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MV aktuell Unter 200 Borreliose-Fälle trotz Zecken-Rekordjahr in MV
Nachrichten MV aktuell Unter 200 Borreliose-Fälle trotz Zecken-Rekordjahr in MV
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18:28 24.06.2019
Die Borreliose wird durch ein Bakterium hervorgerufen, das sich im Darm der Zecken vermehrt. Beim Zeckenstich gelangt es mit den Sekreten der Zecke in den Körper des Menschen. 7 Prozent der Zecken in MV sind befallen.
Die Borreliose wird durch ein Bakterium hervorgerufen, das sich im Darm der Zecken vermehrt. Beim Zeckenstich gelangt es mit den Sekreten der Zecke in den Körper des Menschen. 7 Prozent der Zecken in MV sind befallen. Quelle: Patrick Pleul/dpa
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Schwerin/Rostock

Die Zahl der gemeldeten Borreliose-Fälle in Mecklenburg-Vorpommern bleibt auch in diesem Jahr auf einem hohen Niveau: Wie das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) mitteilt, wurden bis zum 16. Juni 194 Borreliose-Infektionen gemeldet. „Die Zahl der Meldungen liegt aber hinter den Werten der Vorjahre“, sagt Anja Neutzling, Pressesprecherin des Lagus. 2018 waren nämlich zum gleichen Zeitpunkt 223 Borreliose-Infektionen und 2017 wurden Mitte Juni sogar 233 Erkrankungen gemeldet.

Die Infektionsrate spiegelt nicht das Zecken-Rekordjahr wider, das für den Nordosten beschworen wurde. Emil Reisinger, Infektiologe der Universitätsmedizin Rostock, rechnete Anfang des Monats damit, dass sich nach dem heißen Sommer 2018 und dem darauffolgenden warmen Winter die Zecken in Mecklenburg-Vorpommern weiter ausbreiten. Er ging davon aus, dass sich dementsprechend auch die Zahl der Krankheitsfälle erhöht.

7 Prozent der Zecken in MV mit Borrelien befallen

Die Borreliose wird durch ein Bakterium hervorgerufen, das sich im Darm der Zecken vermehrt. Beim Zeckenstich gelangt es mit den Sekreten der Zecke in den Körper des Menschen. 5 bis 60 Prozent der Zecken sind in Deutschland von Borrelien befallen, im Süden häufiger als im Norden. In MV sind es etwa 7 Prozent.

Wer an Borreliose erkrankt, kann unterschiedliche Symptome aufweisen. Zu den frühen Symptomen gehört unter anderem die Wanderröte, die innerhalb von einigen Tagen bis vier Wochen auftritt. Auch die akute Neuroborreliose, die sich nach drei bis sechs Wochen bemerkbar macht, gehört dazu. Häufig treten dann Gesichtslähmungen und Lähmungen der Augenbeweglichkeit auf. Auch Arm- und Beinmuskeln könnten betroffen sein – je nachdem, welche Nervenwurzeln mit Borrelien infiziert sind. Besonders qualvoll sei ein Befall der Nervenwurzeln im Bereich des Rückenmarks.

Krankheit wird oft nicht erkannt und anerkannt

Um mit der schmerzhaften Krankheit besser umzugehen, hat sich in Rostock eine Selbsthilfegruppe gegründet. Ziel dieser ist es, sich über Ärzte, Diagnose, Therapie und alles, was einem weiterhelfen könnte, auszutauschen, Klarheit und Besserung zu finden. „Leider wird die Krankheit verbreitet nicht erkannt, unterschätzt und deshalb nicht anerkannt“, sagt Gründer Marco Frunzek. Die Diagnostik sei unzuverlässig, nicht alle Ärzte ihr gegenüber aufgeschlossen. „Da die Krankheit fast schon ein Politikum ist, haben es Betroffene schwer, Anlaufstellen zu finden“, erklärt er weiter.

Die Gruppe trifft sich regelmäßig am zweiten Dienstag des Monats um 19 Uhr im Essenraum der Waldorfschule Rostock in der Feldstraße 48a. Es ist die einzige Selbsthilfegruppe zum Thema Borreliose im Land. An den Treffen der Gruppe nehmen regelmäßig sieben bis zehn Personen teil. „Meine Entscheidung, die Gruppe zu gründen, basierte auf meiner Erfahrung mit der SHG in Hannover, die mir sehr beim Verstehen und der Therapie der Krankheit geholfen hat“, sagt Frunzek. Die Gruppenmitglieder geben einander Halt, denn oftmals fehle es auch im privaten und beruflichen Umfeld für Verständnis. „Die statistisch gesehen häufigste Todesursache von Menschen mit Borreliose soll gemäß der Literatur Selbstmord sein“, betont Frunzek.

Bei Entzündungen eines Zeckenstichs zum Arzt

Da noch kein Impfstoff gegen Borreliose entwickelt wurde, ist der beste Schutz die Vermeidung eines Zeckenstichs, teilt Anja Neutzling vom Lagus weiter mit. Bei Spaziergängen im Wald sollen deshalb die Wege benutzt und dichtes Unterholz, Gebüsch sowie hohes Gras gemieden werden. Auch das Tragen heller, geschlossener Kleidung ist ein Tipp. Sollte es dennoch einer Zecke gelungen sein, sich festzusetzen, sollte sie so bald wie möglich entfernt werden, wodurch das Infektionsrisiko reduziert oder sogar komplett verhindert werden kann. Die Übertragung von Borrelien beträgt mindestens 12 bis 24 Stunden.

Ein Arzt ist unbedingt aufzusuchen, wenn es zu Entzündungen an der Stichstelle kommt oder sich eine ring- oder flächenförmige Rötung um den Zeckenstich bildet, heißt es weiter vom Lagus. Patienten, die im Frühstadium mit geeigneten Antibiotika behandelt werden, erholen sich in der Regel rasch und vollständig.

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