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MV aktuell Vanlife: „Ich liebe die Selbstbestimmtheit und Abwechslung“
Nachrichten MV aktuell Vanlife: „Ich liebe die Selbstbestimmtheit und Abwechslung“
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16:00 15.08.2019
Karin Scherpe (35) lebt im Van – rund ums Jahr. Bis vor zwei Monaten war der VW T4 ihr Zuhause. Quelle: privat
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Rostock

Im Sommer an den deutschen Küsten, im Winter an den Stränden Spaniens, Portugals oder sonst wo in der Welt. Was klingt wie ein Traum, ist für Karin Scherpe (35) Realität. Im April 2018 gab die gebürtige Leipzigerin ihre Wohnung auf – seitdem lebt sie komplett in ihrem Bus. Vanlife extrem!

Winter im Warmen ist ein Muss

„Ich bin schon immer viel mit meinem T4 unterwegs gewesen. Im Sommer habe ich mein Heim in Leipzig untervermietet“, erzählt sie. Zehn Jahre gehörte ihr dort das Modelabel „Nimike“ inklusive zweier Läden. Als das Geschäft nur noch schleppend lief, beschloss sie, ihre Leidenschaft des Vanlifes zu ihrem Leben zu machen. „Die letzten beiden Saisons arbeitete ich auf Rügen bei der Kitesurfschule Rügen Kite. Diesen Sommer bin ich SUP-Instructor am Rande Flensburgs“, berichtet Karin.

Und in den Wintermonaten? „Da sehe ich zu, dass ich dorthin komme, wo richtig viel Sonne scheint“, lacht sie. Sie könne den deutschen Winter mit seiner Tristesse nicht ab – spätestens nach Weihnachten sucht sie das Weite. Dann verdient sie ihr Geld mit Online-Marketing. „Ich lebe gern gut und liebe erstklassiges Essen. Geld für den Winter anzusparen ist da meist nicht drin. Es fallen ja auch mal Reparaturen oder Neuanschaffungen an“, erklärt die Leipzigern.

Stehen bleiben wo man möchte: Die 35-jährige Leipzigern macht es einfach. Im Sommer in Deutschland, im Winter irgendwo im Süden. Quelle: privat

Vom alten Leben bleiben 15 Prozent

85 Prozent ihres Hab und Guts habe sie weggegeben. In Leipzig habe sie lediglich noch eine Lagerbox mit ein paar privaten Dingen und Dokumenten. „Man lebt total minimalistisch. Es ist nun mal nur Platz für das Wichtigste“, erzählt Karin. Ein Topf und eine Pfanne sind ihre Kochutensilien, dazu das Nötigste an Geschirr. „Man beschränkt sich auf das Wesentliche. Es geht alles, es dauert nur etwas länger. Ich koche gern“, betont sie.

Seit zwei Monaten hat die 35-Jährige einen größeren Van, einen Postbus, in dem sie sich gerade eine kleine Badkabine einrichtet. „Ich habe eine Campingdusche mit acht Litern Fassungsvermögen und einen Kloeimer, in dem schlichtweg ein Beutel ist“, schildert sie die Sanitärsituation. Ansonsten gebe es in Deutschland aber auch genügend öffentliche Toiletten. In den Wald zu gehen käme für Karin nicht infrage.

Vor zwei Monaten hat sich Karin vergrößert: Der Postbus bietet mehr Platz und sieht noch dazu stylisch aus. Quelle: privat

Bewunderung für ihren Mut

Gemeldet ist die Leipzigerin übrigens bei ihrer Mama, denn keinen festen Wohnsitz zu haben, wäre kompliziert, wie sie erklärt: „Man kann dann zum Beispiel keine Verträge abschließen und eine Postadresse fehlt auch – ohne geht es aber schlecht.“

Was ihr Umfeld zu dieser Lebensweise sagt? „Meine Mama muss es akzeptieren, auch wenn sie sich natürlich oft Sorgen macht. Sie kennt mich, ich war schon immer ein Freigeist. Meine Freunde finden es toll und bewundern mich für meinen Mut.“

Frauen haben es oft nicht leicht in der Vanlife-Community, wie Karin berichtet: „Es gibt viele Social-Media-Gruppen, in denen man sich austauschen kann. Männer reagieren auf Fragen von Frauen aber oft herablassend.“ Gerade wenn es um das Thema Vanausbau gehe. Die Leipzigerin sei im Ausbauen zum Beispiel flink, habe es von ihrem Papa gelernt, andere Frauen wünschen sich aber Tipps. „Deshalb habe ich die Gruppe Vanlife Girls auf Facebook gegründet. Dort können sich die Mädels in einem aggressionsfreien Raum über alle Themen unterhalten“, erläutert die 35-Jährige. Von Männern sei sie für diese Idee allerdings sogar bedroht worden: „Das hat mich schockiert.“

„Ich möchte nichts mehr missen“

Mischlingshündin Mo begleitet Karin bei all ihren Abenteuern. Quelle: privat

Doch Karin ist tough und liebt ihr Leben: „Neue Herausforderungen, Selbstbestimmtheit, Freiheit und Abwechslung sind das, was ich brauche.“ Trotzdem bleibe sie immer wieder länger an einem Ort. „Man bekommt ’ne Meise, wenn man ständig reist“, lacht sie. Sie entscheidet nach Lust und Laune – Zeitdruck hat das Vanlife-Girl ja nicht. „Das ist eine unglaubliche Lebensqualität“, schwärmt sie. Auch einsam ist Karin nie, denn ihre Hündin Mo ist immer dabei. Zurzeit habe sie jedenfalls kein Bedürfnis, je wieder in eine Wohnung zu ziehen.

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