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05:00 27.05.2019
Stralsunder Studenten auf der Brücke von Kreuzfahrtschiff "Sans Souci" mit Kapitän Peter Grunewald Quelle: Peer Schmidt-Walther
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Stralsund

An der Hochschule Stralsund kann man studieren, wie man Urlauber anlockt und für ihr Reiseziel begeistert. Leisure and Tourism Management (LTM) nennt sich der Studiengang. Dr. Peer Schmidt-Walther ist Dozent im Fach Maritime Tourism (MT) und betreut jedes Sommersemester ganz praxisnah rund zwei Dutzend Studenten an und auf dem Wasser. OZ sprach mit ihm.

Paddeln, Hausboot oder Flusskreuzfahrtschiff fahren, die Insel Vilm oder das NDR-Wetterstudio auf Hiddensee besuchen – Ihr Kurs im Fach Maritime Tourism (MT) ist Teil des Studiengangs Leisure and Tourism Management (LTM), wirkt aber wie ein toller Ostsee-Urlaub. Auch für Sie?

Klar, zumal ich Kanute und Ruderer bin. Auf dem Wasser erhole ich mich von der Arbeit am PC oder nach langen Seereisen. Die Exkursionen mit den Tourismus-Studenten sind trotzdem Arbeit, vor allem die Organisation vorab. Aber ich genieße dann auch das Ergebnis in Form einer kleinen Auszeit und nehme dabei immer wieder Anregungen mit für mich selbst und für das nächste Semester.

Und was sagen die Studenten?

Für sie ist es eine Abwechslung zur alltäglichen Hörsaal-Theorie. Sie sind vor allem begeistert von den Möglichkeiten, die das Wasserland Mecklenburg-Vorpommern bietet. Aber auch in beruflicher Hinsicht: Schon mancher hat auf diese Weise eine Praktikums- oder gar eine Arbeitsstelle bekommen. Ob an Bord eines Kreuzfahrtschiffes oder bei Cruise-Unternehmen, in einer Pressestelle oder einer Tourismusorganisation. Nach einem Törn auf dem Segelschulschiff „Greif“ zum Beispiel melden sich jedes Mal Studenten als freiwillige Deckshelfer „Hand für Koje“. Oder es ergibt sich daraus eine Haus- oder gar Bachelorarbeit in Form einer Marketingstudie.

 LTM ist ein Studiengang mit Zugangsbeschränkung. Gibt es denn so viel Andrang?

Ja, und zwar von Beginn an. Zeitweise bewerben sich bis zu 200 junge Leute. Den Studiengang gibt es im nächsten Jahr 20 Jahre. Zum Wintersemester, für das man sich noch bis zum 19. Juli bewerben kann, werden letztendlich 50 Studenten immatrikuliert.

Welche Voraussetzungen braucht man als Student? Muss man verhandlungssicher Schwedisch, Finnisch und Dänisch oder Plattdeutsch sprechen? Muss man Segeln können? Tauchen? Heringe angeln? Oder Kiten?

Nein, aber Abitur oder Fachhochschulreife oder Meisterabschluss bzw. eine gleichgestellte berufliche Fortbildungs- oder Fachschulprüfung. Auch über eine Zugangsprüfung kann man an einen Studienplatz kommen. Auf jeden Fall sollte man sich für den Freizeit- und Tourismusbereich sowie Betriebswirtschaft interessieren.

 Woher kommen die Studenten?

Aus ganz Deutschland. Es ist ein internationaler Studiengang.

Wie lange dauert das Studium, und als was schließt man ab?

Es dauert acht Semester und schließt nach einer wissenschaftlichen Hausarbeit samt mündlichem Examen mit dem Bachelor of Arts ab.

Als was und in welchen Bereichen können die Absolventen später mal arbeiten?

Der Vorteil dieses Studienganges ist sein breites Fundament: Neben wirtschaftlichen Kompetenzen werden auch psychologische, rechtliche, geografische und sprachliche Fertigkeiten vermittelt. So sollen die Absolventen optimal darauf vorbereitet werden, nicht nur bei nationalen und internationalen Reisveranstaltern, Tourismusverbänden und -organisationen verantwortliche Positionen zu übernehmen, sondern auch im Event-, Sport-, Marketing- oder Automobilbereich und in sämtlichen Beschäftigungsfeldern der Betriebswirtschaftslehre. Manche ehemalige LTMer haben sich selbstständig gemacht oder agieren als unabhängige Berater in der Tourismuswirtschaft. Oder sie setzen noch ein Masterstudium auf ihren Bachelor.

Gibt es viele Abbrecher?

Nein, die Abbrecherquote ist vergleichsweise niedrig.

Was sind Ihre wichtigsten Lehrinhalte im Fach Maritime Tourism?

Es geht mir darum, den Studenten während der zahlreichen Exkursionen im näheren und weiteren Umfeld der Hochschule die vielfältigen touristischen Möglichkeiten des „Wasserlandes“ Mecklenburg-Vorpommern in der Praxis aufzuzeigen. Learning by doing steht hier ganz obenan, damit eng verbunden sind Erlebnisorientierung und Selbsterfahrung.   

Werden die Inhalte auch abgefragt, gibt es Klausuren oder ähnliches?

Bei diesem, meinem Fach nicht mit Noten. Es ist ein Wahlmodul und zielt vor allem auf die praktische Anwendung und Umsetzung maritimer Besonderheiten ab. Gleichwohl müssen die Studenten am Ende einen zwei- bis vierseitigen Exkursionsbericht vorlegen. Ohne den wird die Veranstaltung nicht anerkannt.

Kann man so etwas ähnliches wie Leisure and Tourism Management (LTM) auch woanders in Deutschland studieren?

Es gibt viele Tourismusstudiengänge in Deutschland. Aber nicht jeder wird größtenteils in englischer Sprache unterrichtet, hat ein Auslands- und Praxissemester verpflichtend im Curriculum und bietet neben der spanischen und der französischen Sprache Schwedisch an. Mein Fach Maritimer Tourismus wird tatsächlich nur von der direkt am Wasser liegenden Hochschule Stralsund angeboten.

Welche Qualifikation brauchten Sie, um diesen Kurs zu betreuen?

Für einen Hochschullehrer ist im allgemeinen die Promotion verpflichtend. Wünschenswert ist aber auch eine pädagogische Ausbildung mit Unterrichtstätigkeit in der Erwachsenenbildung. Auf all das kann ich verweisen. Hinzu kommen umfangreiche maritime Erfahrungen aus meiner Zeit bei Binnen- und Handelsschifffahrt, Fischerei und Marine.

Thomas Luczak

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