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MV aktuell Zu viele Badetote: MV soll besser schwimmen lernen
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11:10 28.02.2019
Sicher ins Wasser und wieder hinaus: Schwimmunterricht in Grevesmühlen (Landkreis Nordwestmecklenburg). Quelle: Jana Franke
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Rostock

32 Menschen kamen 2018 in Mecklenburg-Vorpommern im Wasser ums Leben, fast doppelt so viele wie im Jahr davor. Die meisten ertranken beim Baden in einem See oder in der Ostsee, andere starben, nachdem sie versehentlich ins Wasser gestürzt waren. Der Anstieg lag sicher am langen, heißen Sommer. In vielen Fällen spielte Leichtsinn eine Rolle. Besonders viele Sorgen bereitet es den Rettungsschwimmern, dass immer mehr Urlauber als Kind nie richtig schwimmen gelernt haben. Mittlerweile können sich 60 Prozent der Zehnjährigen bestenfalls mit Mühe über Wasser halten, sind keine sicheren Schwimmer. Das ergab eine bundesweite Umfrage der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Im Küsten- und Seenland Mecklenburg-Vorpommern sieht es nicht besser aus: Auch hier können mehr als die Hälfte der Kinder bei Abschluss der Grundschule nur Grundkenntnissen oder gerade einmal das Seepferdchen-Abzeichen vorweisen – was kein Nachweis für sicheres Schwimmen ist, wie der Landtagsabgeordnete Matthias Manthei (Freie Wähler/BMV) kritisiert.

Hallenbäder und Lehrer fehlen

Fehlende Schwimmbäder, kaum entsprechend ausgebildeten Lehrer – viele Schulen können die in den Rahmenplänen festgelegten Verpflichtung für Schwimmunterricht nicht umsetzen, so Manthei. Der Politiker aus Anklam fordert ein Aktionsprogramm „MV kann schwimmen“. Dabei sollen Schwimmkurse in den Schulferien angeboten werden, an denen alle Schüler teilnehmen können. In Nordrhein-Westfalen läuft eine ähnliche Aktion seit 2009. Die Erfolgsquote gilt als hoch, Krankenkassen und das Land tragen den Großteil der Kosten von 250 Euro pro Kurs. Für Eltern fällt lediglich ein Eigenanteil von zehn Euro an. 33 000 Kinder machten bisher mit.

Kinder sind besonders gefährdet

Bundesweit sind Kinder- und Jugendliche auf dem Wasser besonders gefährdet. Von 71 Badetoten des vergangenen Jahres unter 20 Jahren waren 26 im Vor- und Grundschulalter. Die DLRG kritisiert in diesem Zusammenhang das massenhafte Schwimmbädersterben – im Schnitt schließen in Deutschland jährlich 80 Hallen- und Freibäder – und damit Gelegenheiten, sich mit dem Wasser und den Baderegeln vertraut zu machen. „Im Sommer wird das an unseren Stränden zum Problem“, sagt Thorsten Erdmann, DLRG-Sprecher in MV.

Problem hat sich „seit Jahren verschleppt“

Die Verbände haben eigene Initiativen gestartet. Das DLRG bietet in Prerow auf dem Darß zusammen mit einer Freien Schule regelmäßig Schwimmlernkurse an. Aus Mangel an Bädern finden die in der Ostsee statt. „150 Kinder lernen dort jedes Jahr schwimmen“, sagt Erdmann. Das Deutsche Rote Kreuz führt in MV die Aktion „Rette sich, wer’s kann“ durch. Mehr als 1000 Kinder in 60 Kitas absolvieren dabei Schwimmkurse. Das Projekt ist ein großer Erfolg, erklärt DRK-MV-Sprecher Lübbo Röwer. Aber es reicht nicht aus. „Das viele Kinder nicht mehr schwimmen lernen, hat sich über die Jahre so hingeschleppt“, sagt Röwer. Die Ergebnisse dieses Trends „sind eines unserer Hauptprobleme“. Jede Initiative, die etwas dagegen unternimmt, sei daher richtig, meint der Sprecher mit Verweis auf den Vorschlag des Politikers Manthei. Die DRK-Wasserwacht stellt in der Saison zusammen mit der DLRG für die Rettungsschwimmer an den Stränden und Badeseen in MV.

Oft ist Leichtsinn im Spiel

Eine weitere Rolle beim Anstieg der Badetoten-Zahlen spielt Leichtsinn. „Viele Leute denken anscheinend: ,Das ist doch nur die Ostsee. Was soll da schon passieren?“, sagt Rettungssanitäter Christian Baller, Chef der DRK-Rettungsschwimmer in Zinnowitz auf Usedom. Dass das scheinbar harmlose Gewässer so seine Tücken wie gefährliche Untiefen und Unterströmungen haben kann, wissen viele Urlauber nicht. Und auch nicht, dass die Wachtürme nicht rund um die Uhr besetzt sind. Einem 22-jährigen Briten kostete das im Juli das Leben: Nach einem Sprung von der Zinnowitzer Seebrücke trieb er hilflos im Wasser. Ein zufällig vorbeikommender Rettungsschwimmer zog ihn aus den Fluten. Dennoch verstarb der wenig später Urlauber im Krankenhaus.

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