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07:42 04.06.2019
Auf diesen Strecken hat die Firma P3 Communications für die CDU-Landtagsfraktion das mobile Internet in MV gemessen. Quelle: Benjamin Barz/OZ
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Rostock

An vielen Orten in MV gibt es nur schlechten oder gar keinen Mobilfunkempfang. Das ist das Ergebnis einer Messreihe, veranlasst von der CDU-Landtagsfraktion. Die P3 Communications GmbH aus Aachen trug entlang einer Strecke von 750 Kilometern rund sechs Millionen Datensätze zusammen. Basis war eine Melde-App für Funklöcher in MV, die die CDU seit Monaten geschaltet hat: mit aktuell gut 16 000 Nutzereinträgen. „Der Ergebnisbericht bestätigt im Wesentlichen die gemeldeten Funklöcher im Bereich UMTS und LTE“, erklärt Jonas Sela von P3.

Kokert (CDU): „Eine einzige Katastrophe“

Das Ergebnis ist für Vincent Kokert, CDU-Fraktionschef im Landtag, erschreckend: „Ländliche Regionen werden abgehängt, mitunter kann man nicht mal telefonieren, von mobilem Internet ganz zu schweigen. Ich empfinde das als eine einzige Katastrophe.“ Die Messdaten von P3 sind in der Tat ernüchternd. Auf drei Touren ging es quer durchs flache Land dort entlang, wo Funklöcher gemeldet wurden (siehe Karte). P3 ermittelte Signalstärke und Signalqualität für 2G-, 3G- und 4G-Standard (GSM, UMTS, LTE) der drei großen Mobilfunkanbieter Telekom, Vodafone und Telefónica. Die CDU hat sich App und Messungen 24 000 Euro kosten lassen.

Weiße Flecken bei den drei großen Mobilfunkanbietern

Am schlechtesten schnitt dabei Telefónica (O2, E-Plus) ab. Im 3G-Netz habe Vodafone die beste Abdeckung, im 4G-Netz die Telekom. Konkret: Telefónica hat bei 3G an mehr als 40 Prozent der Messpunkte kein oder nur schlechtes Netz, bei der Telekom sind es gut 30, bei Vodafone rund 15 Prozent. Oder anders herum: Sehr guten oder guten 3G-Service gab es im Schnitt an etwa 40 Prozent der Strecke. Im 4G-Mobilfunk-Standard ein leicht verändertes Bild: Telefónica hat an mehr als 40 Prozent der Messpunkte kein oder nur schlechtes Netz. Bei den anderen Anbietern driften Signalstärke und Signalqualität, also Verfügbarkeit und Nutzbarkeit des Netzes, weit auseinander. Vodafone: 13 bzw. 30 Prozent schlechter oder kein Empfang, Telekom 5 bzw. 16 Prozent. Selbst 2G, technisch möglich seit 30 Jahren, ist laut Messung nicht überall in MV vorhanden. Alle drei Anbieter kommen auf weiße Flecken von etwa einem Prozent entlang der Strecke.

Klinikum Karlsburg musste sich selbst digital helfen

Einzelne Orte befinden sich mobilfunktechnisch heute nach wie vor im Tal der Ahnungslosen. Südlich des Darß, auf einer Strecke von Ribnitz-Damgarten bis Sanitz, herrscht bei allen drei Anbietern oft Funkstille, zeigt die Studie. Ducherow südlich Usedoms hat zwar Telekom-Empfang, aber fast keinen bei Vodafone und Telefónica. Auf Usedom wandern die weißen Flecken je nach Anbieter. Ähnlich sieht es südlich Wismars aus. Zwischen Zurow an der A 20 und Güstrow ist das Problem Mobilfunk­abdeckung beispielhaft nachvollziehbar: Das Muster Empfang, kein Empfang wechselt sich hier bei allen drei Anbietern ab.

Kein Service bei bis zu 17 Prozent der Messungen

750 Kilometer ist die P3 Communications GmbH aus Aachen in MV abgefahren, um gemeldete Funklöcher im ländlichen Raum zu messen. Dabei habe sie 6 Millionen Datensätze gesammelt.

