein Gebot der Menschlichkeit“, sagt er. „In dieser Krise müssen wir in Europa zusammenhalten und uns gegenseitig unterstützen.“ Für die Ärzte sei die Behandlung zudem die Chance, neue Erfahrungen und Erkenntnisse über das Coronavirus zu gewinnen.

Prof. Dr. Klaus Hahnenkamp, Leiter des Krisenstabs der Universitätsmedizin Greifswald, ergänzt: „Wir haben uns akribisch auf die Covid-19-Pandemie vorbereitet und Intensivbetten aufgebaut. Diese Betten sind noch leer und stehen zur Verfügung. Daher ist es für uns völlig selbstverständlich, dass wir denjenigen helfen, die in Lebensgefahr sind und diese Betten jetzt brauchen!“

Schwesig gegen schnelle Lockerungen

Indes hat sich Ministerpräsidentin Schwesig gegen eine voreilige Lockerung der Einschränkungen im öffentlichen Leben ausgesprochen. Mediziner beider Uni-Kliniken hatten in Aussicht gestellt, dass möglicherweise schon Ende nächster Woche darüber diskutiert werden könne – wenn die Fallzahlen weiter nur leicht steigen. Erst nach Ostern wollen die Ministerpräsidenten der Länder mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über die aktuelle Lage neu entscheiden, so Schwesig.

„Die Maßnahmen wirken. Aber für eine Entwarnung ist es zu früh“, sagt sie. Insgesamt seien bisher mehr als 11 500 Menschen in MV auf das Coronavirus getestet worden. Aktuell melden die Landesbehörden 265 Infizierte. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir gut durch diese Krise kommen können“, so Schwesig.

11 000 Anträge auf Hilfen vom Land

Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) gab bekannt, dass bereits 10 000 Anträge auf Soforthilfen des Landes beim Landesförderinstitut eingegangen seien. An die ersten Unternehmen und Selbstständigen sei bereits am Donnerstag überwiesen worden.

Mehr zum Thema:

Von Andreas Meyer

Mehrbettzimmer, gemeinsame Sanitäranlagen, Schlangen bei der Essensausgabe: Geflüchtete sind besonder Corona-gefährdet. In der Erstaufnahme des Landes in Schwerin-Stern Buchholz haben sich bereits 19 Menschen angesteckt. Auch in Norstorf/Horst gab es Infektionen. Caffier weist die Kritik zurück.

26.03.2020

Am Donnerstag ist die Zahl der Corona-Infizierten in Mecklenburg-Vorpommern auf 261 angestiegen. 16 Patienten werden laut Landesregierung in Krankenhäusern des Landes behandelt.

26.03.2020

Die digitale Wissensvermittlung soll auch an den Hochschulen in Mecklenburg-Vorpommern eingesetzt werden, betont Bildungsministerin Bettina Martin. Sie fordert in einem Schreiben Professoren und Rektoren auf Maßnahmen zu ergreifen.

26.03.2020