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Unterwegs mit dem einzigen Frachtschiff aus MV mit deutscher Flagge

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16:00 23.12.2019
Unterwegs mit der "Fredo": Kapitän Bernd Blanck auf Brückenwache. Quelle: Peer Schmidt-Walther
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Rostock/Oldenburg

„Kümonauten“ nennen sie sich, die beiden Kapitäne Willem und Bernd Blanck. Mit ihrem 1829-Tonnen-Küstenmotorschiff pendeln sie wöchentlich zwischen Nord- und Ostsee. Hin und wieder auch in den Heimathafen Stralsund. 1575 Tonnen Rapsschrot aus der Rostocker Ölmühle hat MS „Fredo“ im Laderaum. Das Abfallprodukt ist als Futtermittelzusatz sehr begehrt.

„Für uns“, freuen sich die Blancks, „ist das braunes Gold und eine sichere Bank“. Bei vier Reisen pro Monat macht das rund 50 000 Tonnen im Jahr. Dafür wären 2000 Lkw notwendig – inklusive Abgasbelastung.

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Lange Ladezeiten in Rostock

Bernd Blanck, Eigner, Kapitän und Maschinist in Personalunion wie sein gerade urlaubender Bruder, ist dennoch nicht zufrieden: „Das Laden hier hat mal wieder viel zu lange gedauert.“ Obwohl „Fredo“ ein alter und häufiger Kunde ist. Drei andere Frachter hatten Vorrang, blockierten die einzige Verladeanlage. „Die dann auch noch ihren Betrieb eingestellt hat, weil Wind und Regen zu stark waren“, ärgert sich Blanck.

"Fredo" lädt Rapsschrot im Hafen Rostock Quelle: Peer Schmidt-Walther

Persönlich sei das ein Verlust, denn habe er kein freies Wochenende. Aber das sei in der Seefahrt ein Luxusproblem. Andererseits sei die Wartezeit für Reparaturen genutzt worden. Der Kapitän habe sich mit Papierkram herumschlagen müssen, der mittlerweile zwei Drittel der Arbeitszeit ausmache. Leicht an der meterlangen Ordnerreihe im Brückenregal abzulesen. Trotz Computerunterstützung. „Das versteht keiner“, schüttelt er den Kopf.

Zwölf Stunden hat das Laden gedauert. 150 Tonnen pro Stunde. In Hamburg schaffe die Anlage 300, in Amsterdam sogar 1000. Das spart erheblich Zeit, Sprit und Geld.

Vieh braucht rund um die Uhr Futter

Klar vorn und achtern! Beginn der 43. Reise in diesem Jahr. Nach vier Tagen Wartezeit im Seehafen schrumpft die Silhouette von Warnemünde im Kielwasser des Seekanals. Die Ostsee gibt sich ruppig, als sich der 83-Meter-Frachter auf den Weg nach Oldenburg in Oldenburg macht, wo am Montag früh gelöscht werden soll. „Vieh muss rund um die Uhr gefüttert werden“, erklärt Bernd Blanck.

Rund 241 Seemeilen liegen vor der „Fredo“, die im günstigsten Fall in 31 Stunden geschafft werden können. Das Risiko – Nord-Ostsee-Kanal, Wind, Wellen, Strom, Tide – fährt dabei immer mit. Captains Dinner in der kleinen Messe: Don, einer der drei philippinischen Matrosen, hat das Abendbrot serviert.

MS "Fredo" Quelle: Peer Schmidt Walther

Mit 700 PS unterwegs

Der 700-PS-Diesel grummelt. „Fredo“ nähert sich der schleswig-holsteinischen Küste. Der Erste Steuermann Kevin Oltmanns fährt den Küstenfrachter, während der Kapitän vor der langen Kanal-Nacht ruht.

Die Lotsenübernahme bei Kiel Leuchtfeuer entfällt, denn beide Blancks haben sich nach vielen Nord-Ostsee-Kanal-Passagen – insgesamt über 2000 pro Kapitän – samt Prüfung frei gefahren.

Durch den „Graben“ nach Westen

Die Holtenauer Schleuse zeigt rot. Warten auf Reede. Aber dann schiebt der Konvoi endlich los – rund 98  Kilometer mit Westkurs, mitten durch nachtdunkle Wälder, Felder, Wiesen und Weiden. Diese Hochsee-Autobahn zwischen Ost- und Nordsee nennen Seeleute nur den „Graben“. Die deutsche Flagge am Heck wie bei „Fredo“, übrigens dem einzigen Frachter aus MV mit Schwarz-Rot-Gold, sieht man hier selten.

Nach rund neun Stunden machen die drei Matrosen in Brunsbüttel fest. „Die Tide ist mit uns“, freut sich Bernd Blanck. Wenig später dreht „Fredo“ in die Elbe und schießt mit 13,6 Knoten geradezu pfeilschnell dahin. Kevin Oltmanns sitzt wieder am Ruder und ist begeistert vom Tempo.

Mit Ultraschall gegen Bewuchs

Fredo“ ist wieder schnell, seitdem das Unterwasserschiff in einem dänischen Dock von Bewuchs gereinigt wurde. „In 24 Stunden bringe das, bei acht Knoten Durchschnitt, eine Spriteinsparung von 15 Prozent, also zwischen 360 und 288 Liter. Damit kommen wir drei Stunden oder 24 Seemeilen weiter“, rechnet Kevin Oltmanns vor. 2020 werde eine innovative Ultraschallanlage in den Ballasttanks installiert, die Bewuchs durch Vibration verhindert. Eine teure Investition zwar, die sich aber bald rechne.

Die Kugelbake, das schwarze hölzerne Wahrzeichen Cuxhavens, bleibt an Backbord zurück. Nach zwei Stunden biegt „Fredo“ vor Elbe I nach Backbord in die Abkürzung Alte Weser ein. Bis nach Helgoland reicht die 20-Seemeilen-Sicht, voraus wabern unfreundliche Nebelbänke. Querab vom Containerterminal Bremerhaven fühlt man sich mit „Fredo“ neben den hoch aufragenden 400-Meter-Containerschiffs-Riesen ganz klein. „Mit denen möchte ich nicht tauschen“, meint Bernd Blanck, der von Kindesbeinen an mit seinem Vater Kümo gefahren ist.

Seefahrt durch den Bauernhof

Leichter Wind vertreibt den Nebel. „Ein Glück, denn unter 1000 Meter Sichtweite hätten wir die Hunte nicht befahren dürfen“, sagt Kevin Oltmanns. Irgendwann taucht die Kirchturmspitze von Elsfleth auf. „Fredo“ dreht von der Weser in die kleine Hunte, passiert die Seefahrtsschule, den kleinen Rum-Segler „Avontuur“, den Dreimaster „Großherzogin Elisabeth“.

Es riecht nach Gülle. Bauern düngen auf den Weiden links und rechts. „Das ist wie Seefahrt durch den Bauernhof. Aber die da drüben sind ja irgendwie auch unsere Futter-Kunden“, lacht Bernd Blanck.

Ein knappes Drehmanöver im Dunkeln – und „Fredo“ wird nach 31 Stunden vor dem Oldenburger Agravis-Großsilo festgemacht. „Wenn du das hier jede Woche machst, ist´s ein Kinderspiel“, meint Kapitän Blanck gelassen.

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Von Peer Schmidt-Walther

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