Messergebnisse:Im 2G-Standard (GSM) ist die Signalqualität – was der Nutzer wirklich an Empfang hat – bei den Anbietern Telekom, Vodafone und Telefónica in jeweils rund 90 Prozent der Messungen gut und sehr gut bewertet, der Rest schlechter. Im 3G-Standard (UMTS) werden bei Telefónica rund 30, bei Telekom 43 und bei Vodafone 59 Prozent gut oder sehr gut bewertet. Telefónica hat bei 13,5 Prozent der Messungen keinen, bei 24 Prozent nur schlechten Empfang gewährleistet. Im 4G-Standard (LTE) liegt die Telekom vorn: 63 Prozent sehr guter/guter Empfang. Vodafone kommt auf 46, Telefónica auf 32 Prozent. Schlusslicht Telefónica schafft in fast 17 Prozent der Messungen keinen Service.

Die Folgen können fatal sein. Beispiel Karlsburg, Kreis Vorpommern-Greifswald. Das dortige Klinikum, ein Herz- und Diabeteszentrum, liegt im Funk- und Breitband-Tiefschlaf. Man habe selbst für Empfang sorgen müssen, so Prof. Wolfgang Motz, Ärztlicher Direktor: „Sonst könnten wir digital nicht existieren.“

50-Millionen-Programm für Mobilfunkmasten verzögert sich

Untragbar findet CDU-Mann Kokert: „Funklöcher sind in Mecklenburg-Vorpommern ein echtes Ärgernis. Das Netz ist einfach schlecht.“ Er begrüße, dass Vodafone weitere Investitionen in das Netz angekündigt hat. Dies werde aber nicht reichen, so Kokert. Daher habe die Landesregierung auf Drängen der CDU ein 50-Millionen-Paket geschnürt, aus dem Kommunen Förderung für Funkmasten beantragen können. Allerdings lässt Digitalisierungsminister Christian Pegel (SPD) mitteilen: Das Förderprogramm werde erst im Frühjahr 2020 greifen, da es von der EU abgesegnet werden müsse.

Pegel-Ministerium hält neue Daten für ungeeignet

Die CDU-Initiative kann als Affront gegenüber Pegel gesehen werden; die CDU stelle die Daten bei Bedarf gern zur Verfügung, hieß es am Montag. Der Minister forderte zu Jahresbeginn einen „radikalen Systemwechsel“ bei der Vergabe von Mobilfunkfrequenzen, um flächendeckend Mobilfunk zu haben. Die CDU-Daten seien „eine subjektive Erhebung“ und daher ungeeignet, sagt eine Ministeriumssprecherin. Man habe selbst ein Gutachten zu weißen Flecken im Mobilfunknetz in Auftrag gegeben.

Betreiber: Mobilfunk-Ausbau verbessert sich weiter

Die Mobilfunkbetreiber verweisen auf Investitionen und Netzausbau. Telefónica Deutschland habe in den vergangenen Wochen „viele Orte“ in MV ans LTE-Netz angeschlossen, so Sprecher Jörg Borm. Bestehende Standorte seien aufgerüstet worden, vor allem touristische Regionen wie die Insel Usedom, die Uckermark oder entlang der A 20. Vodafone nennt eine „Outdoor-Versorgung“ von 99,9 Prozent der Bevölkerung – Zusatz: in besiedelten Gebieten. Mit dem 4G-Standard seien so 97 Prozent versorgt. Das Unternehmen kündigt 100 LTE-Bauprojekte für die kommenden Monate in MV an, vor allem dort, wo es „den größten Nachholbedarf gibt“.

Die CDU fordert Netzabdeckung auch dort, wo Menschen nicht wohnen, sondern sich bewegen. Ob die Versorgung der Mobilfunkanbieter der gesetzlichen Vorgabe – 98 Prozent bundesweit – entspricht, will die Messfirma P3 nicht beantworten. „Der Test diente nicht dazu, Lizenzauflagen zu überprüfen“, so Jonas Sela. „Das ist Aufgabe der Bundesnetzagentur.“

Kommentar zum Thema: Schluss mit den Funklöchern

Frank Pubantz

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