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MV aktuell Vorsitzender der Krebsgesellschaft MV: „Beratung der Patienten nach OP unzureichend“
Nachrichten MV aktuell Vorsitzender der Krebsgesellschaft MV: „Beratung der Patienten nach OP unzureichend“
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08:08 30.07.2019
Der Vorsitzende der Krebsgesellschaft MV, Prof. Dr. Ernst Klar. Quelle: Frank Söllner
Rostock

Immer mehr Menschen in MV erkranken an Krebs. Der Nordosten belegt im bundesweiten Vergleich einen Spitzenplatz. Eine Hochrechnung des Zentralen Klinischen Krebsregisters MV ergibt 11 655 Neuerkrankungen im Jahr 2025, eine Steigerung um 744 Patienten gegenüber 2014. Über die Weiterentwicklung der Tumortherapie und ein geplantes Netzwerk von Krebsberatungsstellen sprach OZ mit dem Vorsitzenden der Krebsgesellschaft MV, Prof. Dr. Ernst Klar.

Sie nahmen als Chefchirurg in der Unimedizin Rostock hunderte Krebsoperationen vor. Wie kann eine hohe Qualität der Eingriffe erreicht werden?

Prof. Klar: Es muss eine Zuordnung bestimmter Operateure zu den sehr anspruchsvollen Eingriffen erfolgen. Nur hohe Operationszahlen garantieren hohe Qualität. Das gilt insbesondere bei Eingriffen am Mastdarm, der Bauchspeicheldrüse und der Leber.

Was versteht man unter Individualisierung der Krebstherapie?

Jeder Patient muss die für ihn optimale Therapie erhalten. Dies wird in der interdisziplinären Entscheidung in den onkologischen Zentren des Landes sichergestellt. Darüber hinaus sind wir als Universitäten aufgerufen, die klinischen Konzepte durch Forschungsergebnisse zu optimieren.

Welchen Ansatz hierzu hatten Sie in Ihrer Klinik verfolgt?

Wir hatten den wissenschaftlichen Arbeitsbereich „molekulare Onkologie und Immuntherapie“ direkt in der Klinik integriert, um zeitnah die operativ entfernten Tumore individuell zu charakterisieren. Diese Aktivitäten sind 2018 in ein mit Landesmitteln gefördertes Großprojekt gemündet. Das Ziel ist die Entwicklung einer Art Krebsimpfung, um eine mögliche Tumorwiederkehr beim erfolgreich operierten Patienten zu verhindern. Ein anspruchsvolles Projekt, das nur mit herausragenden Kooperationspartnern der Universitätsmedizinen beider Landesuniversitäten und modernster Ausstattung der Firmen Centogene in Rostock und Miltenyi Biotec in Teterow geleistet werden kann.

Krebserkrankungen nehmen zu: MV will flächendeckende Beratung etablieren

Die Krebsgesellschaft MV wird weiter aufgebaut. Welche Rolle spielt die Psychoonkologie?

Die erfolgreich operierten Patienten werden in den onkologischen Zentren und den Rehakliniken erstklassig versorgt. Handlungsbedarf besteht nach der Entlassung in der Weiterbetreuung zu Hause. Etwa 40 Prozent aller neu erkrankten Krebspatienten benötigen eine Beratung, um die Diagnose auch nach durchgeführter Therapie verarbeiten zu können. Jeder zehnte Betroffene braucht eine psychoonkologische Therapie. Soziale Vereinsamung, Schlafstörungen, Ängste oder andere psychische Störungen sind Hinweise darauf, dass eine spezielle Betreuung erforderlich ist. Die Einschätzung der Situation soll in mindestens acht zu errichtenden Krebsberatungsstellen erfolgen. Diese müssen für die Patienten leicht erreichbar sein.

Die von einigen Ärzten noch als „weiche Fakten“ eingestuften Maßnahmen bei der Krebstherapie erhalten also endlich den Stellenwert, der ihnen gebührt?

Eindeutig ja. Die Stärkung der Psyche ist für den Heilungsprozess ebenso bedeutsam wie eine Bewegungstherapie. Einzelne Studien belegen dies: Konkret konnte bei Brustkrebspatientinnen das Risiko, zu versterben, durch systematische körperliche Aktivität um bis zu 40 Prozent gesenkt werden. Und zwar in Beobachtungszeiträumen von fünf bis 18 Jahren. Auch wenn diese Zahlen unter besonderen Studienbedingungen erhoben wurden und nicht verallgemeinert werden dürfen, wird doch deutlich, dass das Langzeitüberleben bei einigen Krebserkrankungen verbessert werden kann. Wichtig ist eine stabile psychische Situation mit positiver Grundeinstellung und darauf aufbauender körperlicher Aktivität. Dies lässt sich nur durch eine leicht zugängliche Krebsberatung erreichen.

Kommentar zu Krebsberatungsstellen in MV: Die Zeit drängt

Wie steht es um die Krebsberatung im Nordosten?

Bisher haben die Selbsthilfegruppen, beispielsweise die Frauenselbsthilfe nach Krebs, und einige Gesundheitsämter Hilfesuchende betreut. Es ist dringend nötig, die Krebsberatung zu systematisieren und flächendeckend anzubieten. Dafür gibt es Vorgaben im Rahmen des nationalen Krebsplans. Diese erfordern eine qualifizierte Personalstruktur unter Einbeziehung sozialer Aspekte der Beratung und der Psychoonkologie. Werden diese Qualitätsmerkmale erfüllt, besteht ab Juli 2020 die Chance für eine sogenannte Regelfinanzierung. Sie wird einen weiteren Ausbau zulassen. Wir rechnen mit rund 4000 Patienten, die jährlich eine Krebsberatung benötigen. Deshalb müssen wir schnellstmöglich handeln.

16 Jahre lang Klinikchef

Der Rostocker Chefchirurg wurde am 31. März 2019 als Direktor der Abteilung für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Transplantationschirurgie der Unimedizin Rostock emeritiert. Prof. Klar prägte die Klinik seit 2003.

Ein besonderes Anliegen war ihm neben der Organtransplantation die Professionalisierung der Tumortherapie durch operative Schwerpunktbildung und Etablierung eines onkologischen Zentrums. Seit fünf Jahren engagiert er sich als Vorsitzender der Krebsgesellschaft MV für eine umfassende Krebsbehandlung im Nordosten.

Volker Penne

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