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MV aktuell Ansturm auf Sprit in Polen: Benzin an erster Swinemünder Tankstelle schon ausverkauft
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Usedom: Ansturm auf Sprit in Polen - Benzin an erster Swinemünder Tankstelle ausverkauft

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16:38 03.01.2022
Christa und Eberhard Vetter mussten sich nach einer anderen Tankstelle umsehen, weil bei "Shell" hinter der Grenze das Benzin ausgegangen war.
Christa und Eberhard Vetter mussten sich nach einer anderen Tankstelle umsehen, weil bei "Shell" hinter der Grenze das Benzin ausgegangen war. Quelle: Henrik Nitzsche
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Swinemünde

Kein Warten, keine Autoschlange – so sieht entspanntes Tanken vor der Heimfahrt aus. Das denkt sich Eberhard Vetter, als er mit seinem VW Golf am Montagvormittag an die Zapfsäule der Shell-Tankstelle kurz hinter dem Grenzübergang am neuen Einkaufscenter in Swinemünde rollt. Dann die Überraschung für den Senior aus Leipzig – sämtliche Benzin-Zapfpistolen sind mit einem Kabelbinder versehen und gesperrt. Benzin ist ausverkauft. „18 Uhr, da erwarten wir Nachschub“, sagt ein Mitarbeiter.

Einen Tag zuvor herrschte hier ein Riesen-Ansturm. Im Minutentakt gingen die Zapfpistolen in die Tankstutzen der Pkw. Bevor der große Rückreise-Verkehr nach dem Weihnachts- und Silvesterurlaub auf Usedom startete, deckten sich viele in Grenznähe mit billigem Sprit ein. Das führte zu Staus zwischen Ahlbeck und Swinemünde und langen Wartezeiten an den Säulen.

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Auch die Ankündigung von polnischer Seite, dass mit dem Jahreswechsel der Spritpreis im Nachbarland deutlich fallen wird, trieb viele über die Grenze. Bis Ende Mai 2022 hat Polen die Mehrwert- und die Kraftstoffsteuer gesenkt. Experten rechnen damit, dass die Preise nochmal um 20 bis 25 Groszy pro Liter fallen. Das wären umgerechnet 5 bis 8 Cent.

Günstiger Umrechnungskurs lässt Preis fallen

Der große Preissturz blieb am Montag allerdings noch aus. Wie an den Vortagen verharrten die Spritpreise auf dem gleichen Stand – bei „Orlen“ an der Swinemünder Stadtfähre am Hafen kostete der Liter Benzin 5,75 Zloty, Diesel lag bei 5,79 Zloty. Weil der Umrechnungskurs (0,2175 Euro für einen Zloty) etwas günstiger war, kostete Benzin umgerechnet 1,21 Euro, der Diesel lag um einen Cent höher. Bei „Shell“ wurden für Benzin wie an den Vortagen 5,92 Zloty (1,24 Euro), für Diesel 5,96 Zloty (1,25 Euro) aufgerufen.

Dennoch konnte man ordentlich Geld sparen: An der Bansiner Oil-Tankstelle kostete Montagmittag der Diesel 1,50 Euro, Benzin lag bei 1,68 Euro. Bei einer kompletten Tankfüllung mit 70 Liter spart der Kraftfahrer bei Benzin um die 30 Euro, bei Diesel sind es noch knapp 18 Euro.

Sparen will auch Grzegorz Sztagowski, den wir am Vormittag an der Shell-Tanke hinter der Grenze treffen. Der gebürtige Pole ist vor vielen Jahren nach Deutschland ausgewandert und lebt jetzt in Oberhausen. In Swinemünde hat er Urlaub gemacht. Sein Auto schluckt Diesel. Glück für ihn, er kann tanken.

„Tankstellenbetreiber müssen Kassen umstellen“

Warum sich die Steuersenkungen an der Tankstelle noch nicht so bemerkbar machen, dafür hat er eine Erklärung: „Der Januar wird ein Chaos. Viele Tankstellenbetreiber müssen ihre Kassen erst umstellen. Es gibt in Polen so viele neue Gesetze.“

Eine andere Erklärung liefert der Tankstellenbetreiber von „Shell“ in der Innenstadt: „Experten glauben, dass eine reduzierte Mehrwertsteuer auf Kraftstoff die Benzinpreise senken kann, aber vieles hängt vom Wert der polnischen Währung ab. Derzeit ist der Zloty ziemlich schwach, was bedeutet, dass die Einkaufspreise für Benzin hoch sind.“

Bei ihm gibt es noch Benzin. „Wir haben etwa noch 2000 Liter. Um 22 Uhr kommt Nachschub“, sagt ein Mitarbeiter. An der Nachbartankstelle soll es heute morgen keinen Diesel mehr gegeben haben. Für Autofahrer allerdings kein Problem, denn in der Stadt gibt es elf Tankstellen. Allein auf der Straße „Karsiborska“ in Richtung Fähre Karsibor sind es drei nebeneinander. Die Preise variieren im geringen Groszy-Bereich.

Klaus Lemke aus Nienhagen hat sich für „Shell“ entschieden. Er ist mit der Familie auf Durchreise nach ein paar Urlaubstagen in Kolberg. „Tanken in Polen ist Pflicht. Wir tanken jetzt für die letzten Zlotys und dann geht es auf den Markt.“

Von Henrik Nitzsche und Radek Jagielski