Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Video: A 20 bei Tribsees wieder frei – es macht klack, klack
Nachrichten MV aktuell Video: A 20 bei Tribsees wieder frei – es macht klack, klack
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:22 13.12.2018
Nach der Freigabe der 773 Meter langen Behelfsbrücke für die teilweise im Moor versunkene Ostseeautobahn A 20 rollt der Verkehr seit Mittwochmorgen.
Nach der Freigabe der 773 Meter langen Behelfsbrücke für die teilweise im Moor versunkene Ostseeautobahn A 20 rollt der Verkehr seit Mittwochmorgen. Quelle: dpa
Anzeige
Langsdorf

Und plötzlich ist es still. Hartmut Kolschewski lächelt. Der Bürgermeister von Langsdorf steht mitten auf der Straße seines Dorfes. Kein Auto in Sicht. An diesem Mittwoch kurz vor Mittag ist die Ruhe zurückgekommen nach Langsdorf – und mit ihr eine singende Amsel. Wann hat man hier so was das letzte Mal gehört?

Um 7 Uhr morgens jedenfalls nicht. Da wälzt sich der Berufsverkehr noch Stoßstange an Stoßstange über die Umgehungsstraße um das A-20-Loch. Der Verkehrsminister hat hierher zum Termin vor Sonnenaufgang geladen. 15 Monate nach dem Einbruch der Autobahn 20 will Minister Pegel die Behelfsbrücke über der Einsturzstelle freigeben. Ein für Anwohner, Reisende, Politiker und Medien aus unterschiedlichsten Gründen bedeutendes Ereignis. Knapp anderthalb Jahre lang bewegte das Loch in der Autobahn die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern und über das Land hinaus.

Und nun dieser Termin des Verkehrsministers bei Nieselregen, 4 Grad und Dunkelheit. Niemand schneidet heute ein Band durch. Kein Scheinwerferlicht ist auf Minister Pegel gerichtet, als er gemeinsam mit Hartmut Kolschewski und Roland Normann, Abteilungsleiter im Landesamt für Straßenbau und Verkehr, in seinen Dienstwagen steigt. Gemeinsam fahren die Männer, die sich in den letzten Monaten manchen Schlagabtausch lieferten, über die Stahlbrücke. „Wir haben uns nicht groß unterhalten“, sagt Kolschewski später, „nur auf die Geräusche geachtet und uns gefreut.“

Ein sanftes „Klack, klack“ ertönt, als das Auto über die zusammengefügten Segmente der Brücke fährt. Besonders laut ist es auch nicht, als die Fahrbahn schließlich für alle Autofahrer freigeben wird. Ab 8 Uhr rollt der Berufsverkehr – zunächst über die Spur Richtung Osten, gegen 11 Uhr auch in die Gegenrichtung. Um die 80 Dezibel zeigt das Messgerät direkt am Straßenrand an, gewöhnlicher Verkehrslärm.

Als die drei Männer aus dem Wagen steigen, lachen sie laut. Hinter ihnen graut der Morgen, ihre orangen Warnwesten leuchten. Normann klopft Kolschewski auf die Schulter. Alle wirken, als hätten sie gerade siegreich eine Schlacht geschlagen.

„Ich empfinde tiefe Dankbarkeit“, bricht es ungefragt aus Christian Pegel heraus. „Ich schwöre jedem, das ist eine brachiale Geschwindigkeit gewesen, in der hier gearbeitet wurde. Das ging nur, weil sich hier viele Leute weit über das normale Maß hinaus engagiert haben.“ Dann wird er feierlich. Betont, wie unbürokratisch auf allen Ebenen wichtige Entscheidungen herbeigeführt wurden und würdigt insbesondere die Rolle von Kolschewski. Der Bürgermeister habe dem Ministerium Druck gemacht, aber auch immer wieder geholfen.

Eine Prognose, wann die Autobahn wieder auf beiden Spuren befahrbar ist, will Pegel nicht abgeben. Eigentlich. Denn plötzlich legt er sich doch fest: „Wir sind mit Sicherheit deutlich vor 2025 fertig.“

Bevor er Richtung Schwerin aufbricht, will der Minister noch einen Appell loswerden: „Wir haben hier Tempo-60-Schilder aufgestellt. Der erste Grund dafür ist das Klackern. Das sind die Stahlplatten über den Dehnungsfugen. Man hört die Übergänge, und bei höherer Geschwindigkeit wird der Lärm bis ins Dorf getragen. Das wollen wir verhindern. Zweitens sollen die 60 km/h Sicherheit herstellen. Wenn hier ein Unfall passiert, haben wir sofort Vollsperrung. Es ist also unser gemeinsames Interesse, dass alle sich daran halten. Wenn sie das breit transportieren, wäre ich dankbar.“

Mittags in Langsdorf zeigt das Messgerät 54 Dezibel. Von der Autobahn weht ein Rauschen herüber, fast wie damals, als sie noch nicht in einem Loch verschwunden war. „Ich glaube, jetzt beginnt wieder das normale Leben“, sagt der Bürgermeister und winkt zum Abschied.

„Klack, klack“ macht das Auto auf dem Rückweg über die Brücke. 13 Mal rüttelt das „Klack, klack“ am Auto und schüttelt den Körper. Schneller als 60 km/h wird hier wohl künftig kaum jemand fahren. Nicht Minister Pegel und seiner Bitte zuliebe, eher zum Wohle der Stoßdämpfer .

Mehr zum Thema:

Millioneneinnahme: So viele Autofahrer wurden auf der A-20-Umleitung geblitzt

A20-Loch bei Tribsees: Behelfsbrücke könnte für Lärmprobleme sorgen

Juliane Schultz