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MV aktuell Nach Großfeuer in Schweinestall bei Grabow: Brandursache weiter unklar
Nachrichten MV aktuell Nach Großfeuer in Schweinestall bei Grabow: Brandursache weiter unklar
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20:54 23.07.2019
Bei einem Großbrand in einer Schweinemastanlage in Kolbow bei Grabow sind am Montagmorgen etwa 2500 Schweine verendet. Rund 3500 Tiere konnten durch Einsatzkräfte der Feuerwehr und Helfer gerettet werden. Quelle: Dietmar Lilienthal
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Kolbow

Die Ursache für den verheerenden Großbrand in einer Schweinemastanlage in Kolbow (Ludwigslust-Parchim), bei dem am Montagmorgen mindestens 2500 Schweine verendet sind, ist weiterhin unklar. „Ein Brandgutachter wird am Mittwoch seine Ermittlungen in der Schweinemastanlage aufnehmen“, sagt Klaus Wiechmann, Sprecher der Polizeiinspektion Ludwigslust.

Die Kriminalpolizei ermittelt in alle Richtungen der möglichen Brandursache – von Brandstiftung bis zu technischem Defekt, erklärt Wiechmann. Am Montag und Dienstag seien bereits Zeugen befragt worden.

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Schaden beträgt mehrere hunderttausend Euro

Auch zur Schadenshöhe gibt es bisher keine eindeutigen Aussagen. „Der Gesamtschaden wird immens sein“, meint Wiechmann. Es könnte sich um mehrere hunderttausend Euro handeln. Die genaue Summe könne jedoch erst nach weiteren Untersuchungen benannt werden.

Eine Stallanlage eines Schweinemastbetriebes in Kolbow-Grund ist am Frühen Montagmorgen aus bislang ungeklärter Ursache in Brand geraten.

Das Feuer war am Montagmorgen kurz nach 6.30 Uhr in der Stallanlage ausgebrochen. Etwa 3500 der insgesamt 6000 Schweine konnten Einsatzkräfte und Helfer ins Freie bringen – sie überlebten. Elf Feuerwehren aus der Region mit über 100 Kameradinnen und Kameraden waren an dem Löscheinsatz beteiligt. Dabei wurden ein Feuerwehrmann sowie ein Mitarbeiter der Mastanlage verletzt. Sie erlitten Rauchgasvergiftungen. Die Dächer der Ställe waren mit asbestbelasteten Platten bedeckt. Das erschwerte die Brandbekämpfung sehr, da viele der Einsatzkräfte lange Zeit unter Atemschutzgeräten, sogenannten Pressluftatmern, arbeiten mussten.

Tierschützer fordern Sprinkleranlagen für Ställe

„In Kolbow ist mit den 2500 bei dem Großbrand getöteten Schweinen das eingetreten, vor dem wir immer gewarnt haben“, erklärt Kerstin Lenz, Landesvorsitzende des Deutschen Tierschutzbundes in MV. In solch großen Mastanlagen können im Falle eines Brandes niemals alle Tiere gerettet werden. Eine schnelle Räumung sei nur in kleineren Anlagen möglich, die Ausläufe für die Schweine haben. Und: „Wir fordern, dass alle großen Ställe mit Sprinkleranlagen ausgerüstet sein müssen“, erklärt Kerstin Lenz. Das scheint in Kolbow nicht der Fall gewesen zu sein. Der Betreiber der Schweinemastanlage wollte sich am Dienstag nicht zu dem Brand äußern.

Ämter-Wirrwarr bei Stall-Sicherheit

Für die Sicherheit in den Ställen seien verschiedene Ämter zuständig, erklärt Eva Klaußner-Ziebarth, Sprecherin des Agrar- und Umweltministeriums MV. Für alle baulichen Brandschutzmaßnahmen seien die Bauordnungsämter zuständig. In den Ställen gebe es allgemein keine Brandmeldeanlagen, gegebenenfalls Blitzschutzeinrichtungen bzw. Alarmmeldungen über Temperaturfühler. „Hier ist in erster Linie immer der Betreiber zuständig, für die Alarmanlagen – Strom-, Lüfterausfall und andere – aber auch das Veterinäramt des Kreises“, sagt sie. Betreiber müssten sich selbst um entsprechende Wartungen von vorhandenen Anlagen kümmern. Die Kontrolle, ob Feuerlöscher oder Löschteiche geprüft wurden, nehme das Landesamt für Gesundheit und Soziales vor.

In MV werden aktuell 788 100 Schweine gehalten (-1,5 Prozent seit Mai 2018). Die Anzahl der Schweine haltenden Betriebe ist im gleichen Zeitraum ebenfalls gesunken – auf 156 (-4,3 Prozent).

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