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MV aktuell Viele Schulabbrecher: Jeder neunte Rostocker Schüler schafft keinen Abschluss
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19:54 12.08.2019
Die Zahl der Schulabbrecher ist in Mecklenburg-Vorpommern gestiegen, das Land gehört bundesweit zu den Schlusslichtern. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Rostock

Alarmierende Zahlen aus den Schulen in Mecklenburg-Vorpommern: 8,9 Prozent eines Jahrgangs – etwa jeder elfte Jugendliche – verlassen die Schule, ohne zumindest den Berufsreife-Abschluss (früher: Hauptschule) geschafft zu haben. In Rostock ist es jeder neunte.

Die Zahlen stammen aus einer aktuellen Studie der Caritas, die dafür Zahlen aus dem Schuljahr 2017 auswertete. MV landet auf Platz 12 von 16 und gehört damit zu den weniger erfolgreichen Bundesländern. Schlusslicht ist Berlin mit einer Quote von 11,7 Prozent. In Hessen gibt es mit 5,4 Prozent die wenigsten Abbrecher. Die Hansestadt Rostock gehört mit fast elf Prozent bundesweit zu den Schlusslichtern. Fast überall nahm das Problem zu. In Rostock stieg die Quote von 2015 zu 2017 um anderthalb Prozentpunkte.

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Quote halbiert

Insgesamt hat sich MV in den vergangenen Jahren aber verbessert. Nach anderen Untersuchungen schafften noch 2008 fast 16 Prozent der Schüler im Nordosten keinen Abschluss. Das Land lag in allen Negativ-Statistiken für Schulversagen unangefochten an der Spitze. Der damalige Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) versprach eine Halbierung der hohen Zahlen bis 2020. Das gelang: Laut Caritas lag die Abbrecherquote 2015 bei acht Prozent. Sie steigt inzwischen allerdings wieder.

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Fehlzeiten sind ein Alarmzeichen

„Die Ursachen für den Schulabbruch können Mobbing durch Mitschüler, Konflikte mit Lehrern und psychische Erkrankungen sein“, sagt Heike Volke, Geschäftsführerin bei dem Rostocker Bildungsträger AFW, der Jugendlichen die Chance bietet, einen Abschluss nachzuholen. Solche Angebote sind oft überlaufen. „Der Bedarf steigt“, sagt Philipp Schumm, Leiter der Produktionsschule Rostock, einer von sieben Einrichtungen dieser Art landesweit. Die Plätze reichen nicht, erst vor ein paar Tagen verhängte die Rostocker Produktionsschule einen Aufnahmestopp. Die Klienten, die sich bewerben, um einen Abschluss nachzuholen, werden immer jünger, hat Leiter Schumm festgestellt.

Migration spielt kaum eine Rolle

Die Caritas zieht bei ihrer bundesweiten Studie eine Verbindung zwischen steigenden Abbrecherzahlen und dem gestiegenen Anteil ausländischer Schüler, die mit der Flüchtlingswelle von 2015 kamen. „Bei uns spielt Migration noch nicht so eine große Rolle“, sagt Anja Rix, Vorständin bei dem Rostocker Verein Lunte. Bundesweit haben zehn Prozent aller Schüler keinen deutschen Pass, in MV sind es lediglich fünf Prozent. Auch bei dem Verein, der Trainingsprogramme und Beratung für Abbrecher anbietet, steigt die Nachfrage, so Rix.

Linke fordern längere Schulpflicht

Nach Meinung der Linken im Landtag würde die Verlängerung der Schulpflicht die hohe Abbrecher-Quote senken. In MV beträgt die Schulpflicht mindestens neun Jahre, in vielen anderen Länder sind es zehn. Das Schweriner Bildungsministerium begründet das schlechte Abschneiden von MV damit, dass der Förderschulabschluss nicht als Abschluss gilt. Das Land setzt daher auf das freiwillige zehnte Schuljahr für die Förderschulen. 90 Prozent schafften dann die Berufsreife. Sprecher Henning Lipski: „Das freiwillige 10. Schuljahr ist ein echter Beitrag zur Chancengleichheit.“

So viele Schüler schaffen keinen Abschluss

Rostock: 10,9 Prozent (plus 1,4*)

Mecklenburgische Seenplatte: 10,2 Prozent (plus 2,7)

Schwerin: 9,4 Prozent (minus 0,1)

Vorpommern-Greifswald: 9 Prozent (plus 1,2)

Nordwestmecklenburg: 8,9 Prozent (minus 0,1)

Ludwigslust-Parchim 8,3 Prozent (plus 0,2)

Landkreis Rostock: 7,6 Prozent (plus 0,6)

Vorpommern-Rügen: 6,7 Prozent (minus 0,3)

Mecklenburg-Vorpommern: 8,9 Prozent (plus 0,9)

Berlin: 11,7 Prozent (plus 2,4)

Hessen: 5,4 Prozent (plus 1,2)

Deutschland: 6,9 Prozent (plus 1)

Alle Zahlen für 2017 / *Abweichung zu 2015 in Prozentpunkten / Quelle: Caritas

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