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MV aktuell Urne kommt per Post: Bestatter fordern neues Gesetz
Nachrichten MV aktuell Urne kommt per Post: Bestatter fordern neues Gesetz
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19:55 16.11.2018
Urne per Post schicken: Auf dem Bildschirm ist die Verpackung zu sehen, mit der Urnen per Paketdienst DHL verschickt werden. Dem Landesfachverband der Bestatter zufolge ist es gängige Praxis in Deutschland. Quelle: dpa/Danny Gohlke
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Rostock

Wenn der tote Opa per Post kommt: In Mecklenburg-Vorpommern werden Urnen mit der Asche Verstorbener per Paketdienst an den Ort der Beisetzung versendet. Das Problem: Es ist in MV – anders als in anderen Bundesländern – gar nicht erlaubt, kritisiert der Landes-Bestatterfachverband.

„Das Bestattungsgesetz in Mecklenburg-Vorpommern schreibt vor, Urnen und Särge nur in ausschließlich dazu genutzten Fahrzeugen zu transportieren“, sagt Torsten Lange, Vorsitzender des Bestatterfachverbandes. „Realität und Gesetz passen nicht zusammen.“ Damit seien Gesetzesverstöße im Nordosten an der Tagesordnung. Allerdings werde das nicht geahndet, was die Vorschriften wiederum nutzlos mache.

Urne mitzunehmen ist verboten

Denn im Urlauberland MV stehen Bestatter oft vor dem Problem des Transports. Wenn Touristen hier sterben, müssen sie so manches Mal nach München oder Köln gebracht werden. „Das kommt sehr häufig vor. MV ist ein Flächenland, da ist es gang und gäbe, Urnen per Post zu verschicken. Wir dürfen die Urnen den Angehörigen ja auch nicht mitgeben, denn das ist verboten“, erklärt Marlen Winkler vom Beerdigungsinstitut Schwinkendorf in Ribnitz-Damgarten. Viele Menschen wohnten zudem gar nicht mehr hier, hätten ihre Angehörigen aber gern bei sich in der Nähe beigesetzt.

Zum Thema: Ist es nötig, dass die Asche Verstorbener als Paket verschickt wird? Ein Kommentar von Elke Ehlers

Auch andere Beerdigungsinstitute bestätigen auf OZ-Anfrage, dass sie regelmäßig Urnen per Paketdienst versenden. Hunderte Kilometer mit einer Urne quer durch ganz Deutschland zu fahren, das können sich viele im ländlichen Raum gar nicht leisten. Die Kosten bei DHL innerhalb Deutschlands: 42,54 Euro pro Sendung.

Zustellung an Nachbarn ausgeschlossen

Die Deutsche-Post-Tochter bietet auf ihrer Internetseite eine „bruchsichere Spezialkartonage für den Versand der gängigsten Aschekapselgrößen und Zierurnen“ an. „Vor zwei Jahren haben wir den Urnenversand neu aufgestellt. Die Urnen werden 1:1 mittels Kurier transportiert. Empfänger sind ausschließlich Bestattungsinstitute und Krematorien“, sagt Post-Sprecher Jens-Uwe Hogardt. Eine Zustellung an Hausbewohner oder Nachbarn sei ausgeschlossen. In der Vergangenheit geriet DHL immer wieder in die Schlagzeilen, als während der Streikzeiten Urnen nicht ankamen, weil sie in Paketzentren in Bayern und Nordrhein-Westfalen feststeckten.

Ist das Verschicken von Urnen würdevoll? Torsten Lange sagt: Man könne es gut oder schlecht finden, aber es müssten dringend Gesetzesänderungen her, um rundum pietätvolle Beerdigungen zu garantieren. „Das derzeit in MV gültige Gesetz macht nur wenige und schwammige Vorschriften für den Bereich der Bestattung“, kritisiert er. Der Urnen-Transport per Paketdienst sei nur ein Punkt. Angehörige würden auch oft über den Tisch gezogen oder falsch beraten, Informationen werden vorenthalten.

Günstige Online-Anbieter sparen oft an der Pietät

Der Verband fordere deshalb zum Beispiel eine Zertifizierung für Bestatter, damit die Angehörigen mehr Sicherheit bekommen, dass der Bestatter auch qualifiziert sei. Zudem müsse der Gesetzgeber mehr Transparenz verlangen. Gerade bei sehr günstigen Angeboten aus dem Internet müssten Angehörige damit rechnen, dass an der Pietät gespart werde. „Bei Feuerbestattungen für 600, 700 Euro sind das Bestattungsunternehmen, die wie ein Fuhrbetrieb arbeiten“, betont Lange. Für den Kunden müsse transparent sein, was er für einen Preis bekommt. Das sei gegenwärtig nicht immer der Fall.

Einer Aufhebung des Friedhofszwangs, die immer mal wieder diskutiert wird, steht Lange kritisch gegenüber. „Wir finden wichtig, dass es öffentlich zugängliche Orte der Trauer gibt“, sagt der Verbandschef. Allerdings müsse der gesellschaftlichen Entwicklung hin zu mehr Individualität Rechnung getragen werden. „Familien leben an unterschiedlichen Orten.“

Verbandschef: Urne für eine gewisse Trauerzeit nach Hause nehmen

Nach Langes Auffassung sollte künftig die Möglichkeit eröffnet werden, die Urne mit der Asche eines Angehörigen für eine gewisse Trauerzeit mit nach Hause zu nehmen. „Aber unter der Prämisse, dass anschließend die Beisetzung erfolgt“ – und zwar auf einem Friedhof, auf See oder in einem Begräbniswald. „Das ist auch ein Stück Kulturgut“, gibt Lange zu bedenken. Eine Bestattung auf dem eigenen Grundstück ist bislang in Deutschland nur in Bremen möglich.

Das Bestattungsrecht ist Ländersache. Der Landtag hat, auf Initiative der Linken, bereits Anlauf für eine Neufassung des Gesetzes genommen. Am Montag, den 19. November, tritt nun zum ersten Mal eine vom Landtag bestellte Expertenkommission zusammen, um über ein zeitgemäßes Gesetz zu beraten. Mit dabei sind neben dem Bestatterfachverband auch Vertreter der christlichen Kirchen sowie der Juden und Muslime.

Iris Leithold und Virginie Wolfram

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