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MV aktuell Herzerkrankungen im Nordosten auf dem Vormarsch
Nachrichten MV aktuell Herzerkrankungen im Nordosten auf dem Vormarsch
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18:07 12.10.2018
Prof. Wolfgang Kerner, Direktor der Klinik für Diabetes und Stoffwechselerkrankungen am Klinikum Karlsburg Quelle: Cornelia Meerkatz
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Rostock

Das Risiko, an einem Herzinfarkt zu sterben, ist in MV alarmierend hoch. Jährlich überleben hierzulande rund 1100 Frauen und Männer das plötzliche Versagen der „Pumpe“ nicht. Damit zählt der Nordosten laut Herzbericht 2017 der Deutschen Herzstiftung neben Thüringen und Sachsen-Anhalt zu den drei Bundesländern mit der höchsten Quote an Herzinfarkttoten.

„Ursachen sind starkes Übergewicht, Stress, Nikotin- und Alkoholmissbrauch, Bewegungsarmut, erhöhter Salzkonsum sowie genetische und hormonelle Faktoren“, verdeutlicht Dr. Annegret Schlicht. Das Mitglied des Vorstandes der Ärztekammer MV warnt davor das Thema Bluthochdruck zu unterschätzen: „Er ist einer der wichtigen Risikofaktoren für die Koronare Herzkrankheit, die zumeist durch Arterienverkalkung ausgelöst wird. Verschließt sich ein Blutgefäß des Herzens, kommt es zum Infarkt.“

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MV hat die meisten Übergewichtigen

Immer mehr Bürger im Nordosten leiden unter einer Koronaren Herzkrankheit und Herzschwäche. Deshalb startet die OZ heute die Serie „Herz in Not“. In den kommenden Tagen werden Ärzte, Pfleger, Gesundheitsexperten und Betroffene über Therapien, Präventionsansätze und eigene Erfahrungen beim Kampf gegen Herzkrankheiten berichten.

Bluthochdruck stellt keine Alterserkrankung dar“, betont Dr. Schlicht. Insbesondere Fettleibigkeit begünstigt ihn. MV hat die meisten Übergewichtigen im Bundesvergleich. Alarmierend: Fast jedes dritte Vorschulkind in MV ist zu dick. Die Spätfolgen sind fatal.

Medikamentöse Senkung des erhöhten Blutdrucks

So wurden zum Beispiel bereits bei fast 40 Prozent der mehr als 400 000 Versicherten der AOK Nordost hierzulande Bluthochdruck, eine Koronare Herzkrankheit, Rhythmusstörungen oder Herschwäche diagnostiziert, erklärt Pressesprecher Matthias Gabriel. Gleichzeitig wächst die Zahl auch junger Menschen, die an der Zuckerkrankheit – Typ 2 Diabetes – leiden. „Patienten mit Diabetes erleiden zwei- bis dreifach häufiger einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder Durchblutungsstörungen der Beine.

Der Blutzucker führt zu einer Gefäßverkalkung. Davon sind beispielsweise auch die Herzkranzgefäße betroffen“, betont Prof. Dr. Wolfgang Kerner, Direktor der Klinik für Diabetes und Stoffwechselerkrankungen am Klinikum Karlsburg bei Greifswald. Er verdeutlicht, dass zur Verhinderung von Herzinfarkten und Schlaganfall die Senkung des Blutzuckers allein nur wenig effektiv ist. Wirksam sei die medikamentöse Senkung des erhöhten Blutdrucks auf Werte unter 140/85 mm Hg und die Behandlung erhöhter Blutcholesterinwerte.

Prävention wird in unserem Land leider nicht nur in Fragen der Herz-Kreislauf-Erkrankungen generell kleingeschrieben“

„Verändern die Erkrankten ihren Lebensstil langfristig, beispielsweise durch mehr Bewegung, und specken ab, können sie ihren Bluthochdruck auch ohne Medikamente verbessern“, sagt Dr. Schlicht. Gleichzeitig fordert sie von der Landesregierung viel mehr Geld für Sportstätten, Sportlehrer und Übungsleiter, um Krankheiten wirksam vorbeugen zu können.

Prävention wird in unserem Land leider nicht nur in Fragen der Herz-Kreislauf-Erkrankungen generell kleingeschrieben“, bedauert auch Dr. Rolf Kaiser. Der Chefarzt der Klinik für Innere Medizin des KMG Klinikums Güstrow kritisiert das große Gefälle hinsichtlich der Arbeit der Herzsportgruppen zwischen Stadt und Land. „Lungen und Diabetes-Sportgruppen gibt es überhaupt nicht“, so der Mediziner.

Experten gegen Rat

In den kommenden zehn Tagenberichten in der OZ-Serie „Herz in Not“ Ärzte, Pfleger, Gesundheitsexperten und Betroffene über neue OP-Verfahren, Maßnahmen zur Vorbeugung und eigene Erfahrungen mit Herzkrankheiten. Beim Telefonforum am Dienstag, den 16. Oktober, und beim großen Leserforum im Rostocker Medienhaus am 17. Oktober, stehen Ihnen, liebe Leser, Herzexperten aus dem ganzen Land Rede und Antwort.

Einen Schwerpunkt bilden die durch Bluthochdruck entstehenden Risiken. Die Ärztekammer MV startet ab 15.Oktober die „Hypertonie-Woche“. Neben zahlreichen Foren und Vorträgen in Kliniken und Praxen werden fast 50 Apotheken im Nordosten Blutdruckmess-Aktionen durchführen.

Volker Penne

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