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MV aktuell Vanlife: Ein Leben in Freiheit und der Natur
Nachrichten MV aktuell Vanlife: Ein Leben in Freiheit und der Natur
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16:00 15.08.2019
Friederike Tesch (27) und Kurt Rosenow (32) aus Rostock lieben es, mit dem Van unterwegs zu sein. Quelle: Dietmar Lilienthal
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Rostock

„Es gibt nichts Schöneres, als morgens aufzuwachen, die Vorhänge aufzuziehen und aufs Wasser zu blicken“, schwärmt Friederike Tesch (27) aus Rostock. Die Grafikdesignerin übernachtet so oft wie möglich in ihrem kleinen Van – einem Ford Transit Connect – mit dem sie vor allem den Norden Deutschlands erkundet. Und sie ist nicht allein: Die Vanlife-Bewegung wächst immer weiter. Kein Wunder, denn das Reisen und Leben im Bus befriedigt die Sehnsucht nach Freiheit und dem großen Abenteuer.

Von Rügen bis Kiel oder Kreta

Gleichgesinnte trifft die 27-Jährige auf ihren Touren immer wieder. So auch Kurt Rosenow (32) aus Rostock. Die beiden sind Freunde und teilen nicht nur die Leidenschaft des Vanlife, sondern auch die Begeisterung für Wassersport. Und was ist für dieses Hobby besser, als einen Van zu haben? „Morgens schon am Spot zu sein und nicht erst hinfahren zu müssen, ist genial“, begeistert sich die sportliche junge Frau. Außerdem kann man seine Boards und Utensilien gut verstauen. Nahezu jedes Wochenende erkundet sie die Gewässer von Rügen bis Kiel.

Kurt nutzt ebenfalls jede freie Minute. Diesen Sommer hat er sich sogar zwölf Wochen Urlaub dafür genommen. Wenn er nicht gerade in der Weltgeschichte unterwegs ist, stehe er auch einfach nur gern am Gehlsdorfer Ufer. „Meine Wohnung habe ich seit Mai vielleicht fünfmal betreten“, schmunzelt er. Jetzt steht aber erstmal Reisen auf dem Programm: Nachdem er in der Vergangenheit schon drei Wochen durch Kroatien und sieben Wochen durch Portugal, Spanien und Frankreich getourt ist, stehen nun vier Wochen auf Kreta bevor. „Ich habe dort einen Stellplatz direkt hinter einer Surfstation: perfekt!“, erzählt der Rostocker voller Vorfreude. Welche Route er nimmt, wisse er allerdings noch nicht genau: „Ich mache vieles spontan.“

Ausbau mit ganz viel Liebe

Den Lifestyle haben beide Rostocker bereits vor einigen Jahren für sich entdeckt. Rike startete mit einem kleinen VW Polo, Kurt mit einem Corsa. „Mit umgeklappten Vordersitzen, herausgenommener Rückbank und einer reingelegten Holzplatte geht selbst das“, lacht die 27-Jährige. Schnell hatten sie allerdings das Bedürfnis, ein Auto zu haben, mit dem sie zum Surfen sowie Stand-up-Paddeln fahren und alles verstauen können.

In liebevoller Handarbeit hat Kurt vor drei Jahren seinen VW T4 ausgebaut. Weil der ihm aber schon wieder zu klein ist, bastelt er aktuell an einem Sprinter. Rike hat den Ford erst seit dem Winter, aber auch hier selbst Hand angelegt. „Nur die Batteriebox für die Stromversorgung hat mir mein Schwiegervater gebaut“, gibt sie zu. Ihren ersten Ausflug machte sie damit im April: „Obwohl es nachts nur drei Grad hatte. Aber ich wollte einfach unbedingt darin schlafen“, erzählt sie voller Freude.

„Es darf nicht nach campen aussehen“

Der Sport und das Wohnen im mobilen Gefährt sind Kurt und Rikes Ausgleich zum Alltag. Besonders genießen sie dabei die Ruhe und die Nähe zur Natur, denn mit den Kleinbussen kann man nahezu überall stehen bleiben, wo es einem gefällt. Wildcampen ist in Deutschland zwar eigentlich verboten, doch Rike kennt ein Schlupfloch: „Es darf einfach nicht nach campen aussehen. Die sogenannte Fahrtüchtigkeit wieder herstellen, darf man nämlich überall.“ Das heißt, unter dem Vorwand, übermüdet oder angetrunken zu sein, kann man an fast jedem Ort für eine Nacht Rast machen. „Campingplätze sind einfach oft viel zu überfüllt“, findet Rike und Kurt nickt zustimmend.

Wenig Platz und doch alles drin, was man zum Leben braucht. Wie die Vanlife-Leute ihren Bus geschickt, platzsparend, praktisch und dennoch schick ausstatten, zeigen wir hier.

Ein Hauch von Festival-Feeling

Ihre Vans sind ausgestattet wie Miniwohnungen: Ein ausziehbares Bett, Schränke, ein Gaskocher, Kaffeemaschine und Wasserkanister befinden sich in beiden Gefährten. Praktisch, immer alles dabei zu haben, wie Rike durch eine Anekdote verdeutlicht: „Mein Freund und ich standen einmal in einer Vollsperrung und haben erst mal Kaffee gekocht. Die anderen Autofahrer haben nicht schlecht geguckt.“ Kurt hat in seinem deutlich größeren T4 auch noch Platz für einen Kühlschrank. Dafür habe Rike ihre private Duschkabine, wie sie zwinkernd verrät: „Ich habe mir eine Campingdusche mit Pumpfunktion gekauft. Wenn ich hinten die Türen aufklappe und einen Vorhang davor hänge, kann ich ungestört duschen.“

Ob Kurt und Rike schon mal negative Erfahrungen gemacht haben? „Man muss damit rechnen, dass man doch mal von seinem auserwählten Standplatz verjagt wird oder einen Strafzettel bekommt. Sonst kann ich bisher aber nichts Negatives sagen“, meint der 32-Jährige. Dass das Vanlife einfach cool ist, da sind sich Kurt und Rike einig. „Man entdeckt so viele Dinge. Jeder Tag ist besonders, wenn man unterwegs ist“, schwärmt die Grafikdesignerin. Dieses Leben habe oftmals einen Hauch von Festival-Feeling, gerade, wenn man spontan mit Freunden zusammenkommt.

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